Heute gibt es zum ersten Mal Musik von mir auf meinem Blog — mein Instrumentalcover von ‘The Sheep Song’; ein Lied von ‘The Dresden Dolls’ (erschienen auf dem Album ‘No, Virginia…”).
Viel Spaß damit!
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Heute gibt es zum ersten Mal Musik von mir auf meinem Blog — mein Instrumentalcover von ‘The Sheep Song’; ein Lied von ‘The Dresden Dolls’ (erschienen auf dem Album ‘No, Virginia…”).
Viel Spaß damit!
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Als ich heute meine Wohnung aufräumte und mich im größeren Kontext vorbereitete zurück nach Ibbenbüren zu fahren (zu meiner Familie), hat mich Lena per Chat angeschrieben. Sie säße gerade in einem unspannenden Blockseminar und überlege, was sie heute stattdessen klügeres hätte machen können. Ich plauderte ein wenig mit ihr und fragte sie irgendwann — da es doch so schier unaushaltbar in diesem Wochenendseminar zu sein schien — ob ich ihr nicht ein Stückchen Kuchen vorbeibringen solle.
“Ja, wir haben gleich Pause und sind in Gebäude 41, Raum 218.”
Ich habe es nicht ernst gemeint, doch meine Tendenz “etwas Unerwartetes tun” meldete sich — so schwang ich mich spontan auf mein Rädchen, kaufte für sie und für Corinna (die auch im Seminar saß, wie Lena berichtete) ein Stückchen Kuchen beim Bäcker und fuhr zu Gebäude 41.
Auf dem Weg dorthin dachte ich darüber nach, dass ich eigentlich “was tun” wollte, diese Tätigkeit keinen großen Sinn hat und trotzdem supercool ist. Ich dachte aber auch — wie in den letzten Tagen häufiger — daran, dass jede Entscheidung — und sei sie noch so subjektiv unbedeutend — weitreichende und unerwartete Konsequenzen haben kann.
In diesem Fall gab es zwar keine besonders weitreichende, aber dennoch eine unerwartete Konsequenz (zumindest so wie bislang ersichtlich). Aber bevor ich dazu komme, sei kurz erwähnt, dass Lena ein sehr liebenswert-blödes Gesicht gemacht hat und herzlich zu Lachen anfing, als ich mit einem Bäckerei-Kuchen-Verpackungs-Ding auf sie wartete.
In dem Gespräch, während dem von Lena und Katha Erdbeerrhabarberkuchen verzehrt worden ist (Corinna konnte nicht, sie musste sich auf ihr Referat .. vorbereiten), fiel folgender Satz:
“Ach, du fährst also nach Hause? Wegen Muttertag, was?”
Ich hab den Muttertag vergessen.
Oder ich hätte ihn wohl vergessen, wäre ich nicht nochmal darauf aufmerksam gemacht worden.
Richtig: “nochmal”. Ich wurde aber auch so immens stark zugemüllt mit “Bald ist Muttertag”-Werbeaktionen im Briefkasten, im E-Mail-Postfach, im Supermarkt — da schotte ich dann wohl ab :)
Jetzt bin ich also zu Hause, habe mir ein Rezept geschnappt und werde gleich, wenn hier alles schläft, einen tollen tollen Kuchen backen. Nachts. Yay!
Durch diese Begebenheit hat meine Mutti morgen eine hoffentlich tolle Muttertagsüberraschung und ich habe einen 1-A-Aufhänger fürs eigentliche Thema: jene kleinen unscheinbaren Entscheidungen.
Mir macht es zuweilen Spaß über diese Entscheidungen nachzudenken, die im Nachhinein mein Leben sehr stark verändert haben, wovon ich aber zum Zeitpunkt der Entscheidung nichts ahnte.
Da wäre zum Beispiel die Entscheidung “Wir müssen für die LAN-Party eben noch Knabberkram kaufen. Wollen wir zum Extra fahren oder lieber zu Marktkauf?”
Mir war es egal. “Dann Marktkauf! Schließlich habe ich jetzt einen Führerschein — wir können auch mal etwas weiter wegfahren”.
Was folgte war ein Autounfall.
Natürlich möchte ich nicht behaupten, dass der Unfall passiert ist, weil ich “Mh.. mir egal” gesagt habe, aber hätte ich damals auf den Extra-Supermarkt bestanden, wären wir nicht in den landwirtschaftlichen Schleichweg eingebogen, sondern über die Hauptstraße gefahren (vielleicht wäre es dennoch passiert, klar).
Ohne den Autounfall wäre mein Leben jetzt auf vielen Ebenen ganz anders. Allein durch die Erinnerung oder besser das Erleben dieser Situation habe ich mich verändert — soweit so gut.
Eine Konsequenz, die aber besonders weitreichend für mich ist, ist die daraus resultierende Untauglichkeit bei der Musterung.
Hätte ich meinen Zivildienst machen müssen, hätte ich nicht bereits im Wintersemester 2006/07 anfangen können zu studieren — ich hätte einen ganz anderen Freundeskreis als ich ihn jetzt habe.
Das kann man sicherlich auch noch weiter stricken: der Zivildienst hätte mich in irgendeiner Form verändert, ich hätte nicht soviel im Krankenhaus über das Leben nachgedacht, ich hätte ohne den Unfall zu einem Kurstreffen gehen können, auf das ich mich schon gefreut hatte.
Was davon wirklich herausragend wichtig gewesen wäre, lässt sich nicht sagen. Und ich kann auch nicht wissen, was konkret ohne den Unfall passiert wäre, weshalb dieser Gedankengang nicht besonders ertragreich erscheint.
Dennoch fasziniert es mich, auf diese Art und Weise auf meinen bisherigen Lebensweg zu schauen.
Ein anderes Beispiel für eine unscheinbare und weitreichende Entscheidung ist meine Teilnahme am Symposium TurmderSinne 2007; oder mich an meinem ersten Schultag neben meine beste Freundin zu setzen, obwohl es mir ihr Cousin, der auch in meiner Klasse war, verboten hat; oder aber die Wahl meines Gymnasiums:
Meine Eltern sind mit mir an den beiden Gymnasien in Ibbenbüren vorbeigefahren. “Weißt du schon, auf welches du gehen willst, Tobias?” fragte meine Mutter. “Ich mag auf das hier”, antwortete ich während ich auf das Kepler zeigte, “das Gebäude ist treppenförmig, außerdem gibts hier Bäume und Rasen.”
Das andere Gymnasium war direkt am Bahnhof, ein quaderförmiger Betonklotz, alles ringsrum gepflastert, reichlich trist.
Und man kann diese kleinen Fleckchen meiner Biografie sogar in (eine wirre) Beziehung setzen:
Dass ich mich trotz Verbot an meinem ersten Schultag neben die Cousine des späteren “Anführer-Kindes” gesetzt hab, hat mir bei ihm kräftig Minuspunkte eingeheimst. Dann hatte ich zu der großen in der Klasse vorherrschenden Streitfrage “BVB 09 oder Bayern München” nichts besseres beizutragen als “BVB? Was ist denn das? — Ach, Fußball?! Keine Ahnung — mag ich nicht.”, was der ganzen Sympathiesache bei dem Großteil der Jungs wohl den Rest gegeben hat.
Ich musste teilweise deswegen bei der Gymnasiumswahl nicht darauf achten, wo meine Freunde hingehen würden — ich hatte nur einen richtig guten Freund und der ging auf die Realschule. Die Klassenkameraden, die auf ein Gymnasium gehen wollten und durften, gingen geschlossen auf das triste Klotzgymnasium. Selbst der eine, der eigentlich auf das treppenförmige Kepler mit Grün gehen wollte, entschied sich anscheinend aufgrunddessen doch für den Klotz.
Die Gymasiumswahl trug teilweise zu meiner Bekanntschaft mit dem Fahrer bei, der uns Jahre später vor einen Baum setzen würde, wodurch ich im WS2006/07 anfangen konnte zu studieren, wodurch ich die Leute kennenlernte, die mir unter anderem vom Symposium erzählten und mich überredeten mitzukommen.
(Diese kleine Kette beantwortet die Frage, wie der Großteil meines Freundeskreises entstanden ist — nicht gerade stark verwunderlich, flog mir aber durch den Kopf)
Ich könnte einige weitere Beispiele und Ketten generieren: Hätte ich mit der in der 11. Klasse aufkommenden Idee Psychologie zu studieren, meine Leistung in der Schule so verbessert [und verbessern können], dass ich den NC mit Sicherheit packen würde, wäre ich nicht in das Berufswegsberatungsding gegangen, wo mir zum ersten Mal der Begriff “Cognitive Science” über den Weg lief. Wie kam ich zu der Psychologie-Idee? Teilweise durch eine Freundin, die ich durch zwei weitreichender-als-gedacht Entscheidungen kennengelernt habe, usw., usf.).
Es ist häufig so, dass (größere) Entscheidungen weitreichendere Konsequenzen haben (für einen selbst und für andere persönlich relevante Menschen), als man beim Entscheiden ahnt.
Bei jeder Entscheidung tut sich ein Scheideweg auf, quasi eine Aufspaltung in mindestens zwei mögliche Welten, die mehr oder weniger stark voneinander abweichen können.
Eine dieser Welten wird dann Realität.
Hinzu kommt, dass sich alle Menschen andauernd entscheiden — ein unüberschaubarer Haufen möglicher Welten. Dabei sind das nur die wenigen Entscheidungen, die ich explizit festmachen kann — noch unüberschaubarer. Und wenn man bedenkt, dass bereits “einen Schritt nach links machen”/”nach rechts machen”/”still stehen” (oder “atmen”/”nicht atmen”) verschiedene Entscheidungen (im weiterem Sinne) sind, wird es wirklich unspannend-unüberschaubar.
Aber zurück zu dem für mich spannenden Aspekt — zurück zu größeren und weitreichender-als-geahnt Entscheidungen:
Ich find das toll und aufregend — es macht mich neugierig (retrospektiv und prospektiv) — ich würde gerne wissen, wie einige spezielle Alternativwelten konkret aussehen würden (ich muss gerade an Dickens’ “A Christmas Carol” denken — wie wäre es mit einem “Geist der Alternativwelt ω17-Abschnitt DXIV”?).
Es zeigt aber auch, wie sensibel das ganze Gefüge des eigenen Lebensweges, der eigenen Person ist.
Wenn man sich wünscht anders sein zu können, eine einzelne (oder mehrere einzelne) Variablen der eigenen Persönlichkeit (oder auch an einer anderen Person, einer Situation) verändern zu können, schenkt man den indirekten Auswirkungen (i.U. zu den gewünschten direkten Auswirkungen) keine Beachtung.
Es gibt diese unglaublich skurille Frage in dem Kontextfragebogen eines größeren psychologischen Tests: “Wenn Sie sich Persönlichkeitseigenschaften im Supermarkt kaufen könnten, Ihr Geld aber nur für drei reicht, was packen Sie in Ihren Einkaufswagen?”.
Aber auch das mag ich nicht durch und durch verteufeln — für mich hat jeder eine Vorstellung von und ein Bestreben nach bestimmten Aspekten, die er gerne in seiner Person enthalten sehen würde; und wenn ich es weiter runterbreche, spielt auch Lernen in diese Richtung (z.B. aus Fehlern lernen — wenn man etwas überhaupt als Fehler ansieht, hat man eine Vorstellung von mindestens einem nicht fehlerhaftem Zustand und möchte sein zukünftiges Verhalten wohlmöglich dahingehend verändern).
Aber ich werde mich hier (zumindest jetzt) nicht weiter mit diesem Aspekt auseinandersetzen,
ich geh Kuchen backen — mal sehen, was daraus folgt.
Sowieso ist das Muttertagsding ein sehr schöner Rahmen für diesen Eintrag — wir sind die weitreichende und bestimmt an vielen Stellen auch unerwartete Konsequenz einer Entscheidung unserer Eltern (wobei unsere Eltern in keinster Weise ahnen konnten, was diese sehr große Entscheidung für Auswirkungen haben würde).
Drückt eure Mütter ganz kräftig (und eure Väter gleich mit) :)
Wenn man die ganze Nacht allein mit seinem Sozialpsychologielehrbuch verbracht hat (so wie ich heute bzw. gestern) und die Nacht schließlich in den Morgen mündet (so wie gerade passiert) ist der erste (unverhoffte) “Kontakt” mit anderen Menschen nach Stunden … komisch.
Mit denjenigen “anderen Menschen” also, die brav schlafen waren und wieder wach sind; im Gegensatz zu mir, der immernoch wach ist.
Eins vorweg:
Ich stehe — einen Moment, kurz rechnen, jetzt ist offiziell Montag — acht Tage vor meiner Vordiplomsprüfung in Sozialpsychologie. Das bedeutet noch lange nicht, dass ich tatächlich vor lauter Stress und Hektik vergesse zu schlafen oder — noch schlimmer — die Vorstellung gewinne, ich dürfe mir Schlaf nicht erlauben (was neben einer reichlich dummen gleichzeitig auch eine schwer aufrechterhaltbare Einstellung ist).
Es ist viel eher so, dass das Phänomen aus dem Kuhl-Eintrag immernoch auftritt — zwar seltener, aber immernoch:
Ich hock gefühlte Ewigkeiten vor meinem Häufchen Arbeit und finde keine Lust oder Motivation in mir damit anzufangen/weiterzumachen, lenke mich ab und bin deswegen sauer auf mich.
Ab und zu passiert es (mit schrumpfender Distanz zum Prüfungs-/Abgabetermin immer häufiger), dass ich doch meinen Willen in die Tat umsetze. Ist dies der Fall, passiert es dann aber auch gerne mal, dass ich stur nicht einsehe, warum ich mit dem Umsetzen aufhören sollte, nur weil es plötzlich Nacht ist — solange ich nicht müde bin und das in-die-Tat-Umsetzen nicht nachlässt, weigere ich mich schlicht (ich frag mich gerade, ob mein Melatoninhaushalt im Eimer ist).
Jetzt zu Mona:
Ich lag auf meinem Bett und las wirklich interessantes sozialpsychologisches Zeugs, was ich in (jetzt) acht Tagen möglichst gut wiedergeben und miteinander-verknüpfen können will.
So gegen acht Uhr klang ein entfernter Ruf durch die offenen Fenster:
“Mona, komm!”
Nachdem ich die plötzlich in meinem Kopf aufschießende Frage “Wer is Mona?” erfolgreich unterdrückt hatte, las ich weiter.
Es gab ein schrilles Pfiffgeräusch. “MONA!” klang es nun entschieden lauter.
Eine ganze Zeit lang wechselten sich Pfiffgeräusche und “MONA! KOMM!”-Rufe ab, was meinem Bemühen, dem ganzen keine Aufmerksamkeit zu schenken, nicht sonderlich geholfen hat.
Als der Brüllende zum wütenden Schreien übergewechselt ist, ging ich zum Fenster.
Ein Mann im Anorak starkte sichtlich erzürnt über das brachliegende Feld, was ich von meinem Fenster aus beschauen kann, auf einen kleinen undefinierbaren Haufen zu.
Ich hielt es spontan für einen Misthaufen, fragte mich, wessen Mist das sein soll und entschied mich dafür, dass es sich eigentlich um einen Rest-Heu-Haufen handelt, den niemand abholen wollte, als das Heu frisch war.
Der Mann brüllte inzwischen den Heuhaufen an.
Ein Hund kam aus dem Haufen gesprungen und schmiegte sich ans Bein des Mannes.
“MONA! JETZT KOMM!”, brüllte er den Haufen weiter an.
“Das versteh ich nicht”, dachte ich.
Er machte einen weiteren Schritt auf den Haufen zu, guckte ihn bestimmt arg bedrohlich an (die ganze Szenerie spielte sich geschätzte 200-300 Meter von mir entfernt ab) und sorgte so irgendwie dafür, dass ein zweiter Hund — Mona — dem Haufen entfleuchte.
Ich schaute noch etwas zu, wie der Mensch sehr bemüht den Acker verließ — seine Hunde wollten sehnsüchtig zum Haufen zurückkehren, drängten, zerrten und seine Füße wollten ständig halb in den Boden einsinken. Als meine Oma sich im Stockwerk unter mir plötzlich hörbar räusperte, unterbrach das meine Faszination.
Ich ließ vom Fenster ab.
Merkwürdigerweise trägt diese Szenerie dazu bei, dass ich ins Bett gehen möchte — es ist hell geworden, Menschen wachen auf und verrichten ihr Tagewerk.
Die Nacht hat einen wunderhübschen Charme und ist für mich ideal zum Lernen — es ist generell die Tageszeit, wo ich am aktivsten bin (ich mache mir wieder Gedanken über Melatonin).
Nun ist die Nacht vorbei, ihr Charme ist mit ihr verschwunden und Monas Besitzer hat meine Konzentration zunichte gemacht — ich gehe schlafen.
Zusätzliche Schlafmotivation bietet normalerweise auch das nicht Entdeckt werden wollen (was gar nicht einen so großen Teil ausmachen kann, wenn ich mich jetzt im Internet oute).
Wenn Menschen einen dabei erwischen, wie man eine Nacht durchgemacht hat (in diesem Fall durchgelernt hat — das klingt viel produktiver und bewundernswerter und toller), hört man einen blöden Spruch oder wird böse sozial sanktioniert (z.B. durch einen bösen Blick — in einem Reiseführer für die Stadt London hab ich gelesen, dass die englischen Polizisten unhöfliches Benehmen und minderschwere Regelverstöße mit einem bösen Blick ahnden würden.
Seither bildet das für mich die höchste Form der (höflichen) sozialen Sanktionierung :] ).
Mindestens 3.750km (lt. Google Maps) legten Michael und ich in der Zeit vom 15. bis 22. März 2008 zurück. Wir machten eine Interrailreise von Osnabrück ausgehend über Holland, Belgien und Frankreich durch die Länder England, Wales und Irland (Republik). Dazu buchten wir uns ein 5-in-10-Tagen-Interrailticket, das uns die Möglichkeit bot — nunja — uns in einem Intervall von zehn Tagen fünf auszusuchen, an denen wir jeden internationalen nicht-extravaganten Zug nutzen durften.
Auf der obigen Reiseroute ist jeder Tag mit einer eigenen Farbe versehen und jede Übernachtungsstätte wiederum mit einem weißen Knubbel. Hier ein kleiner Überblick über die Route:
Während der Reise führte ich ein kleines Reisetagebuch, wo ich alles vermerkte, was in irgendeiner Form bemerkenswert erschien. Nun möchte ich euch an diesen Bemerkenswertigkeiten teilhaben lassen. Ich zitiere jeweils den Eintrag aus dem Reisetagebuch und gebe dann einen Kommentar dazu ab — nur falls das jemanden irritieren sollte.
Ach ja: eine andere mögliche Quelle der Irritation: kursiv geschriebenes stellt meine Gedanken dar. Statt “Ich dachte: “Hui!”" also einfach “Hui!“
Der Typ an der Rezeption des B&Bs meinte kurz vor der Buchung, dass nur noch Räume mit einem “double-bed” frei wären. Ich meinte, das sei kein Problem. Unter ‘double-bed’ verstand ich zwei aneinandergestellte Betten oder auch ein großes Bett — auf jeden Fall mit seperaten Bettdecken.
Was wir vorfanden war ein großes Bett mit einer großen Decke.
Michael rief den oben zitierten Satz, grinste und versuchte dann sicherzustellen, dass ich ihn damit nicht falsch verstehen würde.
Tue ich nicht — Köhli ist und bleibt nunmal ein homohassender Klotz :)
Irgendwann übermannte uns die Müdigkeit und wir wandten uns zum Gehen. Als wir auf die Treppe zugingen, sahen wir ein vorbeifahrendes Auto. Wir waren gerade die ersten Stufen der Treppe wieder emporgestiegen, als ein “Hey folks!” hinter uns ertönte. Wir drehten uns um und sahen eine Frau und einen Mann, beide mit Taschenlampen und gelben Warnwesten bekleidet, die die Aufschrift “POLICE” trugen.
“What are you doing ’round here 2 ‘o clock in the morning?” — “We… just wanted to take a look. We went for a walk and found this beach.” — “Where are you going to go now?” — “We want to go back to our hostel — we’re staying at the ACC.”
Die Polizeifrau starrte die ganze Zeit auf ein am Strand geparktes Auto, während der Polizeimann uns befragte:
“Could you identificate yourselves?” Ich war scheiß-nervös und war mir sicher, dass der Strand Privatbesitz eines Campingplatzes sei o.ä. (malte mir sogar aus, dass die Polizisten uns jederzeit auffordern würden, sie aufs Revier zu begleiten). Wir zeigten unsere Ausweise vor, die der Mann unter dem Schein seiner Taschenlampge kritisch beäugte.
“Oh, thats you… somehow.”, sagte der Beamte, nachdem er Michaels Passfoto mit Michael verglichen hatte und fragte weiter: “So, you are from Germany?”
“Yeah, we just arrived in Holyhead.”
“You want to go to Ireland, don’t you?”
“Yep, we’re going to take a ferry tomorrow.”
“‘Alright then. Sorry to bother you, have a nice stay.”
“Oh, thank you. It’s very beautiful here.”
“You’re welcome.”
Verdammt erleichtert kletterten wir den Rest der Stufen empor. Als wir oben angekommen waren, hatten die Polizisten bereits erfolgreich das am Strand geparkte Auto geknackt und musterten ein paar Taschen, die sie aus dem Wageninneren gezerrt haben.
Die Fähre nahm die Fahrt auf. Das Erkunden fiel mir schwieriger — der ganze Kasten wackelte plötzlich, mir wurde leicht schwindelig. Wir gingen zurück in den Restaurant- und Amüsierbereich und wollten Mittag machen. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen Entertainer in niedlich-knuffigem Affenkostüm. “Ohh”, machte Michael, “na, Toby? Wie wärs? Du streichelst das Äffchen und ich mach ein Foto davon?”
Mein Affen-streichel-Foto-Bedarf war nicht sonderlich hoch. Ich konnte ihn davon abbringen und wir setzten unseren Weg fort. Wir verliefen uns… auf einem Schiff!
Als wir den Restaurant- und Amüsierbereich wiedergefunden hatten, war der Affenentertainer auch gerade dort. Wir streiften einen Tisch pubertierender Mädchen, an dem ein Mädchen ihren Blick auf uns richtete; der dann wieder an uns vorbeihuschte und das Äffchen traf. Sie rief ernsthaft angefressen zu ihrend Mitpubertierenden “OH, JESUS! This is CREEPY!” :)
Wir gingen in den Bahnhofsbereich und fragten einfach am Schalter nach. Mir wurde gesagt, dass wir am besten gleich nach Dublin fahren könnten (ca. 10 km). Hier würde es aber auch einige Unterkünfte geben, man käme vermutlich billiger irgendwo unter als in Dublin. Er beschrieb mir den Weg zum nächsten Hostel.
Wir folgten der Wegbeschreibung und kamen schnell darauf, dass wir uns verlaufen haben müssen. Wir kehrten zum Bahnhof zurück und fragten schnell einen Busfahrer in seinem dort rumstehenden Bus.
Der Typ war einfach extrem nett! Er würde sich nicht so gut in Dan Laoghaire auskennen und fragte, wo denn dieses Hostel sein soll. Ich versuchte mich an die Wegbeschreibung zu erinnern: “Ehm… he told me to follow this road for a few minutes. At the…. thrid crossover we should turn left and walk until we see a….”– verdammt! Tankstelle… wie sagt man “Tankstelle” auf englisch? — “until we see a tank station and-”. Ich stockte mitten im Satz als ich darüber nachdachte, was ich gerade gesagt hatte. “Panzerstation”?! Ist dir echt nichts besseres eingefallen als “PANZERSTATION”?! Der Busfahrer schaute mich skeptisch an und Köhli grinste breit. “Sorry… no, not a ‘tank-station’. ehm… how do you call the place where you can fill up your car with… fuel?” — “petrol station.” — “Alright, thanks. Until we see a petrol station. The hostel should be right beneath it.”
Der Busfahrer wusste noch immer nicht, von welcher Tankstelle wir sprachen — wir ja auch nicht. Er benutzte sein Funkgerät, um einen Kollegen oder die Station zu fragen, wo es Hostels in Dan Laoghaire gibt. Erst funktionierte das Ding nicht richtig, dann machte er seinen Funkspruch (in dem er uns andauernd als ‘lads’ bezeichnete. Sowieso nannte uns jeder in Irland ‘lads’ — ich liebe Iren.); doch es nützte nichts. Keiner wusste so recht Rat. Das Busunternehmen hatte eigentlich nicht viel in dem Städtchen zu schaffen.
Er machte uns ein Angebot: er wollte uns kostenlos zu einer Tankstelle mitnehmen, in deren Nähe — so erinnerte er sich plötzlich — irgendwo ein Hostel sein musste. Falls wir es uns anders überlegen würden, könnten wir ihm auch 2€ geben und nach Dublin mitkommen. Wir akzeptierten freudig das liebe Angebot.
Während der Fahrt fragte er woher wir kämen und wohin wir unterwegs seien. Als er erfuhr, dass wir am folgenden Tag irgendwie nach Rosslare fahren wollten, empfahl er uns gleich ein tolles Busunternehmen, das täglich mehrere Fahrten dorthin unternehmen würde.
An der tank-station stiegen wir aus und bedankten uns artig. Wir suchten recht unbeholfen nach dem Hostel und fanden es dann auch irgendwann (es stellte sich übrigens heraus, dass wir anfangs DOCH richtig gelaufen sind).
Am Glevdon Park Hotel angekommen, öffnete uns der übermüdete Marco im Bademantel die Tür, gab uns die Zimmerschlüssel und erklärte noch einige Dinge.
“Breakfast time is from 08:00 to 10:00. The breakfast is served in-”. Ich unterbrach ihn: “Ehm.. we are not too keen on getting up this early.” Das brachte mich auf die Idee, dass wir dadurch vielleicht den Preis um ein paar Pfund drücken könnten. Er hielt dummerweise nichts von der Idee, bot uns aber netterweise an, uns am nächsten Tag zu einigen Flakes zu verhelfen. Wir sollten dazu einfach in das Frühstückszimmer kommen, nachdem wir eine ordentliche Mütze Schlaf gehabt hätten.
Er meinte, dass unser Zimmer oben sei und wünschte uns eine gute Nacht. Wir gingen hoch, ich schaute auf den Schlüssel: “L”.
HÄ? WIE ‘L’? Wir haben Zimmer L?
“Du, Köhli?”, flüsterte ich ins kleine Hotel hinein, “auf unserem Zimmerschlüssel steht ‘L’.”

Wir suchten nach Zimmer L, doch auf den Türen standen nur — Überraschung! — Zahlen. Bevor wir weiter ziellos durchs Haus wuselten, fragten wir lieber nochmal Marco, was es mit dem L auf sich habe.
“That’s not an L, it is a 7.” erklärte er uns. Wir standen ziemlich blöd da und verkrümelten uns wenig später in Zimmer 7.
Am nächsten Morgen gingen wir runter in das Frühstückszimmer. Es war ein sehr hübscher kleiner Raum mit einigen kleinen runden bestuhlten Tischen. Vorne im Raum war eine Art Theke, wo wohl vor ein paar Stunden noch reichhaltiger Frühstückskrempel gestanden haben muss. Auf niedrigen Tischen stand eine Auswahl von ungefähr fünfzehn Sorten Cornflakes. Wir bestaunten die Sammlung als plötzlich Marco das Zimmer betrat.
“Oi! What do you think you’re doing ’round here?” blaffte er uns wütend an.
Ich war irritiert. Und dann erkannte ich, dass es sich doch nicht um Marco handelte. Der Typ, der nun vor uns stand, war zwar ähnlich stämmig und hatte ein ziemlich marco-artiges Gesicht doch fehlte der Bart im Gesicht. Außerdem hatte er eine Glatze, was mir erst zu diesem Zeitpunkt auffiel. Ich fragte mich, ob sich Marco wohl rasiert hatte, während Michael dem Typ erklärte, dass er uns gestern Nacht zugesagt hatte, dass wir nach den Frühstückszeiten noch etwas essen könnten.
“Ah, I get it now.”, sagte er weniger aggressiv, “that wasn’t me. I’m Andrew. My brother Marco made a little deal with you guys, eh? If he’d just tell me such things in advance I wouldn’t have to yell at guests. Sorry, lads. I’ll fetch ya some milk.”
Wir frühstückten, packten unseren Kram und plauderten beim Auschecken noch eifrig mit den beiden Brüdern, die jetzt, wo sie beide neben uns standen, doch recht unterscheidbar wirkten. Nachdem sie uns dann noch den Weg zum Bahnhof erklärt hatten und wir ihnen kräftig Geld in die Hand gedrückt haben, verließen wir das beschauliche Hotelchen.

Quelle: wikipedia commons
Mit Erbsen. Übrigens. Also “Würstchen & Kartoffelbrei mit Erbsen”.
Ein paar Stunden später waren wir bei Tantchen zu Hause, die uns zum Essen eingeladen hat. Das alles lief unter anderem unter dem Fähnchen “Damit ihr auch mal in den Genuss der englischen Küche kommt.”
Michael prahlte stolz mit dem Mittagessen: “Oh, wir haben heute schon was richtig englisches gegessen: ‘Bangles & Mash’!” Meine Tante prustete los. Ich habe nicht kapiert, was so witzig daran sein soll. Sie fragte direkt noch halb lachend ihren Mann: “Do you know what Michael and Toby had for lunch? Bangles & Mash!”
Auch mein Onkel lachte sein trockenes Lachen und Tantchen klärte uns endlich auf: “Es heißt ‘Bangers & Mash’. ‘Bangles & Mash’ wären Armbändchen und Kartoffelbrei.”
Ich hatte direkt ein sehr lebhaftes Bild von Armreifen, die liebevoll in einen Haufen Kartoffelbrei gesteckt wurden, vor Augen.
Als wir dort standen und aufs Meer schauten, wurden wir von hinten angesprochen. Da saßen zwei Typen, die wir vorher gar nicht bemerkt hatten. “Hey, do you spare some change? We’re really hungry.” Köhli sagte ihnen, dass sich das gut treffen würde. Wir hätten nämlich auch Hunger und würden sie einladen. Ich war überrascht, dass er sie gleich einladen wollte. Der eine Bettlertyp meinte, falls wir Hunger hätten, sollten wir zu dem tollen Pasty-Shop die Straße rauf gehen (Pastys sind lustige, gefüllte Blätterteigtaschen). Michael fand die Idee sehr gut und sagte den Typen zu, dass wir ihnen zwei Pastys ausgeben würden und dass sie jetzt mitkommen sollten.
Sie wollten aber nicht mit. Ich verstand Michaels Plänchen. “I thought you are really hungry…” sagte ich skeptisch. “Oh, we are!”, versicherte der andere Typ, “we just want to absorb the love of this beautiful landscape a little more, don’t we?”
Köhli erklärte, dass wir ihnen entweder jetzt eine Pasty ausgeben würden oder gar nichts. Ich gab den Menschen etwas Kleingeld, was ihnen aber nicht reichte — sie lehnten es ab.
Wir wünschten ihnen noch viel Spaß beim Absorbieren und gingen essen.
Das war der zugegeben lange Eintrag über die einzelnen Notizbucheinträge. Für alle, die noch mehr Bilder sehen wollen, wartet eine Gallerie mit einigen kommentierten Bildern der Reise:
weiterlesen ‘Interrail’
Tadah!
Ab sofort kann man auf der “links und downloads!”-Seite meine “Motivation, Emotion und Persönlichkeit”-Zusammenfassung herunterladen! Es handelt sich um die Zusammenfassung eines Lehrbuchs von Prof. Dr. Julius Kuhl, der an der Universität Osnabrück Differentielle- und Persönlichkeitspsychologie lehrt.
In diesem Eintrag möchte ich etwas über die Entstehung der Zusammenfassung erzählen.
Im Wintersemester 2007/08 habe ich die Vorlesung “Motivation & Persönlichkeit I” besucht. Ich habe schon von einigen gehört, dass die Vorlesung ganz toll sein soll, habe aber anfangs nicht daran gedacht, sie tatsächlich zu besuchen; Corinna hat mich dann mehr oder weniger überredet mit ihr hinzugehen.
Sie erklärte, dass zu der Vorlesung auch ein Begleitseminar gehöre, dass aber nur Psychologiestudenten besuchen müssen, sofern sie einen Schein erwerben wollen. CogScis hingegen müssen dazu nur an der Vorlesung teilnehmen und die Abschlussklausur bestehen.
Fast unabhängig von der wirklich tollen Vorlesung keimte in mir der Wunsch auf, nach dem Bachelor in CogSci meinen Master in Psychologie zu machen (ich erzähle jetzt quasi eine ‘Parallelhandlung’ zum Ich vs. Coxi-Eintrag). Nach dem Beratungsgespräch mit Prof. Suck dachte ich über die neue radikale nächstes-Semester-quereinsteigen-Perspektive nach und fragte mich in diesem Kontext, ob für mich wohl die Möglichkeit bestünde einen “Psycholgen-Schein” in “Motivation & Persönlichkeit I” zu erwerben. Nach der nächsten Vorlesung (wir befinden uns zeitlich irgendwo im November 2007) stellte ich Prof. Kuhl diese Frage, woraufhin er mich unwirsch darauf hinwies, dass solche Anliegen in seiner Sprechstunde zu besprechen seien.
Ich ging also zur Sprechstunde und brachte mein Anliegen erneut vor. “Ja, ich weiß noch, wer Sie sind.”, entgegnete Kuhl darauf. Das Problem bestand (zur Klarstellung) darin, dass ich bis zu dem Zeitpunkt nicht das Begleitseminar besucht habe, wo eifrige Psychologiestudenten jede Woche eine kleine schriftliche Ausarbeitung als Hausarbeit einzureichen haben.
Kuhl schlug mir zwei Möglichkeiten vor, wie ich trotzdem einen ‘richtigen’ Schein erwerben kann:
Ich könnte zum einen jede Hausaufgabe (verpasste und noch kommende) anfertigen und einreichen. Die Hausaufgaben bestehen aus einer zwei- bis dreiseitigen Antwort zu einer vertiefenden Frage zum jeweiligen Lehrbuchkapitel. Zum anderen könnte ich eine Zusammenfassung des ganzen Lehrbuches anfertigen, meinte Kuhl, woraufhin ich ziemlich große Augen bekam.
“Nun schauen Sie nicht so!”, sagte er lachend, “Ja, das mag viel Arbeit sein, stellt aber gleichzeitig eine Ideale Prüfungsvorbereitung für Sie dar. Wenn sie Psychologiestudent werden möchten, müssen Sie zwei Klausuren und eine Vordiplomsprüfung in Persönlichkeitspsychologie ablegen. Denken Sie darüber nach.”
Ich dachte.
Das Lehrbuch würde ich ohnehin lesen müssen — sowohl für die Hausaufgaben-, als auch für die Zusammenfassungsalternative. Das Lehrbuch umfasst ca. 500 Seiten. Zwei- bis dreiseitige Ausarbeitungen zu insgesamt neun Kapiteln ergeben 18 bis 27 Stück Papier. Sooo viel mehr kann eine Zusammenfassung des Ganzen auch nicht umfassen.
Ich sagte ihm, dass ich die Zusammenfassung anfertigen würde.
“Prima.”, entgegnete er, “nun, dann sollten wir einen Termin ausmachen, bis wann Sie die Zusammenfassung abzugeben haben.” — “Wie wärs mit ‘irgendwann in den Ferien’?” — “Ach, das ist viel zu vage. Sie brauchen einen konkreten Termin, auf den Sie zuarbeiten können. Wie klingt der erste März?” — “Ja, ist in Ordnung.” — “Gut, dann schicken Sie mir noch bitte eine E-Mail, in der Sie das noch einmal bestätigen — damit es sicher ist.”
Ich verschickte einige Tage darauf besagte E-Mail und erhielt als Antwort ein erneutes ‘Prima.’ sowie ein ‘Ich wünsche Ihnen guten Erfolg bei ihrem ehrgeizigen Ziel’. Ich mag Menschen, die ‘prima’ sagen :)
Eine Woche vor der Klausur, Mitte Januar, habe ich ernsthaft mit den Arbeiten angefangen¹ und pausierte dann wieder bis Semesterende aufgrund der ganzen anderen (Coxi-)Klausuren. “Semesterende” heißt “Anfang Februar”, womit ein knapper Monat an Zeit verblieb. Ich erstellte mir einen Zeitplan, den ich aber immer wieder verfehlt habe, und bastelte mir dann in Excel — um einen Überblick zu gewinnen — einen dynamischen Zeitplan: Durch Eingabe des Abgabetermins, die Seitenanzahl des Buches und die aktuelle Seite erstellte das nette Programm einen kleinen Zeitplan für die verbleibenden Tage. Ich konnte dann jeden Tag die aktuelle Seite neu eintragen, meistens registrieren, dass ich das Tagesziel nicht erreicht hatte, und dann den Plan neu erstellen lassen.
30 Seiten pro Tag lesen und zusammenfassen erschien mir nicht viel, ist aber viel. Ich habe an sehr guten Tagen vielleicht 30 Seiten geschafft, das war aber keine Sache, die ich über mehrere Tage hinweg leisten kann. Trotzdem verlangte die Anzeige in meinem dynamischen Zeitplan irgendwann nach dieser Leistung.
Ich schrieb also nach einem langen Tag am 28. Februar Professor Kuhl um 7 Uhr morgens eine Mail mit bitte um Aufschub und beendete diese mit:
“Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden und gewähren mir diesen Aufschub.
Gute Nacht!
Tobias Grage”
Ja, mein Tagesrhythmus war so eine Sache… Ich saß oft Stunden vor dem aufgeschlagenem Buch und zwang mich es zusammenzufassen. MIt dieser Haltung schaffte ich an einem Abend zwei Seiten. Ich war sehr unkonzentriert und ließ mich andauernd ablenken (ohne dass ich an der Ablenkung Freude gehabt hätte). Tief in der Nacht dann (vielleicht gegen halb fünf rum) schrie mein Arbeitswille laut um sich und trieb mich an. Ich war nicht müde, sondern sprudelte nur so vor Energie. Ich bekam Lust auf das Buch, wurde sehr motiviert und hatte sogar Spaß beim Zusammenfassen.
Nach vielen munteren Minuten Arbeit dachte ich ans Bett. Eigentlich wollte ich schlafen gehen, aber ich dachte mir, dass es recht hirnrissig wäre, wenn ich den ganzen Tag zu nichts komme und erst in der Nacht motiviert bin, diese Motivation dann im Keim zu ersticken.
Fortan war mir die Zeit egal. Ich driftete immer ein paar Stündchen weiter nach hinten, weil ich komischerweise sehr oft erst wenige Stunden vor dem Zeitpunkt, an dem ich am Vortag zu Bett ging, wirklich Lust bekam. Michael fragte mich nach der ganzen Zusammenfassungsaktion, ob es einen Tageszeitpunkt geben würde, an dem ich während dieser Zeit nicht zu Bett ging. Ich dachte kurz nach, fing an zu Lachen und musste die Frage verneinen: ich habe quasi einen kompletten Überschlag geschafft.
Aber zurück zum Aufschub: Professor Kuhl sagte mir, dass eine geringfügige Überschreitung vom neuen Termin — dem 07. März — keiner großartigen Diskussion bedarf. Am 15. März dann hatte ich erst sieben von neun Kapiteln zusammengefasst. An diesem Tag schrieb ich um halb sieben eine weitere E-Mail an Kuhl, denn ich würde um 6:53 Uhr am selben Tag den Zug besteigen, der die achttägige Reise ins Vereinigte Königreich einläuten würde. Ich erklärte diesen Umstand und sagte fest zu die Zusammenfassung nach der Reise schnellstmöglich fertigzustellen.
Ich erhielt augenblicklich eine Antwort. Auto-Responder. “Abroad until April 1st — in URGENT CASES please contact [...]“
Ich grinste breit und fuhr quasi sorgenfrei nach Großbritannien.
Am 02. April war ich dann tatsächlich fertig. Die Tage zuvor verbrachte ich im Keller. Nur das Buch, mein Notebook und ich. Kein Internet, kein Telefon, keine Ablenkung, alles fein — ich war hochproduktiv.
Die “Fertig!”-Mail ging um halb elf raus. Ich duschte mich — auch wenn ich die Nacht durchgearbeitet hatte, musste ich um 12 Uhr an diesem Tag zur Arbeit. Nach dem Duschen sah ich, dass bereits eine Antwort eingetrudelt ist.
Ich erhielt ein sehr riesiges und buntes Lob :)
…ich glaube, ich hab den ganzen Tag über dümmlich gegrinst.
Während des Sommersemesters ‘08 hab ich immer mal wieder das gute Stück korrekturgelesen und in den letzten Tagen Fehler ausgemerzt und Sachen ergänzt (sowie total supertolle Kapitelbilder gemalt!).
Jetzt ist es quasi erst richtig fertig und wird veröffentlicht.
Hier der Link (der natürlich auch — wie schon gesagt — auf der ‘links und downloads!’-Seite zu finden ist).
Trivia!
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¹ Die Klausur verlief übrigens mies. Ich war ziemlich sehr aufgeregt und hatte einen Blackout. Kurz vor Abgabe lösten die magischen Worte “Sie haben noch fünf Minuten.” das Problem. Auf einmal wusste ich wieder die Antwort auf viele Fragen. Das nützte mir nicht mehr allzu viel — ich erhielt eine vier ((Die zweite Klausur, die sich auch um das Buch drehte und ich mitschrieb als die Zusammenfassung bereits fertig war, habe ich dann mit 1 bestanden :] )).

“Raus.“
“Warum?” — “Frag nicht, tus einfach.” — “Na gut.”
Ich ging in der Nacht spazieren. Als ich den fast vollen Mond sah, wusste ich, dass es richtig war, der Eingebung zu folgen. “Wohin?” — “Da vorne, in die Schrebergärten — da ist es dunkel.”
Ich laufe.
“Warum mache ich das?” — “Wenn du weiter so fragst, verlierst du die Freude daran.“
Ich komme an einen Pfahl und mache halt und frage mich, wer auf die Idee kam den Weg durch zwei Pfähle zu behindern. Sie behindern nicht einmal, sie stehen bestenfalls im Weg.
Doch mich interessiert nur der eine Pfahl. An den kann man sich perfekt anlehnen und den Himmel betrachten. Meine Hose wird nass, weil der Pfahl nass ist.
Ich gehe wieder zurück, stolpere über den Bordstein, helfe einem Taxifahrer, der Hausnummer 41 sucht und gehe wieder in die Wohnung. Esse das Eis auf, trinke einen Schluck vom Wasser, das der Besuch daließ, verrichte meine Notdurft und steige wieder die Treppen hinab nach draußen — auf dem Weg zu meinem kleinen Plätzlein.
Draußen erhasche ich einen flüchtigen Blick die Straße entlang. Der Taxifahrer ist nicht mehr da, hat wohl seine Fahrgäste gefunden. Wohin sie wohl fahren möchten?
Zwei Leute führen einen Hund Gassi. Ich verlangsame meinen schnellen Gang, damit sie nicht sehen können wie ich zielstrebig auf die kleine Gasse zwischen all den Schrebergärten zugehe.
“Moment mal, deshalb verlangsamst du deinen Gang? Glaubst du, komisch zu wirken, wenn du das tust, was du möchtest?” — “Spielt das eine Rolle, ob sie mich komisch finden?” — “Eben. Also?“
Ich erhöhre mein Tempo wieder und erreiche die sinnlose rot-weiße Wegbegrenzung.
Ich rauche, fotografiere den Pfahl und fasse die Absicht über das Geschehen einen Blog-Eintrag zu verfassen.
“Warum? Wie komme ich auf diese Idee?” — “Weil du selbst nicht weißt, was dich hierhin bewegt und es dich fasziniert — sowohl der Spaziergang als auch die ungeklärte Motivation für denselbigen; denk am besten auch darüber nicht nach.” — “Und warum nicht?” — “Weil du es ansonsten nicht machen würdest, es käme dir sinnlos vor. Du würdest annehmen, dass es keinem nütze davon zu lesen — doch darum geht es nicht.“
Die Gedanken sedieren. Ich lausche “la noyée” vom “Le fabuleux destin d’Amélie Poulain“-OST und mache mich auf den Rückweg.
Diesmal stolpere ich nicht über den Bordstein; auch fragt diesmal kein Taxifahrer nach dem Weg. Ich erreiche meine Wohnung, in der es nach Oregano und nach meinem Besuch riecht, schnappe mir das Notebook.
“Ich weiß, dass du überlegst, den Beitrag nicht zu verfassen.” — “Egal, ich tue es trotzdem. Es fühlte sich richtig an.” — “Richtig. Einfach so.“
Einfach so.
WS 2007/08.
Mein drittes Semester Cognitive Science
…und mein letztes!
Das dritte Semester begann mit meiner Aufgabe als Erstsemestertutor. Ich hab mich mit fünfzehn anderen Menschen zusammengetan; wir hatten dann so einige Treffen in den Ferien und jagten unzählige Emails über die Mailingliste, um schließlich in der Einführungswoche vielen euphorischen Menschen wichtige Dinge zum Studienablauf vermitteln zu dürfen.
Im Grunde war alles so, wie vor einem Jahr: es gab unter den Erstis diejenigen Leute, die ja eigentlich Psychologie machen wollten, aber der NC ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht hatte; dann gab es die Leute, die Mathe und Info voll super finden, aber befürchteten, dass ihnen dies auf Dauer zu eintönig wird; und auch jene Leute, die für den Traum ein CoXi zu sein aus nem Kaff neben Nürnberg nach Osnabrück gerannt kommen.
(Eine Spezies war neu: zwei Erstsemester erzählten mir, dass sie sich eigentlich in einen ganz anderen Studiengang einschreiben wollten, aber befürchteten, dass es sich dabei um eine “brotlose Kunst” handle. Daher sind sie auf den fahrenden, boomenden und sowieso endgeilen CoXizug aufgesprungen — dies ziemlich-sehr fragwürdige Verhalten kannte ich aus meinem Jahrgang nicht.)
Nach der Einführungswoche fingen dann die Vorlesungen an. Und diesmal gab es nur eine Pflichtvorlesung — große Freude!
Neben CoXi-Vorlesungen besuchte ich in diesem Semester auch sieben andere Veranstaltungen. Die Spanne reichte von katholischer Theologie über Psychologie bishin zu theoretischer Physik. Letzteres fiel aber ziemlich sehr schnell wieder aus dem Stundenplan raus. Ich kann nicht genau festmachen, ob ich einfach nicht jeden Mittwoch um 7 Uhr hätte aufstehen wollen, oder ob ich davon abgeschreckt worden bin, dass gleich in der ersten Vorlesung mehrmals nach Taylor entwickelt worden ist (ein Mathestudent aus meinem Freundeskreis regt sich gerne gehäuft darüber auf, dass Physiker bei jedem Problem nach Taylor entwickeln. Egal welches Problem! Ob sie nun versuchen eine mehrdimensionale Wellengleichung näherungsweise herzuleiten oder die Ampel gerade unverhofft auf rot gesprungen ist — erstmal Taylor!)
So besuchte ich durchgehend ‘nur’ fünf nicht-CoXi Vorlesungen.
Richten wir den Scheinwerfer der Erzählung jedoch zunächst wieder auf CoXi:
mir wohnte eine große Motivation und Vorfreude inne. Das lag etwas an der Euphorie der Erstis, von der ich mich anstecken ließ; beruhte aber im Wesentlichen auf der neuen Perspektive: die meisten Veranstaltungen fingen endlich nicht mehr mit “Introduction to” an — kein Grundlagenkram mehr! Wir hatten uns nun eine ordentliche Wissensbasis erarbeitet, die es uns ermöglichen würde differenzierte Themen der Kognitionswissenschaft zu behandeln.
Ich war sehr gespannt.
Doch ich wurde enttäuscht. Die erste Enttäuschung kam ziemlich früh: eine CoXi Vorlesung im Bereich der kognitiven Psychologie fiel aus. Warum? Es wollten nur fünf Leute daran teilnehmen (mich eingeschlossen). Nur zwei davon (wieder mich eingeschlossen) erklärten sich auf Anfrage der Sekretärin des Dozenten bereit auch zur ersten Sitzung zu erscheinen…
Die zweite Enttäuschung war Neuroinformatik. Ich mochte den Dozenten nicht, was die meisten anderen gar nicht nachvollziehen konnten. Irgendwann ging ich kaum noch zur Vorlesung, obwohl es sich um eine Pflichtvorlesung handelte. Zugegeben ist das kein besonders guter Grund eine Vorlesung mit eigentlich interessanter Thematik nicht zu besuchen — wayne (sowieso wurde vieles in diesem Semester ‘wayne’…).
Die meisten Vorlesungen/Seminare entwickelten mit der Zeit die Tendenz altbekanntes zu wiederholen und bestenfalls leicht zu vertiefen oder die Tendenz intuitives Wissen in Worthülsen zu stopfen oder aber die Tendenz sich in einseitige detailbessesene Modelle und Theorien zu verstricken.
Methods of AI schaffte es alle drei Tendenzen zu entwickeln: das aus dem zweitem Semester bereits bekannte Thema ‘Search’ wurde wiederholt, intuitives Wissen zur Beweisführung wurde in Begriffe (”Beispiel”, “Gegenbeispiel”, “Induktion”…) verpackt und mit den Cognitive Architectures wurden einige unhandliche Modelle vorgestellt, die ich nicht als besonders sinnvoll empfand.
Parallel zu diesen Frustmomenten redete ich mit zwei Freunden gehäuft über ihre Zukunft. Der eine wollte Studiengang und -ort wechseln und der andere überhaupt erst anfangen zu studieren. Mit der Zeit stellte ich mir dann selbst die Frage nach meiner Zukunft. Ich fragte mich, was ich von CoXi erwarte und was ich nach dem Studium damit anfangen will.
Wenn man einen CoXi nach der Zeit nach CoXi fragt, erhält man meist die Antwort: “CoXi hat acht Module. Du kannst in jedem Modul theoretisch deinen Master machen — das ist ja das geile an CoXi!”
Welche Module kämen für mich in Frage? Anfang des Semesters hätte ich “Neurobiologie, Psychologie und Linguistik” geantwortet. Doch mittlerweile mochte ich Linguistik nicht mehr. So toll die Computerlinguistik-VL im zweiten Semester auch gewesen ist, zeigten mir doch die beiden Veranstaltungen im dritten Semester etwas, was ich nicht “mein Berufsziel” nennen kann.
Und Neurobiologie? Ich zweifle extrem stark an, dass sich ein CoXi Bachelor so mir, nichts dir nichts für einen (Neuro-)biologie Master einschreiben darf. Das Angebot an (offiziellen) (Neuro-)bio VL ist dafür viel zu dürftig.
Bleibt noch die Psychologie. Aber da siehts mit dem Angebot ebenso dürftig aus. Der Unterbereich ist eigentlich auch nur mit “Kognitionspsychologie” betitelt und macht daher bestenfalls 1/4 des gesamten Psychologiespektrums aus.
Schlussfolgerung: ich werde mich einfach in Psychologie und/oder Neurobiologie beraten lassen müssen und mir meine Möglichkeiten aufzeigen lassen. Alles andere würde ich dann irgendwann vor dem Bachelorabschluss entschieden haben.
Ich wollte mich fürs Erste nur in Psychologie beraten lassen, weil sie für mich wesentlich reizvoller ist, als die Neurobiologie/Neurowissenschaft.
Neues Problem: an wen wende ich mich? An CoXi-Professoren, die keine Ahnung von Masterstudiengängen in anderen Fachbereichen haben oder an Psychologie-Professoren, die keine Ahnung von CoXi haben?
Ich entschied, dass es das beste sei diese an-wen-wende-ich-mich-Frage dem Studiendekan in CoXi, Prof. Stephan, zu stellen. Der sagte, ich müsse mich an die Studienberatung der Psychologie wenden, sei sich aber nicht sicher, ob ein Psycho-Master mit CoXi-Bachelor überhaupt möglich sei…
Ich ging zum Studienberater der Psychologiestudenten, Prof. Suck mit Namen.
Er sagte mir, dass ein Wechsel möglich sei, aber nicht besonders wahrscheinlich. Es wird, wenn das Bachelor/Master System nächstes Semester in Osnabrück eingeführt wird, 30% Masterplätze in Relation zu Bachelorplätzen geben. Ich müsste demnach erstens sehr gute Noten haben und zweitens einen Antrag an den Prüfungsausschuss stellen, die meinen Bachelor in CoXi als Ersatz für den Bachelor in Psycho anerkennen würden.
Vorsichtig zeigte Prof. Suck mir die Möglichkeit eines Studienwechsels zum nächsten Semester hin auf, die ich spontan mit “etwas radikal” kommentierte.
Er sagte mir, dass ein Wechsel in ein höheres Semester viel einfacher und wahrscheinlicher sei, als mein eigentliches Vorhaben. Das funktioniert dann so:
Die Uni bietet eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen im NC-Studiengang Psychologie an. Diese Plätze werden natürlich zum ersten Semester hin von der ZVS gefüllt. Sobald jemand das Studium dann abbricht oder den Studienplatz wechselt, sind quasi freie Plätze vorhanden. Wenn man durch wildes Wedeln mit Scheinen zeigen kann, dass man in etwa die Qualifikation eines höhersemstrigen Psychologiestudenten besitzt, darf man quereinsteigen.
Professor Suck sprach noch hier und da einige wichtige Punkte an; ich bedankte mich abschließend artig und verließ sein Büro mit dieser kleinen Idee, die langsam in meinem Kopf aufkeimte und Wurzeln schlug:
direkt nach der Beratung schätzte ich die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Antrag auf Studienwechsel stellen würde, mit 50% ein. Einige Tage später waren es 70%. Acht Tage nach der Beratung stellte ich den Antrag.
Ich wollte meinen CoXi-Freunden nichts von der Beratung erzählen, bis ich mir meiner Sache sicher genug war, da ich ahnte sie würden diese Idee nicht gutheißen.
Ich ersonn das Weihnachtsfrühstück am letzten Tag vor den Weihnachtsferien als DEN Termin, um mich zu outen. Meine Antragsstellung lag zu dem Zeitpunkt bereits gut eine Woche zurück.
Ich erhielt in der Tat sehr komische Reaktionen. Einige sprachen davon, dass ich nicht einfach “weggehen könnte” oder, dass ich mich falsch entschieden hätte oder, dass dies nicht mein Ernst sein könne.
Eine einzige Person sagte, dass sie sich für mich freuen würde, da es das sei, was ich schon immer gewollt hätte.
Am Tag danach beschwerte sich noch eine andere Person vom Frühstück darüber, dass ich ihr das Weihnachtsfest durch diese grausige Vorstellung ruiniert hätte. Sie war ernsthaft angepisst und ich ernsthaft erstaunt.
Es waren aber längst nicht alle so extrem. Viele haben gar nicht erst angefangen darin ein großes Problem zu sehen. Und die meisten, die doch eins gesehen haben, haben sich zumindest damit abgefunden.
Das Semester kam bald zu seinem Ende. Klausuren wurden geschrieben (oder auch nicht geschrieben — hab mich am Morgen vor einer Klausur dazu entschieden, sie nicht mitzuschreiben, weil ich davon überzeugt war, ich würde nicht bestehen können — ich hatte in der Nacht zuvor nur die Hälfte des Lehrstoffes wiederholen können; hätte doch zwei Nächte dafür einplanen sollen..).
Die Ferien fingen an. Schluss.
Meine Lieblingsvorlesungen in dem Semester lauteten “Motivation & Persönlichkeit” und “Neutestamentliche Eschatologie”. Da bin ich einfach immer wieder gerne hingegangen. M&P war zudem eine Psychologievorlesung; die Aussicht auf einen Studienplatz hat meine Freude an der Vorlesung, die ohnehin schon groß war, weiter verstärkt.
Die schlimmsten Vorlesungen waren Statistical Natural Language Processing und Action & Cognition. Auch wenn das für A&C nur bedingt zutrifft: Action & Cognition umfasste sehr interessante Themengebiete — aber eben nicht nur. Einige Inhalte der VL waren bereits aus anderen VL bekannt, waren falsch oder stellten sich im Nachhinein sogar durch die VL selbst als falsch bzw. inkonsistent heraus. Das Ganze wurde von einem Professor begleitet, den ich sehr merkwürdig finde. Und das liegt nicht nur an seiner Art zu sprechen (”Se nnürohn in se senter of sihs sörkl…” — “The neuron in the center of this circle…”).
Ich kann nicht genau festmachen, woran es liegt…
Tatsache ist, dass er es liebt die Schriftart ‘Comic Sans MS’ zu benutzen — kein gutes Zeichen.
Und was wurde aus dem Wechsel?
Für mich stand fest: wenn aus dem Wechsel nichts wird, werde ich es wieder und wieder versuchen. Ich hab mich richtig auf den Gedanken an ein Psychologiestudium fixiert/verstrickt/festgenagelt. Ich versuchte schon vor dem CoXi Studium Psychologie zu studieren (so war ich auch im ersten Semester für meine Einführungswochentutoren in eine bereits bekannte Kategorie einsortierbar); die ganzen Gedanken rund um den Wechsel haben mich wieder an diesen — ich traue mich kaum das Wort zu benutzen — Traum erinnert und ihn lebendig werden lassen.
Vielleicht habe ich diesen Traum während der vergangenen Semester unabsichtlich ausgeblendet; vielleicht erschien mir aber tatsächlich CoXi ein ebenbürtiger Ersatz zu sein — keine Ahnung.
Auf jeden Fall ist mein Traum wieder erwacht und stärker als je zuvor.
Damit kann man die Beziehung zwischen CoXi und mir als gescheitert ansehen.
Ich hab mich in vielen Gedankengängen wiedergefunden, die sich damit befassten, warum CoXi eigentlich so scheiße ist. Einige drehten sich um die kränkliche Methodik, andere um den übertrieben starken Fokus auf das symbolische Bewusstsein und wieder andere um die Besessenheit von der Idee eine Internationalitätsattitüde durch Englisch als Vortragssprache wecken zu müssen.
Ich hab mich mit keinem Gedankengang lang genug befasst, als das ich jetzt hier darüber berichten kann/möchte — aber soviel sei gesagt: CoXi darf wegen mir gerne weiterexistieren, so scheiße ist es gar nicht :)
Ich persönlich sehe mittlerweile in dem Studiengang (bzw. in den ersten drei Semestern) einen schönen Einblick in acht wissenschaftliche Disziplinen. Ich hatte quasi mit CoXi eine umfangreiche Orientierungsphase.
Vielen Dank dafür.
Ich bezweifle nur, ob die letzten drei Semester mehr vollbringen können, als einen umfangreichen und oberflächlichen Einblick in jene acht Disziplinen zu vermitteln.
Zurück zu meinem angestrebten Wechsel:
Mein Antrag ist bewilligt worden!
Derzeit bin ich ein glücklich hüpfender Psychologiestudent im zweiten Semester.
Der wichtige Brief kam eine Woche vor Vorlesungsbeginn. Ich wusste bereits an der Dicke des A5 Briefkuverts, dass es einfach geklappt haben muss.
In der ersten Vorlesungswoche ging ich dann zum Studierendensekretariat und machte den Wechsel offiziell. Als ich ankam, sagte ein dicker Mann zu einem Mädchen am Schalter: “Glückwunsch, sie sind die letzte, die wir für das Diplom in Psychologie zugelassen haben.”
Ich habe am Tresen neben dem Mädchen einer Dame mein Anliegen vorgebracht. Sie schritt dann zu einer Kollegin und verkündete, dass “der andere jetzt auch da sei”. Genau das drang dem gratulierenden Dicken ins Ohr. Er wandte sich zu mir um, suchte meinen Blick und sagte erfreut: “Ah, toll! Und sie sind der Vorletzte!”
Er fing an zu lachen und ich begann zu strahlen — ich habe es geschafft. Ich bin da. Alles wird gut.
Danke.
Die Kollegin bereitete wenig später meinen neuen Ausweis vor und fragte mich: “Wollen Sie Ihren alten Studiengang parallel weiterstudieren?”
“Mh.. nein.”, sagte ich.
“Sie wollen Cognitive Science aufgeben?”
Das klang dann doch etwas hart. Ich dachte sehr kurz darüber nach und sagte schließlich sicher und bestimmt:
“Ja, ich will es aufgeben.”
Osnabrücker Hauptbahnhof, letzten Sommer:
Ich rannte auf den Haupteingang des Bahnhofs zu — nur noch eine Minute bis mein Zug abfährt! Ich war am Haupteingang aufgrund der elektrischen Türen und der anderen Menschen gezwungen kurz stehen zu bleiben. In dem Moment wandte sich ein Typ an mich und bat mich um etwas Kleingeld. “Ich hab grad echt keine Zeit — mein Zug fährt sofort” sagte ich hektisch, rannte zum Gleis und sah meinem Zug beim Wegfahren zu.
Dumme Sache. Da ich eine Stunde Zeit hatte bis der nächste Zug abfahren würde, entschloss ich wieder in die Innenstadt zu gehen. Auf dem Weg dorthin kam ich wieder am Eingang vorbei also auch an dem Typ. Ich sagte ihm “So… jetzt habe ich Zeit. ” und gab ihm etwas Kleingeld.
Alles völlig legitim. Nur dummerweise bedeutet “ich hab grad echt keine Zeit” im Allgemeinen fast nie “ich hab grad echt keine Zeit”.
Der korrekte Gebrauch wäre die Verkündung der Feststellung, dass Aktion A vor dem Ausführen oder Geschehen von Aktion B offensichtlich nicht mehr durchgeführt werden kann. Wie in “Mein Flug geht in 10 Minuten. Ich hab keine Zeit mehr, um nochmal nach Hause zu fahren und mich zu duschen.”.
Kritischer wird es bei Aussagen wie “Ich hab heute Abend keine Zeit, um ihn anzurufen — ich muss morgen früh raus.”
Wann immer die Phrase so gebraucht wird, denke ich mir “Eigentlich wollte die Person sagen ‘Heute Abend werde ich ihn nicht mehr anrufen, es gibt andere Sachen wie meinen Schlaf, die ich dringender brauche’.”
Denn in solchen Aussagen ist es keine Frage der Möglichkeit (ab einer gewissen Geschwindigkeit kann man innerhalb von 10 Minuten vom Flughafen nach Hause fahren, sich duschen und pünktlich wieder zurückkommen), sondern des Willens (man wägt ab, ob man lieber ein wenig mit wem plaudert oder man lieber für die morgige Vorlesung ausgeschlafen ist).
Natürlich klingt meine Umformulierung egoistischer. Man sagt lieber “Ich hab keine Zeit” als “Ich mach lieber andere Sachen”.
Ich selber versuche diese Phrase zu vermeiden, bin aber auch nicht böse, wenn sie jemand verwendet.
Nun ist es leider so, dass in meinem Cognitive-Science-Umfeld (CSU) sehr häufig mit “Ich hab keine Zeit” um sich geworfen wird. Ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, wo “Ich hab keine Zeit” eine Aussage der fehlenden Möglichkeit beschrieb.
Aber wie gesagt — ich bin nicht böse, akzeptiere es oder toleriere es zumindest.
Dummerweise reduziert das häufige Gebrauchen dieser Phrase anscheinend die Hemmschwelle, die zum Veräußern der Phrase überwunden werden muss.
Es gibt nämlich noch eine Bedeutungsmöglichkeit — eine Erweiterung der Ich-will-nicht-Möglichkeit, die nur dazu dient zu demonstrieren für wie wichtig man sich eigentlich hält.
Häufig wird in meinem CSU “Ich hab grad echt keine Zeit” in diesem Zusammenhang verwendet. Es sind inhaltlose Aussagen, vollkommen irrelevant und in erster Linie blöd.
Aber auch das wird von mir zähneknirschend hingenommen und gibt mir Gelegenheit an dem Versuch akustische Sinneswahrnehmungen bewusst nicht wahrzunehmen zu feilen.
Folgende Erkenntnis kam mir allerdings vergangenen Montag in der Mensa:
Wenn ein Mensch “Ich hab grad echt keine Zeit” in absurdester Weise nur dazu verwendet, um sich selbst aufzubauschen und sich über-wichtig zu machen, kann ich diesen Menschen nicht länger ernst nehmen.
Meine Kommolitone aus dem CSU setzte sich zu mir. Wir wünschten uns einen guten Appetit. Er saß mir gegnüber, schaute kurz auf sein Essen, dann auf mich, dann aus dem Fenster und wieder auf mich und schnitt mit einem schwerem Seufzer ein Thema an: “Haach, noch 11 Tage.”
Ich versuchte nachzudenken, was in 11 Tagen sein könnte. Die letzte Klausur? Ferien? Als ich mich schließlich selbst fragte “der wievielte ist heute eigentlich heute?”, gab ich auf und fragte — auch wenn ich es hasse auf diese indirekten Anspieler zu reagieren — “Was ist in 11 Tagen?” Er baute eine dramaturgische Pause ein, in der er die Hand mit der Gabel geschickt auf dem Tisch platzierte und sagte endlich: “Da ist die Rückmeldefrist zu Ende.”
Kurze Erklärung:
Am Ende eines Semesters muss man sich bei der Uni rückmelden, wenn man weiterstudieren möchte. Dies tut man witzigerweise durch das Überweisen von gut 650€ auf das Konto der Uni.
Okay… warum beunruhigt ihn das Ende der Rückmeldefrist?
“Und? Das zahlen doch eh deine Eltern, oder? Ich meine… du arbeitest doch nicht also woher sollst du es sonst nehmen?”
“Nein, nein… das bezahl schon ich.”
“Dann hast du nicht genug Geld?”
“Doch, doch, das auch. Ich muss es nur *dramaturgische Pause* überweisen.”
“Mhm. Und?”
“Dazu fehlt mir grade echt die Zeit!”
o_O
Okay, dachte ich mir, okay der verarscht dich. Allerdings verarscht er andere so selten wie ich darüber nachdenke wie man mit Tütenaufblasen Erdbeben verhindern kann.
“Du hast -WAS? Meinst du das ernst?”
“Wieso?!”, fragte er und schaute mich verdutzt an, “Ich hab einfach so viel zu tun, also hab ich einfach keine -blablabla”
Ich räume der Möglichkeit, dass meine Kommolitone für die nächsten elf Tage einen minutengenauen Zeitplan entwickelt hat, der es ihm nicht erlaubt eine zweiminütige wilde Überweisungssession zu veranstalten, eine geringe Wahrscheinlichkeit ein.
Viel mehr habe ich keine Lust mehr ihn ernst zu nehmen, was durch das obige “blablabla” zart angedeutet wird.
wordpress.com — die liebenswerte Homepage, die mein Blog hostet — hat die liebenswerte Eigenschaft Blog-Statistiken anzuzeigen.
So kann ich in etwa sehen an welchen Tagen wie viele Menschen mein Blog besucht haben oder das Folgen welcher Links Menschen zu meinem Blog führte.
Die witzigste Eigenschaft der Blog-Statistik verbirgt sich unter dem Punkt “Suchbegriffe”.
Immer mal wieder hab ich mir die Auflistungen der Suchbegriffe, die Menschen in Suchmaschinen eintippten und anschließend auf meinem Blog landeten, angeschaut und habe die kuriosesten gesammelt.
Da wäre zum Beispiel der Eintrag über das Rosenstolz Konzert im Juni diesen Jahres. Verdammt viele Rosenstolz Fans suchten nach dem Song “Ich hab noch immer blaue Flecken”, hofften auf meinem Blog etwas zu finden und landeten auf dem gleichnamigen Eintrag. Fast genauso viele Leute erhofften sich hier Informationen über ihre Hämatome zu finden.
Die Liste Suchbegriffe beinhaltete Einträge wie “warum bekommen wir blaue flecken”, “blaue flecken immer mehr”, “flecken am menschen kopf links” und (erschreckend häufig) “blaue flecken gehen nicht mehr weg”.
Ich wünsche allen Betroffenen eine gute Besserung :)
Es gab auch auf Cognitive Science bezogene Suchbegriffe. So zum Beispiel “cogsci weihnachtsfeier osnabrück”, “mr. evert” (ein Linguistik Professor) und — mein persönlicher Liebling (eignet sich gut für einen Blog Titel) — “Achtung künstliche Intelligenz”.
Porno darf auch nicht fehlen: “geile frauen+mulatten”, “Porno auf der Bühne”, “auf welchen Sendern kommt Porno in der n” und “geile blaue augen”.
Einige Sachen waren so gar nicht auf mein Blog gezogen und ich wunderte mich wie viele Einträge man in Suchmaschinen durchsehen muss, bevor mein Blog aufgelistet wird.
So bekamen Menschen mein Blog zu Gesicht, wo sie doch eigentlich nach “welche astrosendung gibt es”, “wie gewinne ich flitterwochen” oder “ICH MUSS UNENDLICHKEIT GEHEN” suchten.
Vor allem dem Menschen, der nach dem Suchen von “computerkiste leipzig” hier landete, möchte ich für den putzigen Suchbegriff danken. Das Blog ist auf www.google.de an dritter Stelle unter diesem Suchbegriff gelistet. Hier übrigens kommt der Begriff “Computerkiste” aus dem NeunLive-Eintrag und “Leipzig” wieder aus dem Rosenstolzkonzert-Eintrag.
Der Suchbegriff ist so putzig, dass ich drauf und dran bin mir diese Bezeichnung für mein Notebook anzugewöhnen. Allerdings verliert diese Vorstellung gerade sehr schnell an Reiz.
Wieder andere Suchbegriffe haben ihr Ziel gefunden, dieses Blog. Für “Text ohne e” ist ein wunderhübsches Beispiel gegeben. Einen Auszug aus dem Gedicht über den Westwind, habe ich aus “Die Mitte der Welt” zitiert, wodurch auch die Suche nach “erhebe mich wie eine Welle” Erfolg gehabt haben sollte. Die Suche nach “KOST JA NIX” — vor allem in Großbuchstaben — hat mich zwar etwas erschreckt, bezieht sich jedoch direkt auf einen weiteren Eintrag. “Tobias Grage” und “zephir wikipedia” (ZephYr!) landeten ebenfalls hier.
Liebe nicht-Leser, die ihr nur auf fehlgeschlagenen Suchen hin hier gelandet seid:
Lest trotzdem hier herum und sucht gefälligst vernünftig!
Eine Suchmaschine wird selten eine Frage wie “warum bekommen wir blaue flecken” beantworten. Wenn man einige Worte drumherum weglässt und dann noch das Wort der Begierde im Singular mit dem Befehl “define: ” davor unter www.google.de eintippt, sucht Google die gewünschte Antwort auf die Frage.
Zweiter Tipp: Gänsefüsschen! Nutzt Anführungszeichen, um nach mehreren Wörtern oder ganzen Sätzen in der von euch vorgegebenen Reihenfolge zu suchen. Das dieses Blog unter “jemand der nachdenkt” gefunden wurde, ehrt mich zwar, doch selbst nach dem Durchsehen von 50 Seiten mit Suchtreffern habe ich mein Blog noch nicht entdeckt. Ich muss irgendwo anders unter den 240.000 Treffern gelistet sein. Setzt man den Suchstring in Anführungszeichen erhält man unter Google nur noch 362 Treffer.
Google selbst bietet eine Reihe von Suchtipps und verfügt über eine Such-F.A.Q. — einfach mal reinschauen :)
Zum Abschluß noch zwei weihnachtliche Suchbegriffe, die mein Blog erreicht haben:
Sollte der- oder diejenige, der/die nach “angepisste geschichte weihnachtsfeier” gesucht hat noch einmal hierhin finden:
Ein anderer Mensch suchte nach “weihnachtsmann nordpol schamanen”. Wenn ich das lese, kommen mir direkt eine Menge Assoziationen, die sich um nervige Schamanen und einen angepissten Weihnachtsmann drehen.
“Was ist Kunst?”
Diese Frage beschäftigt mich hintergründig, seitdem ich eine Kategorie mit dem Namen “Kunst” eingeführt habe. Die Kategorie entstand, als ich über das Buch “Das Wunschspiel” schreiben wollte und nicht extra eine neue Katogorie “Literatur” erstellen wollte, sondern die bestehende Kategorie “Musik”, sowie die prinzipiell notwendige Kategorie “Literatur” zu der Kategorie “Kunst” zusammengefasst habe.
Zur Beantwortung dieser Frage habe ich im Übrigen keine fremden Quellen angezapft. Ich wollte, dass meine Antwort auf diese Frage auch wirklich meine Antwort ist.
Das erste, was mir in den Sinn kam, war eine Formulierung a lá “Kunst, das ist Malerei, Bildhauerei, Musik, Schauspiel, Epik, Drama und Lyrik”. Aber was nützt ein mühseliges Aufzählen aller Unterkategorien? Bedenkt man allein, dass es eines Tages eine neue Unterkatogorie geben könnte. Videospiele sind zum Beispiel eine Kunstform, an die man vor hundert Jahren noch nicht gedacht hat.
Da kommt auch gleich schon ein weiteres Problem auf den heiteren Definierer zu:
Individualität.
Nicht jeder wird Videospiele als Kunst ansehen wollen — so etwas sollte in einer Definition berücksichtigt werden.
Die Aufzählstrategie birgt ein weiteres großes Problem: nicht alle Dinge, die man sich unter einer Unterkategorie vorstellen kann, sind Kunst.
Alle Menschen, die Lieder wie “Finger im Po, Mexiko” oder “Das Rote Pferd” als Kunst ansehen, dürfen sich gerne dazu äußern und mich über meinen Denkfehler aufklären.
Mein zweiter Versuch bestand in “Kunstobjekte sind Dinge, die Gefühle und Assoziationen in Menschen erzeugen können.”
Wichtig ist hier die Funktion der Kunstobjekte als gefühl- und assoziationerzeugende Objekte. Ebenso wichtig ist der Verweis ‘Objekte’. All das, was wir Kunst nennen, ist unbelebt.
Das ist die faszinierende Eigenschaft von Kunst: Kunstobjekte sind jene unbelebten Objekte für die wir, nach lebendigen Wesen, am meisten Gefühle entwickeln können.
So wichtig der Verweis auf Objekte auch sein mag — der Begriff des Objekts ist völlig unklar. Als Objekt muss in diesem Kontext auch ein bestimmtes Schallmuster (Musik), manchmal auch in Kombination mit bestimmten visuellen Mustern (Film, Theater, Oper, etc.) gelten.
Dieser Ansatz ist aber ziemlich ungeeignet. Es gibt viele unbelebte Objekte, die in der Lage sind dieses Erzeugen zu leisten und dabei nicht als Kunst verstanden werden. Zum Beispiel können Waffen oder Geld insbesondere im Kontext spezieller Tätigkeiten starke Gefühle und Assoziationen auslösen.
Der Unterschied zwischen solchen Objekten und Kunstobjekten ist, dass Kunst mit der alleinigen Absicht geschaffen wird Gefühle und Assoziationen auszulösen, wenn man von möglichen egoistischen Motiven wie “Lebensunterhalt verdienen” oder “Anerkennung erlangen” einmal absieht.
“Als >Kunst< werden all jene Objekte bezeichnet, die einen Teil der Gedankenwelt eines oder mehrerer Agenten darstellen (egal ob gewollt oder nicht) und von diesen Agenten primär dazu konzipiert wurden in Agenten Gefühle und Assoziationen hervorzurufen, unter der Voraussetzung, dass jene Agenten das Objekt adäquat erfassen.”
Die Bedeutung von >erfassen< variiert hier je nach Art des Kunstobjekts. Ein Bild etwa, das als Kunstobjekt verstanden wird, wird zum Erfassen intensiv betrachtet. Bei einem Buch hingegen reicht das nicht aus, es muss gelesen werden, wenn man es erfassen möchte.
Es spielt keine Rolle, ob die Gefühle und Assoziationen, die in den Erfassern hervorgerufen werden, sich mit denen der Erschaffer gleichen; allein schon, da die Erschaffer nicht zwingend ihre eigenen, gegenwärtigen Gefühle und Assoziationen in ihr Werk mit einfließen lassen müssen. Der eigentliche Grund für die Irrelevanz dieses Verhältnisses ist die Individualität. Es steht außerhalb der Macht der Erschaffenden zu bestimmen welche Reaktionen Kunst hervorruft.
“Mensch” wurde im Übrigen durch “Agent” ersetzt, was nicht anders heißen soll als “bewusstes Wesen” — vor allem als Cognitive Science Student darf man nicht annehmen, dass wir Menschen für alle Zeit die einzigen Lebewesen bleiben, die Kunst erzeugen. Unabhängig davon, ob man Tiere als Agenten ansehen könnte, möchte ich sie aus der Menge der kunsterzeugenden Wesen ausschließen.
Was nach dieser Definition nicht als Kunst verstanden wird, sind Sachen wie Mode oder Autos, die manch ein Designer oder Endverbraucher vielleicht als Kunst ansehen würde. Solche Dinge würde ich allenfalls als ästhetisch bezeichnen.
Aber was ist mit Videospielen? Ich halte einige Spiele für Kunst.
Steht und fällt die Frage, ob etwas Kunst ist oder nicht, wirklich daran, ob die Erschaffer sagen: “Natürlich ist das Kunst!” oder “Das ist keine Kunst, das dient nur zur Fortbewegung/ der Unterhaltung, usw”? Man kann es nur klar lösen, wenn man den Begriff der Kunst der Allgemeingültigkeit vollkommen entreißt — Kunst ist individuell!
Geschmäcker sind verschieden, natürlich — das wissen wir alle. Dies wird umso wichtiger bei der Einteilung was Kunst ist und was nicht. So behaupte ich, dass Videospiele wie “Counter Strike” oder “Mario Kart” keine Kunst sind, “Morrowind” oder “Fahrenheit” hingegen schon.
Die Frage “Glaube ich, dass dies und jenes Kunst ist?” ist gleichbedeutend mit der Frage “Hat dies und jenes für mich die vordergründige Funktion Gefühle und Assoziationen zu wecken?”
So dürfen auch Menschen, die Oldtimer sammeln oder die riesige Fans von Modedesignern sind, ihre Objekte der Begierde >Kunst< nennen. Ja, man glaubt es kaum: vielleicht gibt es sogar jemanden, der “Finger im Po, Mexiko” >Kunst< nennt. Es ist theoretisch möglich, trotzdem behaupte ich, dass so ein Jemand nicht existiert.
Es ist also doch nicht besonders wichtig, welche Funktion der Erschaffer dem Objekt zuweist.
Ich finde die Definition (mit anschließender Überlegung) ziemlich gut und passend, aber trotzdem stört mich etwas: sie ist bar jeder Romantik! Also schließe ich ab mit einer tiefgründig-romantischen Definition:
“Kunst ist unbelebtes Gefühl und Assoziation.”
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