12
Jun
07

Die Unendlichkeit von natürlichen Sprachen

Wir wissen alle, dass unsere Sprache ständig erweitert wird und nie einen finalen Zustand erreichen wird. Das ist einer der Gründe, warum natürliche Sprachen unendlich sind.

Ein Beispiel für eine Spracherweiterung durfte ich aus nächster Nähe erleben. Wir kennen verschiedenste Arten und Weisen auszudrücken, dass man auf die Toilette gehen möchte. Wenn man also seinen Freunden sagen möchte, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, wenn man mal eben kurz verschwindet. Man sagt Sachen wie: „Ich geh mal eben aufs Klo!“, „Ich hab Druck auf der Leitung!!“ oder „Ich geh pissen!“.

Schon „Druck auf der Leitung haben“ zeigt, dass man sich sprachlich geschickt um den heissen Brei herummanövrieren kann. Einige Kommolitonen bevorzugen diese Art der Urinierungsbedürfnisverlautung. Und ich, in meiner Rolle als strikter Gegner dieser Bewegung, wies diese Personen öfters daraufhin, dass ich mich über direktere Äußerungen freuen würde, was bei eben diesen Personen zu einer unverschämten Trotzhaltung führte. Nahezu provokativ hagelte es also „Ich lege mal eben einen Boxenstopp ein.“ oder „Ich verschwinde mal eben kurz ‘wohin’.“.

Doch jetzt kommts! Eines Tage sagte Karl G. aus M. (Name geändert): „Ich geh mal eben ins Zwischenstockwerk!“. Für alle, die das AVZ der Universität in O. nicht kennen: Tatsächlich gibt es eine Toilettenanlage, die auf halber Strecke zwischen dem Unter- und Erdgeschoss liegt – ein Zwischenstockwerk!

Das Zwischenstockwerksding wurde schnell von einigen anderen ebenfalls verwendet und ging in den „allgemeinen Sprachgebrauch“ über. Bis hierhin klingt alles nach einem kleinen „Insider“, dem keine größere Beachtung geschenkt werden sollte, doch eines weiteren Schicksalhaften Tages sagte Wilhelmine P. aus C. (Name geändert) „Ach, geht schon mal ohne mich nach oben! Ich muss noch mal eben zwischenhergehen.“

o_O

So war ein Verb für die Tätigkeit „aufs Zwischenstock gehen“ geboren. Was folgt als nächstes? Ein Adjektiv? So wie in „mein zwischenstöckiges Bedürfnis wächst!“ oder „Ich hege zwischenstöckige Gedanken.“.

Was soll uns dieser Eintrag sagen?

  1. Lasst aus akuter Anstößigewörterausprechphobie die Sprache nicht unendlicher werden.
  2. Verfasst über eine Nichtigkeit wie diese keinen Blog-Eintrag. :)

3 Antworten zu „Die Unendlichkeit von natürlichen Sprachen“


  1. 12. Juni 2007 um 14:41

    Toby, mein Freund. Du bringst die Sache auf den Punkt. *laut loslach und auf dem Boden kringelnd wind’* herjemine…was sonst könnte unserem grauen AVZ mehr Schwung bringen, als all seine Möglichkeiten in vielfältigem Sprachgebrauch auszudrücken ^-^? Und mal ehrlich: Irgendetwas muss im Studium ja unsre Kreativität fördern… „Ich geh jetzt zur Toilette“ aktiviert vielleicht ne halbe Nervenzelle. Aber „mein zwischenstöckiges Bedürfnis wächst“… das löst Erregunswellen aus, die unser Gerhirn überfluten und uns in einen Zustand glückseliger geistiger Beschäftigung versetzen! Auf dann, seit kreativ!!

  2. 2 zephyrblog
    12. Juni 2007 um 17:16

    Ähm… Eigentlich bin ja GEGEN diese neuen Begriffe, aber ich gebe dir Recht: Wenn es unsere kreative Ader fördert, ist nicht einmal SO schlimm.

    Trotzdem: Man muss nicht die Sprache aufblähen nur weil man nicht „Toilette“ oder „pinkeln“ sagen will.
    Wenn man unter akuter Anstößigewörterausprechphobie (oder kurz aAWAPP) leidet, sollte man zu einem Psychologen gehen. *fg*

  3. 12. Juni 2007 um 18:11

    Hey. Ich finde den Grad meiner aAWAPP grad noch so aushaltbar. Außerdem tendiere ich sowieso ab und zu zum Neologisieren (Ahh.. nichtmal dieses Wort kennt g**gle [Name aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht] noch nicht.. schrecklich. Wenigstens bin ich erst der elfte, der es nutzt *muharharhar*


    Und: ich beharre weiterhin auf meiner Theorie zum Ursprung des Namens!


Eine Antwort schreiben