Willkommen, willkommen, willkommen nach langer Pause zu diesem Eintrag über eine der wohl merkwürdigsten Begründungen, die ich kenne.
Was ist “Kost’ ja nix.”? “Kost’ ja nix.” ist jene finale Kausalaussage (nicht verwechseln mit “kausaler Finalaussage”!), die immer dann zu Tage kommt, wenn dem Argumentierenden nichts besseres mehr einfällt.
Typischer “Kost’ ja nix.”-Dialog:
“Soll ich in meiner Bewerbung erwähnen, dass ich ein Semester lang einen Spanischkurs belegt habe ?” — “Steht da irgendwas von ‘Sprachen die ich teilweise bis fast gar nicht beherrsche’?” — “Ähh… nicht direkt.. Soll ich oder soll ich nicht?” — “Lass es bleiben. Wenn ich die Bewerbungen durchsehen müsste und jemand hätte unnötige Nebeninformationen angebracht, wäre ich angenervt.” — “Meinst du? Hm… ich schreibs einfach mal hin - kost’ ja nix!”
Dieser Dialog hat tatsächlich so ähnlich stattgefunden. Noch ein Beispiel:
“Wollte Lars dir nicht eine Empfehlung für die Stelle ausschreiben?” — “Ähm.. ja, warum?” — “Schreib ihm doch mal ne E-Mail, um ihn daran zu erinnern.” — “Warum sollte ich das tun? Er sagte mir er schreibt eine, also schreibt er auch eine.” — “Naja… kannst doch trotzdem eine Mail schreiben - kost’ ja nix!”
Was diese Phrase aussagt? Eigentlich “Die Handlung so-und-so ist auszuführen, da sie keine negativen Konsequenzen mit sich bringen kann.” Diese Behauptung trifft auf die Beispiele nicht notwendigerweise zu. Was ist, wenn der Arbeitgeber aus dem ersten Beispiel Spanier abgrundtief hasst und die Vorliebe der Bewerberin für die Sprache als Grund ansieht sie NICHT einzustellen?
Aber halten wir uns nicht mit - hoffentlich - unwahrscheinlichen Erbsenzählereien auf. Was mich tatsächlich stört ist die egoistische Sichtweise, die hinter dieser Aussage steckt: “Ob die fragwürdige Handlung mir einen Vorteil verschafft, ist ungewiss, jedoch kann sich meine Lage nicht verschlechtern, wenn ich die Handlung ausführe.” Der arme Arbeitgeber, der sich einen Haufen Bewerbungen durchlesen muss, in denen 70% der Informationen unwichtig sind! Und der arme Lars, der täglich siebzehn Erinnerungsmails bekommt, er solle doch fein auf die Empfehlungsschreiben Acht geben!
In manchen Fällen ist es berechtigt vermeintlich unnötige Handlungen auszuführen. Denkt man zum Beispiel an wiederholtes Befragen von Krankenhauspersonal, wenn man sich um einen lieben Menschen sorgt, der krank geworden ist. Doch wie kann ungerechtfertiges von gerechtfertigem eventuell-sinnlos-Handeln unterschieden werden? Bei letzterem spricht niemand von “Kost’ ja nix!”.
Wer meinen Ärger nicht mit mir teilt und darüber nachdenkt zukünftig nicht mehr dieses Blog zu besuchen, dem sei gesagt: “Warum damit aufhören? Es kost’ ja nix!”
Du musstest noch nie eine Bewerbung schreiben, was? Frag ma jemand, der sich damit auskennt und selbst Personalauswahlverfahren leitet…
Sag mir, wie man sich aus der Masse herausheben soll, wenn jeder Einheitsbrei schreibt. Und die Bemerkung “kostest ja nix” is pures positives motivierendes Denken. Wie kanst du dich über sowas aufregen?
Himmel!
Ich hab doch nie behauptet, dass “Kost’ ja nix” ein Phänomen aus dem Bewerbungswesen darstellt. Lediglich meine beiden Beispiele haben damit zu tun.
An anderes nicht-Bewerbungs-Beispiel wäre:
Du begibst dich auf eine Messe und packst dir sämtliche Taschen mit Prospekten und Broschüren voll - kost’ ja nix! Hinterher liest du sie dann aber doch nicht und schmeisst sie in den Müll.
Wenn ich Personalauswahlverfahrensleiter wäre, würde ich mich über Angaben, die laut Wunsch des Personalauswahlverfahrensleiters (ich) nicht gemacht werden brauchen, ärgern.
Übrigens: Anscheinend konnte Professor Bosch auch nichts mit den Bemerkungen anfangen - oder warum gibt es auf einmal persönliche Einstellungsgespräche?
Warum gibt es wohl persönliche Gespräche?? Du bist witzig ;). Sowas gibts nun mal, wenn es mehr Bewerber als Plätze gibt und er nicht anhand der bewerbungen, die viell alle ähnlich waren, entscheiden möchte. Das ist doch nichts Ungewöhnliches und liegt sicher nicht an den Bewerbungen!!
Hast du das gemacht? Ich habe den Verdacht, dass dir dann erzählt wird, dass für die meisten Stellen relativ uninteressant ist, ob du in der dritten Klasse ein halbes Jahr lang Stellvertreter des Klassensprechers warst oder nicht.
Ja, habe ich gemacht. Meine Mutti ist zufällig in solch einer Position ^^. Und wer spricht von dritter Klasse… Das Jungs oft gleich so übertreiben müssen….
Übertreibung ist ein schönes Stilmittel :)
…was hat deine Mutti denn gesagt, Cori?
Nochmal zur Linguistik-Tutor-Stelle:
Wäre in den Bewerbungen etwas Aussagekräftiges gewesen, hätte Peter Bosch keine Gespräche veranlassen müssen. Man könnte behaupten, dass die Bewerbungen alle nur trister Einheitsbrei waren. Fünf Seiten Text mit drei Zeilen Inhalt~
Musste letztens übrigens feststellen, dass ein gewisser PoM-Seminarleiter dieses “Kost’ ja nix”-Prinzip vollkommen verinnerlicht hat und jede kleine Stelle als studentische Hilfskraft, jeden Einleitungstext von ihm, der je veröffentlicht wurde, mit in seinen insgesamt 13-seitigen Lebenslauf gepackt hat.
Ich hoffe, dass niemand von uns Tutor werden möchte, weil es hinterher im Lebenslauf schick ausschaut.
Wow, das sind tatsächlich 13 Seiten. Ich dachte, du übertreibst ;-).
Bin wohl nicht männlich genug, um übertreiben zu können. :)
Aber jener Philosophieseminarleiter, der ist schon verdammt männlich!
Ich will die auch ma lesen!! Wo find ich n die??
Auf seiner Homepage; da wo du deine Essays hingeschickt hast.
philosophy-online
So, besser spät als nie, aber ich habe den Eintrag auch gelsen :)
Ich muss sagen: Das stimmt so nicht. Sicher wird “Kost’ ja nix” hier und da an Stelle lückenhafter Argumente vorgetragen, was aber nicht heißt, dass es generell als leere Phrase zu verstehen ist!
Oftmals kennzeichnet der Ausspruch einfach eine bestehend Möglichkeit, die es sich durchaus lohnen würde wahrzunehmen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht besonders erfolgsversprechend oder überflüssig erscheint. Verglichen mit dem geringen Aufwand kann der entstehende Vorteil dann leicht sehr groß werden.
Ich gebe dir allerdings recht, dass es nicht wenige Fälle gibt, in denen viel solcher Kost’ ja nix-Aktionen für die Betroffenen eher nervtötend sein kann…
(Übrigens stimme ich Coris Argumenten zum Thema Bewerbung zu.)
es ist wirklich ätzend, Bewerbungen zu lesen, die vollkommen am gesuchten Profil vorbeigehen.
Allerdings ist ein ausgewähltes Mehr an Informationen sinnvoll. Man sollte sich die Frage stellen, ob eine Qualifikation oder Fähigkeit zur gesuchten Stelle passt.
So kann es viel bringen, wenn bei einem Stellengesuch “Sekretärin mit guten Englichkenntnissen” auch die Spanischkenntnisse erwähnt werden. Oder ein Hobby in einer Teamsportart oder Chor zeugt von Teamgeist (sehr wichtiges Auswahlkriterium).
Ich kann nur jedem raten, sich vor einer Bewerbung mit dem Thema zu befassen, es gibt auch sehr gute Literatur dazu.
Und ein gutes Arbeitszeugnis als Tutor macht sich in der nächsten Bewerbung auch gut :)
Richtig!
Gemeinsame Aktivitäten weisen auf Teamgeist hin.
Eine Vorliebe für Sprachen erhöhen Chancen für einen Dolmetscher Job.
Eine zig-seitige Bewerbung zeugt von Minderwertigkeitskomplexen. ;)
Es geht mir aber in meinem Beitrag um Anmerkungen/Taten die nicht offensichtlich Vorteile mit sich bringen (aber eben auch keine Nachteile!).
Ich weiß gar nicht, warum hier so lang und breit über Bewerbungen gesprochen wird; hab sie wohl zu oft im Eintrag erwähnt.
Man findet “Kost’ ja nix” in sehr vielen Bereichen des Lebens.