Tadah!
Ab sofort kann man auf der „links und downloads!“-Seite meine „Motivation, Emotion und Persönlichkeit“-Zusammenfassung herunterladen! Es handelt sich um die Zusammenfassung eines Lehrbuchs von Prof. Dr. Julius Kuhl, der an der Universität Osnabrück Differentielle- und Persönlichkeitspsychologie lehrt.
In diesem Eintrag möchte ich etwas über die Entstehung der Zusammenfassung erzählen.
Im Wintersemester 2007/08 habe ich die Vorlesung „Motivation & Persönlichkeit I“ besucht. Ich habe schon von einigen gehört, dass die Vorlesung ganz toll sein soll, habe aber anfangs nicht daran gedacht, sie tatsächlich zu besuchen; Corinna hat mich dann mehr oder weniger überredet mit ihr hinzugehen.
Sie erklärte, dass zu der Vorlesung auch ein Begleitseminar gehöre, dass aber nur Psychologiestudenten besuchen müssen, sofern sie einen Schein erwerben wollen. CogScis hingegen müssen dazu nur an der Vorlesung teilnehmen und die Abschlussklausur bestehen.
Fast unabhängig von der wirklich tollen Vorlesung keimte in mir der Wunsch auf, nach dem Bachelor in CogSci meinen Master in Psychologie zu machen (ich erzähle jetzt quasi eine ‘Parallelhandlung’ zum Ich vs. Coxi-Eintrag). Nach dem Beratungsgespräch mit Prof. Suck dachte ich über die neue radikale nächstes-Semester-quereinsteigen-Perspektive nach und fragte mich in diesem Kontext, ob für mich wohl die Möglichkeit bestünde einen „Psycholgen-Schein“ in „Motivation & Persönlichkeit I“ zu erwerben. Nach der nächsten Vorlesung (wir befinden uns zeitlich irgendwo im November 2007) stellte ich Prof. Kuhl diese Frage, woraufhin er mich unwirsch darauf hinwies, dass solche Anliegen in seiner Sprechstunde zu besprechen seien.
Ich ging also zur Sprechstunde und brachte mein Anliegen erneut vor. „Ja, ich weiß noch, wer Sie sind.“, entgegnete Kuhl darauf. Das Problem bestand (zur Klarstellung) darin, dass ich bis zu dem Zeitpunkt nicht das Begleitseminar besucht habe, wo eifrige Psychologiestudenten jede Woche eine kleine schriftliche Ausarbeitung als Hausarbeit einzureichen haben.
Kuhl schlug mir zwei Möglichkeiten vor, wie ich trotzdem einen ‘richtigen’ Schein erwerben kann:
Ich könnte zum einen jede Hausaufgabe (verpasste und noch kommende) anfertigen und einreichen. Die Hausaufgaben bestehen aus einer zwei- bis dreiseitigen Antwort zu einer vertiefenden Frage zum jeweiligen Lehrbuchkapitel. Zum anderen könnte ich eine Zusammenfassung des ganzen Lehrbuches anfertigen, meinte Kuhl, woraufhin ich ziemlich große Augen bekam.
„Nun schauen Sie nicht so!“, sagte er lachend, „Ja, das mag viel Arbeit sein, stellt aber gleichzeitig eine Ideale Prüfungsvorbereitung für Sie dar. Wenn sie Psychologiestudent werden möchten, müssen Sie zwei Klausuren und eine Vordiplomsprüfung in Persönlichkeitspsychologie ablegen. Denken Sie darüber nach.“
Ich dachte.
Das Lehrbuch würde ich ohnehin lesen müssen — sowohl für die Hausaufgaben-, als auch für die Zusammenfassungsalternative. Das Lehrbuch umfasst ca. 500 Seiten. Zwei- bis dreiseitige Ausarbeitungen zu insgesamt neun Kapiteln ergeben 18 bis 27 Stück Papier. Sooo viel mehr kann eine Zusammenfassung des Ganzen auch nicht umfassen.
Ich sagte ihm, dass ich die Zusammenfassung anfertigen würde.
„Prima.“, entgegnete er, „nun, dann sollten wir einen Termin ausmachen, bis wann Sie die Zusammenfassung abzugeben haben.“ — „Wie wärs mit ‘irgendwann in den Ferien’?“ — „Ach, das ist viel zu vage. Sie brauchen einen konkreten Termin, auf den Sie zuarbeiten können. Wie klingt der erste März?“ — „Ja, ist in Ordnung.“ — „Gut, dann schicken Sie mir noch bitte eine E-Mail, in der Sie das noch einmal bestätigen — damit es sicher ist.“
Ich verschickte einige Tage darauf besagte E-Mail und erhielt als Antwort ein erneutes ‘Prima.’ sowie ein ‘Ich wünsche Ihnen guten Erfolg bei ihrem ehrgeizigen Ziel’. Ich mag Menschen, die ‘prima’ sagen :)
Eine Woche vor der Klausur, Mitte Januar, habe ich ernsthaft mit den Arbeiten angefangen¹ und pausierte dann wieder bis Semesterende aufgrund der ganzen anderen (Coxi-)Klausuren. „Semesterende“ heißt „Anfang Februar“, womit ein knapper Monat an Zeit verblieb. Ich erstellte mir einen Zeitplan, den ich aber immer wieder verfehlt habe, und bastelte mir dann in Excel — um einen Überblick zu gewinnen — einen dynamischen Zeitplan: Durch Eingabe des Abgabetermins, die Seitenanzahl des Buches und die aktuelle Seite erstellte das nette Programm einen kleinen Zeitplan für die verbleibenden Tage. Ich konnte dann jeden Tag die aktuelle Seite neu eintragen, meistens registrieren, dass ich das Tagesziel nicht erreicht hatte, und dann den Plan neu erstellen lassen.
30 Seiten pro Tag lesen und zusammenfassen erschien mir nicht viel, ist aber viel. Ich habe an sehr guten Tagen vielleicht 30 Seiten geschafft, das war aber keine Sache, die ich über mehrere Tage hinweg leisten kann. Trotzdem verlangte die Anzeige in meinem dynamischen Zeitplan irgendwann nach dieser Leistung.
Ich schrieb also nach einem langen Tag am 28. Februar Professor Kuhl um 7 Uhr morgens eine Mail mit bitte um Aufschub und beendete diese mit:
„Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden und gewähren mir diesen Aufschub.
Gute Nacht!
Tobias Grage“
Ja, mein Tagesrhythmus war so eine Sache… Ich saß oft Stunden vor dem aufgeschlagenem Buch und zwang mich es zusammenzufassen. MIt dieser Haltung schaffte ich an einem Abend zwei Seiten. Ich war sehr unkonzentriert und ließ mich andauernd ablenken (ohne dass ich an der Ablenkung Freude gehabt hätte). Tief in der Nacht dann (vielleicht gegen halb fünf rum) schrie mein Arbeitswille laut um sich und trieb mich an. Ich war nicht müde, sondern sprudelte nur so vor Energie. Ich bekam Lust auf das Buch, wurde sehr motiviert und hatte sogar Spaß beim Zusammenfassen.
Nach vielen munteren Minuten Arbeit dachte ich ans Bett. Eigentlich wollte ich schlafen gehen, aber ich dachte mir, dass es recht hirnrissig wäre, wenn ich den ganzen Tag zu nichts komme und erst in der Nacht motiviert bin, diese Motivation dann im Keim zu ersticken.
Fortan war mir die Zeit egal. Ich driftete immer ein paar Stündchen weiter nach hinten, weil ich komischerweise sehr oft erst wenige Stunden vor dem Zeitpunkt, an dem ich am Vortag zu Bett ging, wirklich Lust bekam. Michael fragte mich nach der ganzen Zusammenfassungsaktion, ob es einen Tageszeitpunkt geben würde, an dem ich während dieser Zeit nicht zu Bett ging. Ich dachte kurz nach, fing an zu Lachen und musste die Frage verneinen: ich habe quasi einen kompletten Überschlag geschafft.
Aber zurück zum Aufschub: Professor Kuhl sagte mir, dass eine geringfügige Überschreitung vom neuen Termin — dem 07. März — keiner großartigen Diskussion bedarf. Am 15. März dann hatte ich erst sieben von neun Kapiteln zusammengefasst. An diesem Tag schrieb ich um halb sieben eine weitere E-Mail an Kuhl, denn ich würde um 6:53 Uhr am selben Tag den Zug besteigen, der die achttägige Reise ins Vereinigte Königreich einläuten würde. Ich erklärte diesen Umstand und sagte fest zu die Zusammenfassung nach der Reise schnellstmöglich fertigzustellen.
Ich erhielt augenblicklich eine Antwort. Auto-Responder. „Abroad until April 1st — in URGENT CASES please contact [...]„
Ich grinste breit und fuhr quasi sorgenfrei nach Großbritannien.
Am 02. April war ich dann tatsächlich fertig. Die Tage zuvor verbrachte ich im Keller. Nur das Buch, mein Notebook und ich. Kein Internet, kein Telefon, keine Ablenkung, alles fein — ich war hochproduktiv.
Die „Fertig!“-Mail ging um halb elf raus. Ich duschte mich — auch wenn ich die Nacht durchgearbeitet hatte, musste ich um 12 Uhr an diesem Tag zur Arbeit. Nach dem Duschen sah ich, dass bereits eine Antwort eingetrudelt ist.
Ich erhielt ein sehr riesiges und buntes Lob :)
…ich glaube, ich hab den ganzen Tag über dümmlich gegrinst.
Während des Sommersemesters ‘08 hab ich immer mal wieder das gute Stück korrekturgelesen und in den letzten Tagen Fehler ausgemerzt und Sachen ergänzt (sowie total supertolle Kapitelbilder gemalt!).
Jetzt ist es quasi erst richtig fertig und wird veröffentlicht.
Hier der Link (der natürlich auch — wie schon gesagt — auf der ‘links und downloads!’-Seite zu finden ist).
Trivia!
- Die Zusammenfassung wurde größer als gedacht. Etwas knapp über 27 Stück Papier konnte ich mir ziemlich sehr schnell aus dem Kopf schlagen. Es sind jetzt im Endeffekt 118 Stück virtuelles Papier mit insgesamt 45.494 Wörtern drauf.
- Während des Zusammenfassens hörte ich gerne Musik. Auf der Suche nach möglichst ruhiger Musik stieß ich ziemlich schnell auf das Internetradio des niederländischen „Concertzenders„. Der Themenkanal „De Gehoorde Stilte“ war für mich wie geschaffen und lief stets im Hintergrund. Auch heute höre ich ihn noch beim Lernen.
- Der größte Fehler schlich sich in das vierte Kapitel ein. Kuhl verwendet die Konstrukte Handlungs- und Lageorientierung und nutzt im Text dafür die Abkürzungen „HOM“, „HOP“, sowie „LOM“ und „LOP“. Ich dachte, dass das „M“ und das „P“ für „Mensch“ bzw. „Person“ stünde; also: „Handlungsorientierter Mensch“ — „HOM“ und „Handlungsorientierte Person“ — „HOP“.
Das ist leider vollkommener Blödsinn :)
(Tatsächlich werden zwei verschiedene Arten der Handlungs- bzw. Lageorientierung unterschieden. Einmal die prospektive und die nach einem Misserfolg.)
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¹ Die Klausur verlief übrigens mies. Ich war ziemlich sehr aufgeregt und hatte einen Blackout. Kurz vor Abgabe lösten die magischen Worte „Sie haben noch fünf Minuten.“ das Problem. Auf einmal wusste ich wieder die Antwort auf viele Fragen. Das nützte mir nicht mehr allzu viel — ich erhielt eine vier ((Die zweite Klausur, die sich auch um das Buch drehte und ich mitschrieb als die Zusammenfassung bereits fertig war, habe ich dann mit 1 bestanden :] )).
Ach Toby!
Dann bist du ja doch kein so übermenschlich motivierter konvertierter Psychologiestudent – sondern genauso schlecht im Zeitmanagement wie die meisten von uns! „planning fallacy“ nennt das die Sozialpsychologie ja bekannntermaßen..
In Anbetracht der Tatsache, dass sich Prüfungstermine für gewöhnlich nicht verschieben lassen bzw. das die Sache auch nicht besser machen würde (denn die nächste Prüfung kommt bestimmt..) funktionieren meine Lernpläne geringfügig besser, aber es stimmt schon: die Motivation (ausgelöst durch Angst..) steigt proportional zur schwindenden Zeit!
Also darauf ein Precommitment: Heute schaffe ich 50 Seiten deiner Zusammenfassung durchzuarbeiten!:)
Auf, auf..
Wirklich kuhl, Toby — ein toller Eintrag und eine große Leistung!
Ich möchte dir an dieser Stelle nicht nur ganz ganz herzlich zur Veröffentlichen der finalen Version von „Kuhls Fünftel“ (auch wenn es nun ein bisschen mehr ist) gratulieren, sondern auch dazu, dass du die richtige Entscheidung getroffen hat!
Egal wie harsch die Kritik mancher CogScis anfänglich war: Wer jetzt nicht sieht wie sehr du in Psychologie aufblühst, der muss einfach blind sein.
Du hast die richtige Entscheidung getroffen, wie es aussieht. Behalte das Glänzen in den Augen, wenn du von PSI oder anderen Theorien erzählst :) und lasse dich auf deinem Weg zum (beruflichen) Glück weiter von deinen Instinkten tragen.
Ich freue mich schon auf deinen Eintrag über die InterrailTour!
– Und ich mag Leute, die Ausrufungszeichen benutzen *g*
Interrailtour? nach norden oder nach süden?