Mindestens 3.750km (lt. Google Maps) legten Michael und ich in der Zeit vom 15. bis 22. März 2008 zurück. Wir machten eine Interrailreise von Osnabrück ausgehend über Holland, Belgien und Frankreich durch die Länder England, Wales und Irland (Republik). Dazu buchten wir uns ein 5-in-10-Tagen-Interrailticket, das uns die Möglichkeit bot — nunja — uns in einem Intervall von zehn Tagen fünf auszusuchen, an denen wir jeden internationalen nicht-extravaganten Zug nutzen durften.
Auf der obigen Reiseroute ist jeder Tag mit einer eigenen Farbe versehen und jede Übernachtungsstätte wiederum mit einem weißen Knubbel. Hier ein kleiner Überblick über die Route:
- Tag 1 (weiß): Fahrt von Osnabrück nach London. Übernachtung in London (1).
- Tag 2 (rot): Abends nach Bulstrode, um Michaels Freundin Hanna zu besuchen. Übernachtung in London (1).
- Tag 3 (orange): Ab Nachmittag Fahrt nach Holyhead (2), sowie dortige Übernachtung.
- Tag 4 (gelb): Mit der Fähre nach Dan Laoghaire (3), sowie dortige Übernachtung.
- Tag 5 (blau): Nachmittags mit dem Bus nach Rosslare, abends Fähre von dort aus nach Fishguard, dann weiter nach Swansea (4), wo auch übernachtet wurde.
- Tag 6 (türkis): Fahrt nach Colwall (5), zu Besuch bei meiner Tante und ihrer Familie.
- Tag 7 (hellblau): Fahrt nach Penzance mit dem Zug, dann mit dem Bus weiter in den Südwesten nach Land’s End.
- Tag 8 (lila): Schlaf im Nachtzug von Penzance nach London. Weiter von dort aus Richtung Heimat.
Während der Reise führte ich ein kleines Reisetagebuch, wo ich alles vermerkte, was in irgendeiner Form bemerkenswert erschien. Nun möchte ich euch an diesen Bemerkenswertigkeiten teilhaben lassen. Ich zitiere jeweils den Eintrag aus dem Reisetagebuch und gebe dann einen Kommentar dazu ab — nur falls das jemanden irritieren sollte.
Ach ja: eine andere mögliche Quelle der Irritation: kursiv geschriebenes stellt meine Gedanken dar. Statt „Ich dachte: „Hui!“" also einfach „Hui!„
- „Oh, schau dir mal an wie schön Holland ist…!“
Habe ich bis heute nicht verstanden. Michael hat das drei-, viermal im Zug in Holland gesagt und auf meinen irritierten Blick hin zu Lachen angefangen. Schätze, dass Holland einfach schön ist. - „Köhli zaubert Hörnchen hervor!“
Am Tag vor der Reise habe ich nicht geschlafen. Dementsprechend fühlte ich mich und — wie sich herausstellen sollte — verhielt ich mich auch: Michael und ich aßen im Zug (immernoch in Holland) zuvor gekaufte Backwaren. Ich ließ meinen Blick über die Landschaft und durch den Zug streifen, bis er an Michaels Backwarentüte hängen blieb.
Ich riss meine Augen auf und sagte erschrocken „WAS ZUM-?!“. Michael schaute mich verdutzt an, kaute aber gemütlich weiter. „Ich hab gar nicht gemerkt, dass du ein Hörnchen isst. Ich habe angenommen — ohne groß darauf zu achten — dass du ein Brötchen essen würdest. Ich scheine wirklich müde zu sein.“ In ruhigem Ton erklärte mir Michael: „Nun, das ist so: Ich war eben beim Bäcker und bestellte ein belegtes Brötchen. Der Bäcker fragte mich, ob es sonst noch etwas sein dürfte und ich entgegnete „Mh, ja, ich hätte gerne noch ein Croissant.“ Und so kam es, dass in meiner Tüte sowohl ein Brötchen war — was ich bereits aufgegessen habe — sowie dieses Croissant, das ich gerade esse.“ - „Schlafen in der 1. Klasse“
Auf dem Weg nach Rotterdam wechselten wir in Holland den Zug. Wir suchten einen schönen Platz und fanden ein leeres gemütliches Abteil, das aussah wie ein deutsches IC-Abteil mit gelbem Anstrich und orange-brauner Bepolsterung. Wir hockten uns rein und schliefen wenig später beide ein. Irgendwann wachten wir wieder auf. Ein Schaffner, der anscheinend schon mehrmals versucht hat uns wach anzutreffen, wollte unsere Tickets sehen. Er informierte uns darüber, dass wir nicht berechtigt seien, in der ersten Klasse zu residieren und schaute gleichzeitig zum großen weißen Aufkleber über der Tür. Große Teile des Aufklebers waren abgerissen, aber bei genauem Hinsehen konnte ich ein „1st“ ausmachen. - „Brüssel: Multikultur“
Bemerkung fiel, nachdem unser Zug am dritten großen Bahnhof in Brüssel Halt gemacht hatte und wir einen ausreichenden Einblick in die Multikulturhaftigkeit Brüssels erlangt hatten. - „Eurostar“ [Steht nicht im Reisetagebuch, ist aber erzählenswert]
Vor der Reise haben wir das Ticketkaufen gründlich abgesprochen; denn wir mussten die Strecke von Osnabrück nach Holland und zurück sowie die Strecke von Brüssel nach London und zurück extra buchen. Letztere Strecke muss extra gebucht werden, weil die Eurostar Group [jenes Unternehmen, das Fahrten von Paris über Brüssel nach London durchführt] keine Interrailmenschen einfach so mitfahren lässt (Mistkerle!). Wir haben also die Zeiten der noch zu buchenden Züge koordiniert; Michael hat einen Plan angefertigt, die Preise danebengepinnt und ich bin dann auf zur Bahn, um die Tickets zu kaufen.
Bei Buchung der Eurostarzüge wurde die pummelige Bahnfrau stutzig: „Diese Verbindung kriegen se aber nicht für 150€!“ — „Was?“ — „Die Preise, die hier stehen, sollen doch für sie und ihren Freund gelten, richtig?“ — „Ja, schon..“ — „150€ ist der Preis für eine Person pro Fahrt.“ — „150€ pro Person?! Heftig!“ — „Wollen sie den Zug nicht mehr buchen?“ — „Mh.. doch, doch. Ich schätze er [Michael] hat sich verlesen und das falsch übertragen. Das ist schon richtig so.“
Ich wusste nur noch, dass der Eurostar die günstigste Alternative war. Eine Fähre oder gar ein Flieger wäre bei unserer spontanen Reiseplanung wesentlich teurer geworden.
Als ich zu Hause war, stellte sich heraus, dass wir doch mit 75€ pro Person pro Richtung gerechnet hatten und eben dieser Preis auch auf der Homepage für den gewählten Zug unter der Kategorie „Interrail-Rabatt“ gelistet war. Ich habs verbockt.
Wir hatten noch die Möglichkeit die Tickets zurückzugeben — ich hab extra vorher nachgefragt. Ich rief bei Eurostar an, Michael bei der Bahn; wir erfuhren, dass wir 150€-Tickets bekommen haben, weil das DB-Kontingent für Interrailrabatte bei dieser Verbindung erschöpft sei.
Auf der Homepage wurden die Tickets, wie gesagt, noch zu den günstigen Rabattpreisen angeboten. Also mussten wir nur dort welche bestellen und die teuren zurückgeben. Problem: „zahlbar mit Kreditkarte“.
Wir haben aber keine scheiß Kreditkarte!
Michaels oder meine Eltern auch nicht.
Ich kenne überhaupt niemanden, der eine besitzt!
Michael fragte rum und erfuhr, dass Patricks Vater eine hat und uns aushelfen würde. Wir stießen schnell auf ein weiteres Problem: der Kreditkarteninhaber muss beim Kauf persönlich vor Ort (heißt: Brüssel) sein. Bestellung per Internet oder Telefon mit Abholung in Brüssel war nicht möglich.
Also fuhren wir mit den teuren Tickets los.
In Brüssel angekommen, hatten wir einige Stunden Aufenthalt, in denen wir zuallerst versuchen wollten die Tickets vor Ort umzutauschen. Ich ging zuversichtlich zum Eurostarschalter am Bahnhof; neben mir der nicht zuversichtliche Michael. Nach Verständigungsschwierigkeiten und „ich frag mal meine Kollegin“-Eskapaden erhielten wir ein „Ich glaube nicht, dass das geht. Aber falls es doch gehen sollte, sind wir eh nicht dafür verantwortlich. Bitte gehen sie ins TravelCenter™“ [Natürlich war der Dialog auf Englisch, ich übersetzte nur :)].
Wir gingen ins TravelCenter™. An einem Terminal wählten wir als Beratungssprache ‘deutsch’ (!), zogen eine Nummer und warteten. Wenig später waren wir an der Reihe. Ich brachte erneut unser Anliegen — diesmal auf deutsch — vor; der Mann betrachtete unsere Bahntickets und sprach: „Das sind aber keine Eurostartickets.“ — „Ne, das sind Eurostartickets von der Deutschen Bahn.“ — „Mhm“, sagte er mehr zu sich selbst und dann — den Blick auf uns gerichtet: „Kleinen Moment, ja?“.
Wir beobachteten den Mann wie er mit einem wichtig aussehenden Typen sprach, nach links wuselte, wieder nach rechts an uns vorbeiwuselte und in einem Raum verschwand.
„Ich glaube, das klappt.“, sagte ich fröhlich zu Michael. „Wieso?“ — „Na, es dauert lange.“ — „Und? Ich glaube, der Typ hat uns einfach nicht verstanden und ist jetzt irritiert.“ — „Dann braucht er aber nicht andere Menschen fragen, was wir meinen könnten. Der erledigt das für uns!“
Er kehrte wieder, sagte aber nichts zu uns; er tippte nur auf seinem PC rum. Der danebenstehende Drucker nahm die Drucktätigkeit auf, woraufhin er wieder verschwand.
„Siehst du? Es klappt! Er druckt Tickets für uns.“ — „Woher willst du wissen, dass die für uns sind?“ — „SICHER… er bedient, während wir hier stehen, andere TravelCenter™-Kunden, weil wir ihn anöden.“ — „Ich glaubs auf jeden Fall erst, wenn ich die Karten in der Hand halte.“
Der Mann kehrte erneut zurück, nahm die Tickets weg, verschwand wieder, zeigte sie dem wichtig aussehenden Menschen weiter hinten, kehrte wieder-wieder zurück, legte uns die Tickets hin und zahlte uns 95€ aus, was er nach Abschluss dieser Tätigkeit mit „So, bitte.“ kommentierte — die ersten Worte nach seinem „Kleinen Moment, ja?“. Er wies uns noch freundlich daraufhin, dass der neue Zug schon in 45 Minuten abfahren würde und man spätestens eine halbe Stunde vor Abfahrt einchecken müsse. Toll! Weniger Wartezeit im Bahnhof und Geld zurück bekommen (dafür hatten wir in dem Moment etwas Hektik — der Bahnhof ist recht riesig). - „Illegales Foto geschossen“
Wir reihten uns rechtzeitig in die Schlange der eincheckenden Menschen ein, zeigten — als wir an der Reihe waren — unsere Tickets vor und ließen sie abstempeln… Dann passierten wir — wie auf einem Flughafen — ein kleines Personalausweiskontrollbüdchen, aufgeteilt nach „EU-Citizens“ und „non EU-Citizens“. Wir zeigten unsere Ausweise vor, gingen weiter und … erreichten noch ein solches Büdchen. Und noch eins. Ich war irritiert. Ein Posten trug ein englisches Wappen, ein anderer wird im Auftrag der belgischen Regierung rumkontrollieren… aber der dritte?
Nachdem wir unsere Staatsbürgerschaft erfolgreich nachgewiesen hatten, kamen wir zu einer Metallschranke — Gepäck abgeben, röntgen lassen, Krempel aus den Taschen nehmen, röntgen lassen, durch Schranke gehen und auf nicht-piepen hoffen. WTF?! Was muss man denn hier tun, um einen dämlichen Zug betreten zu dürfen? Ich zückte meine Kamera und fotografierte die Sicherheitsschranke.
„Sir!“, rief eine Frau bestimmt und trat auf mich zu, „You are not allowed to take a picture of our secruity border!“ Köhli trat hinzu und wirkte irritiert. Die Frau begriff, dass wir uns kannten und ich die Schranke in dem Moment ablichtete als Michael sie durchschritt. „Wenn Sie ihren Freund fotografieren möchten, können sie das hier drüben-“, sie zeigte nach links, „- oder dort drüben-“, sie zeigte übertrieben stark nach rechts,“ -tun. Aber die Sicherheitsschranke dürfen sie nicht fotografieren. Das sind unsere Sicherheitsbestimmungen. Ich muss Sie nun auffordern das Foto vor meinen Augen zu löschen.“
Ich tat wie geheißen. Sie beugte sich stark über das Display der Kamera und beobachtete es aufmerksam. Sie lächelte zufrieden, wirkte etwas unsicher, entschuldigte sich für die Störung und wünschte eine „pleasent journey“.
Wir gingen weiter den einzig möglichen Weg entlang und während ich nichts weiter als W-T-F denken konnte, murmelte Michael „Ich weiß, wie du das Foto wiederherstellen kannst…“ in mein Ohr. [Nein, ich hab es nicht gemacht :)] - „Back in my youth…“
Köhli und ich spielten im prolligen-prolligen Eurostar-Zug von Brüssel nach London „Die Siedler — Das Kartenspiel“. Unsere englischen Zugsitznachbarn zeigten Interesse an dem Spiel. Sie sagten, dass ihre Bekannten sehr gerne das klassische „Settlers game“ spielen würden. Michael sagte „Back in my youth I used to play this game rea-“. Er brach ab und schaute mich irritiert an; denn ich habe angefangen zu lachen. Ich fands sehr komisch, dass Michael mit 19 Jahren diesen Ausdruck benutzte. Ich wiederholte lachend „Back in my youth..“, was für den männlichen englischen Sitznachbarn die Einladung zu einem schallenden Gelächter darstellte. - „Unterkunft gefunden!“
Gutgläubig und in der festen Überzeugung, dass eine Hauptstadt immer ein warmes Bettchen für Reisende bereithält, kamen wir Samstag Abend in London St. Pancras an und machten uns — nach einer kurzen Stärkung — auf, eine Unterkunft zu suchen. Wir fingen bei Jugendherbergen und kleinen gemütlichen Bed&Breakfast-Stübchen an, nachzufragen. Wir sahen uns stets einer überraschten bis amüsierten Miene gegenüber, als wir versuchten für diesen Abend zwei Betten zu bekommen — alles belegt!
Michael und ich arbeiteten uns preislich immer höher. Irgendwann wurden wir von einem Hotel, dass für die Nacht keine Betten mehr frei hatte, zum Holiday Inn geschickt. Es stank schon von weitem nach teurem Edelhotelschuppen, aber versuchen wollten wirs zumindest. In der pompösen Empfangshalle starrten wir auf das schlichte Preisschild: umgerechnet 123,30€ pro Person und Nacht. Angefangen haben wir bei gut 15€ pro Person und Nacht in einem Schlafsaal einer Jugendherberge. - „Dank an Travellodge King’s Cross“
Unser Weg führte uns auch in das Travellodge in King’s Cross. Travellodge ist eine Hotelkette. Das Preisschild verkündete knapp 60€ pro Person und Nacht — alles belegt. Die Empfangsdame beschrieb uns den Weg zu drei Bed&Breakfast-Hotels und wünschte uns viel Glück. Wir waren tatsächlich von einer Hoffnungslosigkeit gepackt. Ich hatte — wie gesagt — die Nacht zuvor nicht geschlafen und Michael wiederholte auf dem Weg zu den B&B’s seinen Vorschlag mit der Bahn einfach in einen anderen Stadtteil — etwas weiter außerhalb — zu fahren, um sich dort mal ein wenig umzuschauen.
Wir befolgten den Rat der Empfangsdame und fanden uns kurze Zeit später in einer kleinen Straße wieder; es war inzwischen ungefähr halb elf.
Wir betraten ein B&B, das wir anfangs für ein Reisebüro gehalten hatten. Es hatte tatsächlich noch ein paar Zimmer frei — 50€ pro Person und Nacht. Nicht ganz unsere Preisvorstellung, aber wir waren nach viereinhalb Stunden Suche bereit dies in Kauf zu nehmen. Kurz bevor wir dieses Schätzchen entdeckt hatten, sprachen wir über Nettigkeiten und darüber, dass man mit lieben Freundlichkeiten Fröhlichkeit verbreiten kann. Zwischen „Taschen im Zimmer ablegen“ und „Zeug im Supermarkt kaufen“ setzten wir zuvor Besprochenes in die Tat um, gingen zurück in das Travellodge und bedankten uns überschwänglich. - „Ich fass es nicht! Jetzt muss ich mit nem Schwulen unter einer Bettdecke schlafen!“
Der Typ an der Rezeption des B&Bs meinte kurz vor der Buchung, dass nur noch Räume mit einem „double-bed“ frei wären. Ich meinte, das sei kein Problem. Unter ‘double-bed’ verstand ich zwei aneinandergestellte Betten oder auch ein großes Bett — auf jeden Fall mit seperaten Bettdecken.
Was wir vorfanden war ein großes Bett mit einer großen Decke.
Michael rief den oben zitierten Satz, grinste und versuchte dann sicherzustellen, dass ich ihn damit nicht falsch verstehen würde.
Tue ich nicht — Köhli ist und bleibt nunmal ein homohassender Klotz :) - „Engländer sind himbeeren- und marmeladenfixiert“
Ergab rasche Untersuchung der beim Frühstück vorhandenen Toastbestreichmöglichkeiten. - „Shave light“
Eine extra Leuchte im Badezimmer war mit ’shave light’ gekennzeichnet. Ich war davon fasziniert und hab es aufgeschrieben, weiß aber nicht mehr recht, was daran so toll war. - „50% der Koreaner spielen Keyboard in Kirchen“
Kein Kommentar. - „Towel of London“
Michael und ich lasen auf einem Plakat, das in der Jugendherberge hing, in der wir unsere zweite Nacht verbringen würden, dass die Herberge Spezialrabatte für viele Sehenswürdigkeiten Londons anbieten würde. Wir fragten einen klugen herumliegenden Flyer, wie viel der Eintritt in den Tower of London eigentlich (ohne Rabatt) kosten würde. Der Flyer verkündete „18 Pfund“.
Wir gingen zum Schalter und Köhli fragte: „How much is the Tower?“. Der angesprochene Typ wühlte daraufhin für zwei Minuten in den Datenbanken seines Computers, bevor er einen Mitarbeiter fragte. Schließlich antwortete er „Three pound fitty“ — ich war baff. Ein leises Gefühl der Skepsis machte sich in mir breit. Michael fragte direkt skeptisch: „Ehm… we are speaking about the Tower, right?“ — „Oh, the TowER! …I understood ‘towel’. The Tower is 17 pound.“ :)
Wir ignorierten den mikrigen Rabatt, freuten uns zu wissen, dass man Handtücher leihen darf und erhielten direkt am Tower Einlass für 14 Pfund — Studentenrabatt. - „Walisische Polizei ist merkwürdig und nett.“
So um ein Uhr (morgens) rum kamen wir in Holyhead (Wales) an. Wir wurden von einer übermüdeten Herbergsmitarbeiterin in unser sehr gemütliches Zimmer gelassen und stellten unsere Taschen dort ab. Ich schlug vor, dass wir noch ein wenig die Gegend erkunden und einen Strand suchen gehen sollten — schließlich würden wir am nächsten Tag mit der Fähre nach Irland übersetzen — dann muss irgendwo eine Küste auftreibbar sein! Wir liefen umher und fanden tatsächlich einen Strand; einen sehr wunderschönen Strand. Wir tapsten eine kleine Treppe herunter und gingen auf dem Sand dem Wasser entgegen und bewunderten den sternenklaren Himmel. Die Bucht ist unglaublich lang; das kommt auf folgendem Foto gar nicht so zur Geltung.Irgendwann übermannte uns die Müdigkeit und wir wandten uns zum Gehen. Als wir auf die Treppe zugingen, sahen wir ein vorbeifahrendes Auto. Wir waren gerade die ersten Stufen der Treppe wieder emporgestiegen, als ein „Hey folks!“ hinter uns ertönte. Wir drehten uns um und sahen eine Frau und einen Mann, beide mit Taschenlampen und gelben Warnwesten bekleidet, die die Aufschrift „POLICE“ trugen.
„What are you doing ’round here 2 ‘o clock in the morning?“ — „We… just wanted to take a look. We went for a walk and found this beach.“ — „Where are you going to go now?“ — „We want to go back to our hostel — we’re staying at the ACC.“
Die Polizeifrau starrte die ganze Zeit auf ein am Strand geparktes Auto, während der Polizeimann uns befragte:
„Could you identificate yourselves?“ Ich war scheiß-nervös und war mir sicher, dass der Strand Privatbesitz eines Campingplatzes sei o.ä. (malte mir sogar aus, dass die Polizisten uns jederzeit auffordern würden, sie aufs Revier zu begleiten). Wir zeigten unsere Ausweise vor, die der Mann unter dem Schein seiner Taschenlampge kritisch beäugte.
„Oh, thats you… somehow.“, sagte der Beamte, nachdem er Michaels Passfoto mit Michael verglichen hatte und fragte weiter: „So, you are from Germany?“
„Yeah, we just arrived in Holyhead.“
„You want to go to Ireland, don’t you?“
„Yep, we’re going to take a ferry tomorrow.“
„‘Alright then. Sorry to bother you, have a nice stay.“
„Oh, thank you. It’s very beautiful here.“
„You’re welcome.“
Verdammt erleichtert kletterten wir den Rest der Stufen empor. Als wir oben angekommen waren, hatten die Polizisten bereits erfolgreich das am Strand geparkte Auto geknackt und musterten ein paar Taschen, die sie aus dem Wageninneren gezerrt haben. - „Oh, Jesus! This is CREEPY!“
Am folgenden Tag buchten wir — wie der Polizei bereits angekündigt (ansonsten hätte es auch bestimmt Ärger gegeben :3) — eine Fähre nach Irland. Wir betraten die Fähre über ein Gateway und fanden uns in einem prächtigen Eingangsbereich wieder: glänzender Holzfußboden, riesiggroß, modern.
Ich musste zunächst Michael davon überzeugen, dass wir uns wirklich schon auf der Fähre befanden. Es war zwar auch für mich der größte Klotz Schiff, in dem ich bislang gereist bin, doch Michael glaubte gar nicht erst, dass DAS wirklich schon Teil der Fähre sein konnte.
Im nächsten Raum befanden sich viele Fenster. Es war der Restaurant- und Amüsierbereich — unzählige Tische, sehr viele Menschen, Empore, viel Holz, Teppich, am Rand viele Lädchen (darunter auch ein Burger King).
Nachdem ich Köhlis plötzliches Verlangen nach einem „Ich-war-auf-einem-Riesenklotzschiff“-Beweisfoto nachgekommen bin, erkundeten wir das Schiff.Die Fähre nahm die Fahrt auf. Das Erkunden fiel mir schwieriger — der ganze Kasten wackelte plötzlich, mir wurde leicht schwindelig. Wir gingen zurück in den Restaurant- und Amüsierbereich und wollten Mittag machen. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen Entertainer in niedlich-knuffigem Affenkostüm. „Ohh“, machte Michael, „na, Toby? Wie wärs? Du streichelst das Äffchen und ich mach ein Foto davon?“
Mein Affen-streichel-Foto-Bedarf war nicht sonderlich hoch. Ich konnte ihn davon abbringen und wir setzten unseren Weg fort. Wir verliefen uns… auf einem Schiff!
Als wir den Restaurant- und Amüsierbereich wiedergefunden hatten, war der Affenentertainer auch gerade dort. Wir streiften einen Tisch pubertierender Mädchen, an dem ein Mädchen ihren Blick auf uns richtete; der dann wieder an uns vorbeihuschte und das Äffchen traf. Sie rief ernsthaft angefressen zu ihrend Mitpubertierenden „OH, JESUS! This is CREEPY!“ :) - „Busfahrer positiv aufgefallen“
In Dan Laoghaire angekommen suchten wir zunächst nach einer Unterkunft. Der kurze Spaziergang durch die Region um den Hafen/Bahnhof ließ uns kein „Hier! Übernachten! Toll“-Schild entdecken; also schauten wir in die Wo-Wie-In-Irland-übernachten Flyer, die wir im Hafen/Bahnhof eingesammelt hatten. Es war kein Hostel für Dan Laoghaire gelistet.
Ich erinnerte mich daran im Hafen/Bahnhof eine Touristeninformation gesehen zu haben. Wir kehrten dahin zurück. Uns bot sich ein trauriges Bild:Wir gingen in den Bahnhofsbereich und fragten einfach am Schalter nach. Mir wurde gesagt, dass wir am besten gleich nach Dublin fahren könnten (ca. 10 km). Hier würde es aber auch einige Unterkünfte geben, man käme vermutlich billiger irgendwo unter als in Dublin. Er beschrieb mir den Weg zum nächsten Hostel.
Wir folgten der Wegbeschreibung und kamen schnell darauf, dass wir uns verlaufen haben müssen. Wir kehrten zum Bahnhof zurück und fragten schnell einen Busfahrer in seinem dort rumstehenden Bus.
Der Typ war einfach extrem nett! Er würde sich nicht so gut in Dan Laoghaire auskennen und fragte, wo denn dieses Hostel sein soll. Ich versuchte mich an die Wegbeschreibung zu erinnern: „Ehm… he told me to follow this road for a few minutes. At the…. thrid crossover we should turn left and walk until we see a….“– verdammt! Tankstelle… wie sagt man „Tankstelle“ auf englisch? — „until we see a tank station and-“. Ich stockte mitten im Satz als ich darüber nachdachte, was ich gerade gesagt hatte. „Panzerstation“?! Ist dir echt nichts besseres eingefallen als „PANZERSTATION“?! Der Busfahrer schaute mich skeptisch an und Köhli grinste breit. „Sorry… no, not a ‘tank-station’. ehm… how do you call the place where you can fill up your car with… fuel?“ — „petrol station.“ — „Alright, thanks. Until we see a petrol station. The hostel should be right beneath it.“
Der Busfahrer wusste noch immer nicht, von welcher Tankstelle wir sprachen — wir ja auch nicht. Er benutzte sein Funkgerät, um einen Kollegen oder die Station zu fragen, wo es Hostels in Dan Laoghaire gibt. Erst funktionierte das Ding nicht richtig, dann machte er seinen Funkspruch (in dem er uns andauernd als ‘lads’ bezeichnete. Sowieso nannte uns jeder in Irland ‘lads’ — ich liebe Iren.); doch es nützte nichts. Keiner wusste so recht Rat. Das Busunternehmen hatte eigentlich nicht viel in dem Städtchen zu schaffen.
Er machte uns ein Angebot: er wollte uns kostenlos zu einer Tankstelle mitnehmen, in deren Nähe — so erinnerte er sich plötzlich — irgendwo ein Hostel sein musste. Falls wir es uns anders überlegen würden, könnten wir ihm auch 2€ geben und nach Dublin mitkommen. Wir akzeptierten freudig das liebe Angebot.
Während der Fahrt fragte er woher wir kämen und wohin wir unterwegs seien. Als er erfuhr, dass wir am folgenden Tag irgendwie nach Rosslare fahren wollten, empfahl er uns gleich ein tolles Busunternehmen, das täglich mehrere Fahrten dorthin unternehmen würde.
An der tank-station stiegen wir aus und bedankten uns artig. Wir suchten recht unbeholfen nach dem Hostel und fanden es dann auch irgendwann (es stellte sich übrigens heraus, dass wir anfangs DOCH richtig gelaufen sind). - „When I was young I was a Jedi.“
Im Hostel teilten wir uns ein 8-Bett-Zimmer mit zwei Mädchen, die auch Deutsche waren (aber reichlich unkommunikativ — also wars das schon an Informationen über die Mädchen!). Als ich am nächsten Morgen aufwachte, schaute ich auf das Lattenrost des Bettes über mir, in dem Michael schlief. Dort hat es jemand auf eine Latte geschrieben — neben vielen anderen Kritzeleien stand dort: „When I was young I was a Jedi.“ — wie schön, wie melancholisch! - „Gelbe Ampel“
Tatsache! In Irland gibt es (vielleicht nur teilweise) eine gelbe Ampelphase für Fußgänger! - „Lions Club gesichtet“
Grüße an Benjamin an dieser Stelle! - „Andrew & Marco“
Wir fuhren von Dan Laoghaire nach Dublin, irrten hektisch durch die Stadt, um den Bus nach Rosslare nicht zu verpassen und wurden schlussendlich doch noch in das überfüllte Vehikel gestopft. Einige Stunden später nahmen wir dann von Rosslare eine Fähre, in der übrigens Erwachsene (in diesem Falle Michael und ich), wenn sie Kindergerichte bestellen (weils günstiger ist und eh nicht viel Hunger vorhanden war), eine große Portion Kindergericht zum Erwachsenenpreis bekommen (Mistkerle!). Die Fähre brachte uns nach Fishguard in Wales, von wo aus wir schließlich noch einen Nachtzug nach Swansea nahmen.
Wir planten — wie immer — diese Verbindung erst am Morgen (manchmal planten wir sowas auch am Vorabend). Nach sehr viel hin und her haben wir uns auf diese Verbindung geeinigt und wussten schon im Vorfeld: wir kommen gegen halb vier in Swansea an und suchen eine Unterkunft, die uns dann noch einlässt.
Am Hafen in Rosslare fiel uns ein, dass es frustrierend werden könnte, wenn wir Nachts durch Swansea irren und verschlossene Hostels anschauen müssten. Also gingen wir direkt im Hafen wieder ins Internet — und das zum teuersten Tarif der ganzen Reise: 1€ für 10 Minuten Internet.
Ich schrieb mir einige Nummern von Hostels und kleinen Hotels in Swansea auf, die Michael diktierte, und rief sie in der Fähre an.
Ein Hotel weigerte sich uns so spät noch aufzunehmen, ein weiteres erklärte sich bereit, war aber zu teuer.
Und dann rief ich Marco an; Marco vom Glevdon Park Hotel.
Marco sagte mir, dass er noch ein Plätzchen frei hätte und uns auch um 4 Uhr rum die Türe öffnen würde. Allerdings hätte er nur noch ein Familienzimmer mit vier Betten frei, was uns selbstverständlich nichts extra kosten würde — ich sagte freudig zu.
Nach Swansea kamen wir mit DEM kleinsten Zug:Am Glevdon Park Hotel angekommen, öffnete uns der übermüdete Marco im Bademantel die Tür, gab uns die Zimmerschlüssel und erklärte noch einige Dinge.
„Breakfast time is from 08:00 to 10:00. The breakfast is served in-“. Ich unterbrach ihn: „Ehm.. we are not too keen on getting up this early.“ Das brachte mich auf die Idee, dass wir dadurch vielleicht den Preis um ein paar Pfund drücken könnten. Er hielt dummerweise nichts von der Idee, bot uns aber netterweise an, uns am nächsten Tag zu einigen Flakes zu verhelfen. Wir sollten dazu einfach in das Frühstückszimmer kommen, nachdem wir eine ordentliche Mütze Schlaf gehabt hätten.
Er meinte, dass unser Zimmer oben sei und wünschte uns eine gute Nacht. Wir gingen hoch, ich schaute auf den Schlüssel: „L“.
HÄ? WIE ‘L’? Wir haben Zimmer L?
„Du, Köhli?“, flüsterte ich ins kleine Hotel hinein, „auf unserem Zimmerschlüssel steht ‘L’.“

Wir suchten nach Zimmer L, doch auf den Türen standen nur — Überraschung! — Zahlen. Bevor wir weiter ziellos durchs Haus wuselten, fragten wir lieber nochmal Marco, was es mit dem L auf sich habe.
„That’s not an L, it is a 7.“ erklärte er uns. Wir standen ziemlich blöd da und verkrümelten uns wenig später in Zimmer 7.
Am nächsten Morgen gingen wir runter in das Frühstückszimmer. Es war ein sehr hübscher kleiner Raum mit einigen kleinen runden bestuhlten Tischen. Vorne im Raum war eine Art Theke, wo wohl vor ein paar Stunden noch reichhaltiger Frühstückskrempel gestanden haben muss. Auf niedrigen Tischen stand eine Auswahl von ungefähr fünfzehn Sorten Cornflakes. Wir bestaunten die Sammlung als plötzlich Marco das Zimmer betrat.
„Oi! What do you think you’re doing ’round here?“ blaffte er uns wütend an.
Ich war irritiert. Und dann erkannte ich, dass es sich doch nicht um Marco handelte. Der Typ, der nun vor uns stand, war zwar ähnlich stämmig und hatte ein ziemlich marco-artiges Gesicht doch fehlte der Bart im Gesicht. Außerdem hatte er eine Glatze, was mir erst zu diesem Zeitpunkt auffiel. Ich fragte mich, ob sich Marco wohl rasiert hatte, während Michael dem Typ erklärte, dass er uns gestern Nacht zugesagt hatte, dass wir nach den Frühstückszeiten noch etwas essen könnten.
„Ah, I get it now.“, sagte er weniger aggressiv, „that wasn’t me. I’m Andrew. My brother Marco made a little deal with you guys, eh? If he’d just tell me such things in advance I wouldn’t have to yell at guests. Sorry, lads. I’ll fetch ya some milk.“
Wir frühstückten, packten unseren Kram und plauderten beim Auschecken noch eifrig mit den beiden Brüdern, die jetzt, wo sie beide neben uns standen, doch recht unterscheidbar wirkten. Nachdem sie uns dann noch den Weg zum Bahnhof erklärt hatten und wir ihnen kräftig Geld in die Hand gedrückt haben, verließen wir das beschauliche Hotelchen. - „Bangles & Mash“
Wir machten uns vom „Andrew & Marco“-Hotel auf den Weg zu meinem Tantchen Rosie nach Colwall. In Hereford hatten wir noch so einiges an Zeit, bevor der Zug nach Colwall abfahren würde. Also gingen wir in einen Supermarkt, kauften Zeug und aßen im Imbiss-im-Supermarkt etwas typisch britisches: Bangers & Mash — Würstchen & Kartoffelbrei.
Quelle: wikipedia commons
Mit Erbsen. Übrigens. Also „Würstchen & Kartoffelbrei mit Erbsen“.
Ein paar Stunden später waren wir bei Tantchen zu Hause, die uns zum Essen eingeladen hat. Das alles lief unter anderem unter dem Fähnchen „Damit ihr auch mal in den Genuss der englischen Küche kommt.“
Michael prahlte stolz mit dem Mittagessen: „Oh, wir haben heute schon was richtig englisches gegessen: ‘Bangles & Mash’!“ Meine Tante prustete los. Ich habe nicht kapiert, was so witzig daran sein soll. Sie fragte direkt noch halb lachend ihren Mann: „Do you know what Michael and Toby had for lunch? Bangles & Mash!“
Auch mein Onkel lachte sein trockenes Lachen und Tantchen klärte uns endlich auf: „Es heißt ‘Bangers & Mash’. ‘Bangles & Mash’ wären Armbändchen und Kartoffelbrei.“
Ich hatte direkt ein sehr lebhaftes Bild von Armreifen, die liebevoll in einen Haufen Kartoffelbrei gesteckt wurden, vor Augen. - „Frühlingsanfang am 20. März“
Die Reise zu Tantchen wollte gut geplant sein. Sie hat an Frühlingsanfang Geburtstag. Entweder hätten wir also ein kleines Geschenk besorgen und uns zur wie-auch-immer gearteten Fete selbst einladen können oder aber wir hätten uns da raushalten können und einfach einen Tag früher erscheinen.
Wir entschieden uns fürs Raushalten.
Wir waren gerade in ihrer gemutlichen Behausung angekommen und waren in ein erstes Gespräch vertieft, als meine kleine Cousine das Zimmer betrat und stolz verkündete, dass der Kuchen fast fertig sei.
Tante: „Jah, meine kleine Tochter übt sich erstmals im Kuchenbacken.“
Ich: „Ach, für morgen?“
Tante: „Was ist morgen?“
Ich: „Dein Geburtstag?“ Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit.
Tante: „Ich hab heute Geburtstag.“
Ich: (spontane Reaktion) „Nein!“
Tante: *hebt die Brauen
Ich: „Du hast doch an Frühlingsanfang Geburtstag! Und der ist morgen..“
Tante: *grinst* „Jah, weißt du… da streiten sich die Geister. Einige sagen, es sei der 21. März, andere wiederum der 20. März. Wie dem auch sei: Ich hab heute Geburtstag.“
Ich: *schaue Köhli irritiert und leicht schuldig an
Köhli: *Todesblick
Ich: *wieder Tantchen zugewandt* „HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!“ - „I spy with my little eye…“ [Steht nicht im Reisetagebuch]
Im Pub waren meine drei Cousinen gelangweilt. Sie wollten um die Wartezeit zu verkürzen „I spy with my little eye“ spielen — die englische Version von „Ich sehe was, das du nicht siehst“. Es läuft auch übrigens etwas anders ab: nicht etwa „I spy with my little eye something that is yellow“ sondern „- something that starts with ‘p’“.
Mein Onkel kann diesen Satz einfach mal sehr wunderschön britisch betonen — fand ich toll.
Helen, die jüngste, fragte Michael nach dem Spielchen: „Michael, are you and Toby best friends?“. Ich schaute Michael interessiert an. Wir haben am Abend zuvor noch über das Konstrukt „bester Freund“ gesprochen, das nach seiner Ansicht auf einer langjährigen Freundschaft fußen muss. Bevor Michael, der zu diesem Zeitpunkt noch verdattert nach Worten rang, eine Antwort darauf geben konnte, sagte meine älteste Cousine zu Helen: „Oh, believe me… they are more than THAT.“, woraufhin sie mich keck angrinste.
Ich hatte direkt den Satz „Okayyyy, long story short: I’m gay, he’s not.“ auf den Lippen, hab mich aber nicht getraut ihn auszusprechen. Die wissen nicht, dass ich schwul bin (aber jetzt können sies ja im Internet nachlesen oO“).
Michael sagte: „To make this clear: we’re not in love with each other.“ Meine Tante schloss resigniert ihre Augen und sagte langsam: „At this point I have to apologize for my children.“
Ich fands nicht entschuldigenswert. Im Gegenteil fand ich es total putzig, dass Helen diese Frage gestellt hat und erwünschenswert direkt von meiner älteren Cousine, dass zu sagen, was sie annahm. - „Kartoffelpüree ist die Spezialität der britischen Inseln“
Ich habe noch nie so gutes Kartoffelpüree gegessen wie auf den britischen Inseln. Köhli hatte sogar in Dan Laoghaire „prolliges Püree“ mit Sternfrucht und was-weiß-ich-noch-alles drapiert. - „Es heißt ‘Wuhster’!“
Man sagt ‘Wuhster’, nicht ‘Wöhrtschester’, wenn man sich auf die Stadt Worcester beziehen möchte. Tantchen hats klargestellt. Damit hat Köhli gewonnen. - „WLAN in Zügen! Applaus!“
Isso! - „Bettler absorbieren Liebe“
Am Tag nach dem Besuch bei Tantchen gings nach Penzance in Cornwall, was ich aus irgendeinem Grund immer ‘Kekschenstadt’ nannte. Der Name hatte mich irgendwie an Kekse erinnert.
Wir kamen nach langer Zugfahrt in Penzance an und stellten uns prompt an die Promenade, um die Aussicht zu genießen.Als wir dort standen und aufs Meer schauten, wurden wir von hinten angesprochen. Da saßen zwei Typen, die wir vorher gar nicht bemerkt hatten. „Hey, do you spare some change? We’re really hungry.“ Köhli sagte ihnen, dass sich das gut treffen würde. Wir hätten nämlich auch Hunger und würden sie einladen. Ich war überrascht, dass er sie gleich einladen wollte. Der eine Bettlertyp meinte, falls wir Hunger hätten, sollten wir zu dem tollen Pasty-Shop die Straße rauf gehen (Pastys sind lustige, gefüllte Blätterteigtaschen). Michael fand die Idee sehr gut und sagte den Typen zu, dass wir ihnen zwei Pastys ausgeben würden und dass sie jetzt mitkommen sollten.
Sie wollten aber nicht mit. Ich verstand Michaels Plänchen. „I thought you are really hungry…“ sagte ich skeptisch. „Oh, we are!“, versicherte der andere Typ, „we just want to absorb the love of this beautiful landscape a little more, don’t we?“
Köhli erklärte, dass wir ihnen entweder jetzt eine Pasty ausgeben würden oder gar nichts. Ich gab den Menschen etwas Kleingeld, was ihnen aber nicht reichte — sie lehnten es ab.
Wir wünschten ihnen noch viel Spaß beim Absorbieren und gingen essen. - „Busfahrer in Doppeldeckerbussen erzeugen pro Stunde 50 gefühlte Unfälle“
Von Penzance aus nahmen wir einen Bus nach Land’s End. Es war nicht unsere erste Fahrt in einem Doppeldeckerbus. Wir hatten schon zwei Stück in London, sowie zwei in der Republik Irland. Es war schon total merkwürdig genug an den Linksverkehr zu gewöhnen, doch hinzu kam das ständige Gefühl „wir fahren sofort irgendwo gegen“. Ich hab mich in London und Irland ein paar mal deswegen erschrocken, jedoch war das nichts im Vergleich zum Busfahrer, der uns nach Land’s End brachte. Er nahm die rasantesten Kurven, scherte sich nicht darum falls Äste schallend am Dach entlangwuselten und wählte sehr kleine Landstraßen für die Fahrt. Andere Straßen gab es vielleicht auch gar nicht. Trotzdem fuhr er in Straßen rein, an deren Beginn ein „Keine-Busse-auf-dieser-Straße-erlaubt“-Schild stand. Wir saßen selbstredend ganz vorne im zweiten Stockwerk und hatten ziemlich oft das Gefühl, dass der Busfahrer gerade einen Unfall gebaut hat, was nicht der Fall war. - „Bahntyp hält nichts von Bettlern“
Wieder in Penzance angekommen, suchten wir einen Bankautomaten und etwas zu essen. Ersteres war ziemlich schwierig. Es standen hier und da welche rum, doch keiner akzeptierte unsere Karten. Wir fragten einen Fußgänger, ob es in der Stadt irgendwo ein Geldwechselgeschäft zu finden ist, woraufhin der Fußgänger meinte, dass die im Bahnhof Geld wechseln würden — ein paar Euro hatten wir noch — nur keine Pfunde mehr.
Im Bahnhof angekommen stellte ich unbeholfen die Frage: „Could you change some money?“. Der Typ war etwas stutzig. Ich erklärte: „We asked a guy on the street whether there is a bureau de change in this city. He told us that you would change some money.“ — „I won’t give you anything! I don’t think much of beggars.“
Er hielt uns für Bettler, die am Bahnhof nach Kleingeld („change“) fragten. Ich zückte einen 20€ Schein und erklärte, dass wir Geld hätten und in Pfund tauschen möchten.
Endlich begriff er … und begann sich zu fragen, welcher Trottel uns gesagt hat, dass man am Bahnhof Geld tauschen könne. - „Köhli nicht aus Tschechien“
Mit Geld im Gepäck (ein Bankautomat erwies sich als gnädig) gingen wir in einen Fish & Chips Imbiss. Das war reichlich.. kompliziert.
Wir betraten das Geschäft, gaben unsere Bestellung auf und gingen durch eine Tür in einen kleinen Raum mit Sitzgelegenheiten. Wenig später kam eine Frau auf uns zu. Sie war darüber irritiert, dass wir zuerst etwas bestellt hatten und uns dann einfach dort hinsetzten. Sie erklärte, dass man die Gerichte, die man drüben bestelle, mitnehmen müsse. Gerichte, die im Lokal (sitzend) verspeist werden können, würden sich zwar nicht groß von den anderen unterscheiden, aber teurer sein — Kosten für Besteck, Teller, Service, etc.
Also gingen wir wieder in den anderen Bereich. Uns wurde angeboten, dass wir unsere Ladung Fish&Chips am Stehtisch verspeisen dürfen, was wir gerne annahmen. Auf der Theke stand eine Schale mit kleinen Ketchuptütchen. Ich nahm schon einmal zwei und steckte sie in meine Tasche.
Wenig später fragte ein Typ hinterm Tresen: „Hey guys! Are you from the Czech Republich?“, was wir verneinten. Er war sehr überrascht, weil gerade Michael so aussehen würde, als käme er von dort. Tatsächlich war dies ziemlich bedeutsam für ihn. Erst als er wusste, dass wir aus Deutschland kommen, war er freundlich zu uns.
Wir nahmen kurz darauf die beiden großen Packpapiere entgegen und aßen. Ich wunderte mich über die Riesenportion Pommes, die uns aufs Papier geklatscht worden sind und wollte noch zwei Ketchuppäckchen nachnehmen.
Der Typ hinterm Tresen bellte: „Oi! Nothing’s for free in this world, man! 20 pence each.“
Er lächelte, meinte, dass er uns mögen würde (denn wir sind ja nicht aus Tschechien [nein, das hat er in dem Moment nicht gesagt]) und, dass er daher uns beide Päkchen für 20p verkaufen würde. Ich bedankte mich und dachte mit schlechtem Gewissen an die beiden bereits genommenen Tütchen in meiner Tasche.
Doch wenig später schaffte ich es die beiden Ketchuptütchen unbemerkt in die Schale zurückzuwerfen! - „Am Vortag der Abreise Reisetipps erhalten.“
Beim Essen betraten verschiedene Gestalten den Imbiss. Eine dieser Gestalten betrat das Geschäft als wir dem Typ hinterm Tresen gerade Auskunft darüber gegeben hatten, wohin unsere Reise als nächstes gehen sollte. Die Gestalt fing ein Gespräch mit uns an und gab uns kräftig Reisetipps. Ortschaften, Ruinen, Landstriche, die man auf einer Interrailreise durch die britischen Inseln nicht verpassen dürfe. Die Gestalt hätten wir etwas früher treffen müssen…
Aber als wir ihm erklärten, wo wir alles gewesen waren, meinte er, dass wir . Er gab uns noch überflüssigerweise seine Visitenkarte und berichtete kurz über seinen Trip zu den Externsteinen (in Deutschland), bevor er wieder verschwand. - „Ziel: ‘Im Schlafwagen schlafen’ erreicht!“
An diesem Abend nahmen wir den Nachtzug von Penzance nach London (knapp 500km). Der Zug fuhr um 22 Uhr ab und würde so gegen halb sechs in London ankommen. Es gab extra gemütliche Sitzplätze, die man hübsch weit zurücklehnen konnte, um in ihnen schlafen zu können.
Wir setzten uns auf unsere Plätze und überlegten, ob wir wirklich so schlafen wollen würden. Schließlich fragte Michael nach, ob nicht noch ein Schlafabteil (mit Betten) frei sei und buchte ein freies. Das war nicht viel teuer als ein normales Hostel; trotzdem wurden wir fortan behandelt wie die Könige.
„Das hier ist ihre Kabine, auf dem Flur ist die Toilette — und bitte kümmern sie sich nicht darum, ob wir gerade in einem Bahnhof stehen oder nicht — sie dürfen immer aufs Klo!“ [i.U. zu den 'normalen' Fahrgästen!]. Wir stellten unseren Kram in die kleine Kabine und erkundeten die vielen kleinen Vorrichtungen in ihr als der Schaffner anklopfte.
„Ich kann sie morgen früh wecken, wenn sie möchten. Der Zug fährt um 5 Uhr 40 in London PDA ein, ich kann sie aber auch gerne erst um sechs Uhr wecken. Sie müssen den Zug bis 7 verlassen haben.“
Wir wollten um 6 geweckt werden.
„Sehr gerne. Was möchten sie morgen früh trinken? Einen Tee? Oder Kaffee? Vielleicht auch etwas Saft?“
Heftigst! Ich bestellte einen Saft und Michael einen Tee, den wir auch am nächsten Morgen nach einem wirklich liebevollen Weckbesuch erhalten haben.
Ich stellte mir das immer schon witzig vor in einem Nachtzug mitzufahren, hatte aber keine Ahnung, dass man Schaffners Liebling wird, wenn man eine Schlafkabine bucht. - „Engländer sind komisch, ca. 15x“
Das habe ich im Eurostar von London St. Pancras nach Bruxelles Midi in das Notizbuch eingetragen, um uns daran zu erinnern, dass wir ca. 15 Situationen erlebt hatten, nach denen wir zur Schlussfolgerung „Engländer sind komisch“ gelangt sind.
Das war der zugegeben lange Eintrag über die einzelnen Notizbucheinträge. Für alle, die noch mehr Bilder sehen wollen, wartet eine Gallerie mit einigen kommentierten Bildern der Reise:
- Zugverbindungen
- Bahnhof Amersfoort, Niederlande
- Bahnhof Rotterdamm, Niederlande
- Doublebed (London, England)
- London, England
- Speakers’ Corner (London, England)
- Speakers’ Corner (London, England)
- Im Bus, Doppeldecker, oberes Stockwerk :)
- Pasty Shop in Marylebone, London
- Treffen mit Hanna, Freundin von Michael
- London, England
- ZWEI Hähne an jedem verfluchten Waschbecken!
- Youth Hostel in London
- Bahnhof London Euston
- Tower of London
- Typisches Touristenfoto I
- Tower of London
- Typisches Touristenfoto II
- Der KÖNIG! (Tower of London)
- Notration Krähen (Tower of London)
- Typisches Touristenfoto III
- Yay! Monty Python!
- Gekreuzte Kreuzungen, wieso?
- Gemütliches Zimmerchen in Holyhead, Wales
- Holyhead, Wales
- Holyhead, Wales
- Holyhead, Wales
- wunderhübscher Strand! (Holyhead, Wales)
- Holyhead, Wales
- Holyhead, Wales
- Holyhead, Wales
- Holyhead, Wales
- Holyhead, Wales
- Youth Hostel (Holyhead, Wales)
- Fähre nach Dan Laoghaire, Eingangsbereich
- Fähre nach Dan Laoghaire, Beweisfoto
- Fähre nach Dan Laoghaire
- Fähre nach Dan Laoghaire
- Fähre nach Dan Laoghaire
- Touristeninfo geschlossen, daneben: Touristeninfoautomat mit Out-of-order-Schild
- Dan Laoghaire
- Fahrt nach Rosslare, Irland (Rep.)
- Fahrt nach Rosslare, Irland (Rep.)
- Fähre nach Fishguard
- Fähre nach Fishguard, heftiger Klotz!
- Kompletter Zug: ein Waggon plus winzig kleiner Fahrerkabine links neben der Tür.
- Bei Andrew & Marco: Familienzimmer mit vier Betten!
- Newport, England
- Penzance, Cornwall (England)
- Penzance, Cornwall (England)
- Penzance, Cornwall (England)
- Penzance, Cornwall (England)
- Penzance, Cornwall (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Der Lohn der Mühen: Land’s End, England
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Lands End (England)
- Fish&Chips Imbiss in Penzance
- Dun Laoghaire



















































































sehr schön. Fish and Chips machen mich hungrig gerade. Ansonsten sehr schön :-)
“Am Vortag der Abreise Reisetipps erhalten.”
dass ihr was?
Gruß Martina