Ich halte drei dicke Umschläge in den Händen und wandere durch die Straßen Osnabrücks, das gerade im Begriff ist zu erwachen. Drei dicke Umschläge mit Anträgen auf einen Hochschulwechsel, von denen ich nicht weiß, wie ernst ich sie meine.
Eine Frau, die sich in Kürze als unsympathisch herausstellen soll, hält neben mir an. „Hermannsstraße?“ fragt sie, schaut mich kaum an. „Pfff…“, mache ich, „weiß ich nicht — keine Ahnung“. Sie dreht am Knöpfchen, das ihre Klimaanlage runterzuregeln scheint, schaut mich immernoch nicht richtig an.
Ich warte auf weitere Konversationsbröckchen ihrerseits. Der elektrische Fensterheber verrichtet zwischen uns seine Arbeit — auch eine Art Konversationsbröckchen.
Ich erreiche den Briefkasten, habe eine letzte Assoziation an Amanda Palmers „Another Year“ und schmeiße die Briefe ein, die kurz darauf ein dumpfes Geräusch erzeugen.
Ich trete den Rückweg an und scheine völlig in irgendetwas diffus-realitätsfernes zu versinken. Das fällt mir auf als ein vorbeifahrender Mann auf Fahrrad mir blöd hinterherschaut — ich habe gedankenverloren ein Lied, das ich hörte, mitgesungen und ließ Gedanken kreisen.
Die Realitätsferne entfernt sich (unerfreulicherweise).
Ich bin zu Hause und könnte mir überlegen, wie ernst ich meine drei dicken Anträge meine.
Das Schicksal (oder sonst irgendwer) schwingt lässig einen Würfelbecher in seiner linken Hand und ich warte und schaue, was für mich dabei rausspringt.
Ja, immer diese Würfelbecher! Und letzten Endes entscheiden wir uns doch immer wieder, unsere Würfel hereinzuschmeißen …
Aber irgendwie auch entspannt, dass du halt einfach mal „warten und schauen“ kannst, und dich nicht krampfhaft an eine Hoffnung klammern musst.
>Ja, immer diese Würfelbecher! Und letzten Endes entscheiden wir uns doch immer wieder, >unsere Würfel hereinzuschmeißen …
Und wer hat ausgewürfelt, dass wir es tun? Beziehungsweise wer würfelt immer mindestens so lange bis herauskommt, dass wir es tun?
Nachdem schon fast zwei Wochen vergangen sind: Wie ernst meinst du die Umschläge?
Sieht danach aus, als würde ich sie nicht ernst meinen.
Also.. es sind auf jeden Fall ernstzunehmende Umschläge und ein ernstzunehmendes Anliegen von mir, aber ich möchte nächstes Semester (noch?) nicht wechseln.
Was zu unbegründeter Freude meinerseits führt :).
Ach, weil das MIT stinkt und du Master in Osnabrück machen möchtest und wir demzufolge eine dreiwöchige Wiedersehenspartey feiern werden?
Zusage von favorisierter Uni (TU Dresden).
Ich bin wieder ganz am Anfang.
Hey Toby,
eine Freundin von mir studiert in Dresden Psycho. (Vielleicht wärt ihr sogar im gleichen Semester.) Soll ich mal fragen, ob sie dir ein bisschen was erzählen möchte? (Wenn dir das zu einer Entscheidung verhelfen würde.) Über Dresden an sich kann ich dir gern auch ein bisschen was erzählen, wenn du magst. (Kenn ich ja nun zwangsläufig ;).
Leiben Gruß,
Christiane
wow, super!
ja, frag sie mal bitte — das würde einiges helfen, denke ich.
und du darfst auch gerne einen schwärmerischen vortrag über dresden halten :)
Gern! Könnte aber ein wenig dauern, ist eher eine lose Freundschaft, ich hab auch keine Mailadresse :/. Aber ich versuch mein Bestes!
Dresden. :D ist gleichzeitig Provinz und Großstadt. Es ist größer, als OS (ich fand Osna immer klein ;), aber so ganz schafft Dresden es doch nicht zur Großstadt. Außerdem gibt es die Elbe mit den Elbwiesen, viel Natur in der Nähe, die man mit dem Semesterticket erreicht, eine große und ein paar kleinere Unis, die Neustadt als Party und Szeneviertel, das unter Studis beliebt ist, eine hübsche alte Altstadt, meinen Kater und verschiedene Viertel. Oh, und natürlich unseren vorzüglichen Dialekt :D.
un-be-grün-t!
Hmm…. nö, jetzt habe ich keine Lust mehr auf diese Unterredung.