Archiv der Kategorie 'Kamel'

16
Mär
09

MONA!

Wenn man die ganze Nacht allein mit seinem Sozialpsychologielehrbuch verbracht hat (so wie ich heute bzw. gestern) und die Nacht schließlich in den Morgen mündet (so wie gerade passiert) ist der erste (unverhoffte) „Kontakt“ mit anderen Menschen nach Stunden … komisch.
Mit denjenigen „anderen Menschen“ also, die brav schlafen waren und wieder wach sind; im Gegensatz zu mir, der immernoch wach ist.

Eins vorweg:
Ich stehe — einen Moment, kurz rechnen, jetzt ist offiziell Montag — acht Tage vor meiner Vordiplomsprüfung in Sozialpsychologie. Das bedeutet noch lange nicht, dass ich tatächlich vor lauter Stress und Hektik vergesse zu schlafen oder — noch schlimmer — die Vorstellung gewinne, ich dürfe mir Schlaf nicht erlauben (was neben einer reichlich dummen gleichzeitig auch eine schwer aufrechterhaltbare Einstellung ist).
Es ist viel eher so, dass das Phänomen aus dem Kuhl-Eintrag immernoch auftritt — zwar seltener, aber immernoch:
Ich hock gefühlte Ewigkeiten vor meinem Häufchen Arbeit und finde keine Lust oder Motivation in mir damit anzufangen/weiterzumachen, lenke mich ab und bin deswegen sauer auf mich.
Ab und zu passiert es (mit schrumpfender Distanz zum Prüfungs-/Abgabetermin immer häufiger), dass ich doch meinen Willen in die Tat umsetze. Ist dies der Fall, passiert es dann aber auch gerne mal, dass ich stur nicht einsehe, warum ich mit dem Umsetzen aufhören sollte, nur weil es plötzlich Nacht ist — solange ich nicht müde bin und das in-die-Tat-Umsetzen nicht nachlässt, weigere ich mich schlicht (ich frag mich gerade, ob mein Melatoninhaushalt im Eimer ist).

Jetzt zu Mona:
Ich lag auf meinem Bett und las wirklich interessantes sozialpsychologisches Zeugs, was ich in (jetzt) acht Tagen möglichst gut wiedergeben und miteinander-verknüpfen können will.
So gegen acht Uhr klang ein entfernter Ruf durch die offenen Fenster:
„Mona, komm!“
Nachdem ich die plötzlich in meinem Kopf aufschießende Frage „Wer is Mona?“ erfolgreich unterdrückt hatte, las ich weiter.
Es gab ein schrilles Pfiffgeräusch. „MONA!“ klang es nun entschieden lauter.
Eine ganze Zeit lang wechselten sich Pfiffgeräusche und „MONA! KOMM!“-Rufe ab, was meinem Bemühen, dem ganzen keine Aufmerksamkeit zu schenken, nicht sonderlich geholfen hat.
Als der Brüllende zum wütenden Schreien übergewechselt ist, ging ich zum Fenster.
Ein Mann im Anorak starkte sichtlich erzürnt über das brachliegende Feld, was ich von meinem Fenster aus beschauen kann, auf einen kleinen undefinierbaren Haufen zu.
Ich hielt es spontan für einen Misthaufen, fragte mich, wessen Mist das sein soll und entschied mich dafür, dass es sich eigentlich um einen Rest-Heu-Haufen handelt, den niemand abholen wollte, als das Heu frisch war.
Der Mann brüllte inzwischen den Heuhaufen an.
Ein Hund kam aus dem Haufen gesprungen und schmiegte sich ans Bein des Mannes.
„MONA! JETZT KOMM!“, brüllte er den Haufen weiter an.
„Das versteh ich nicht“, dachte ich.
Er machte einen weiteren Schritt auf den Haufen zu, guckte ihn bestimmt arg bedrohlich an (die ganze Szenerie spielte sich geschätzte 200-300 Meter von mir entfernt ab) und sorgte so irgendwie dafür, dass ein zweiter Hund — Mona — dem Haufen entfleuchte.
Ich schaute noch etwas zu, wie der Mensch sehr bemüht den Acker verließ — seine Hunde wollten sehnsüchtig zum Haufen zurückkehren, drängten, zerrten und seine Füße wollten ständig halb in den Boden einsinken. Als meine Oma sich im Stockwerk unter mir plötzlich hörbar räusperte, unterbrach das meine Faszination.
Ich ließ vom Fenster ab.

Merkwürdigerweise trägt diese Szenerie dazu bei, dass ich ins Bett gehen möchte — es ist hell geworden, Menschen wachen auf und verrichten ihr Tagewerk.
Die Nacht hat einen wunderhübschen Charme und ist für mich ideal zum Lernen — es ist generell die Tageszeit, wo ich am aktivsten bin (ich mache mir wieder Gedanken über Melatonin).
Nun ist die Nacht vorbei, ihr Charme ist mit ihr verschwunden und Monas Besitzer hat meine Konzentration zunichte gemacht — ich gehe schlafen.

Zusätzliche Schlafmotivation bietet normalerweise auch das nicht Entdeckt werden wollen (was gar nicht einen so großen Teil ausmachen kann, wenn ich mich jetzt im Internet oute).
Wenn Menschen einen dabei erwischen, wie man eine Nacht durchgemacht hat (in diesem Fall durchgelernt hat — das klingt viel produktiver und bewundernswerter und toller), hört man einen blöden Spruch oder wird böse sozial sanktioniert (z.B. durch einen bösen Blick — in einem Reiseführer für die Stadt London hab ich gelesen, dass die englischen Polizisten unhöfliches Benehmen und minderschwere Regelverstöße mit einem bösen Blick ahnden würden.
Seither bildet das für mich die höchste Form der (höflichen) sozialen Sanktionierung :] ).

07
Feb
08

Rückmeldung

Osnabrücker Hauptbahnhof, letzten Sommer:
Ich rannte auf den Haupteingang des Bahnhofs zu — nur noch eine Minute bis mein Zug abfährt! Ich war am Haupteingang aufgrund der elektrischen Türen und der anderen Menschen gezwungen kurz stehen zu bleiben. In dem Moment wandte sich ein Typ an mich und bat mich um etwas Kleingeld. „Ich hab grad echt keine Zeit — mein Zug fährt sofort“ sagte ich hektisch, rannte zum Gleis und sah meinem Zug beim Wegfahren zu.
Dumme Sache. Da ich eine Stunde Zeit hatte bis der nächste Zug abfahren würde, entschloss ich wieder in die Innenstadt zu gehen. Auf dem Weg dorthin kam ich wieder am Eingang vorbei also auch an dem Typ. Ich sagte ihm „So… jetzt habe ich Zeit. “ und gab ihm etwas Kleingeld.

Alles völlig legitim. Nur dummerweise bedeutet „ich hab grad echt keine Zeit“ im Allgemeinen fast nie „ich hab grad echt keine Zeit“.
Der korrekte Gebrauch wäre die Verkündung der Feststellung, dass Aktion A vor dem Ausführen oder Geschehen von Aktion B offensichtlich nicht mehr durchgeführt werden kann. Wie in „Mein Flug geht in 10 Minuten. Ich hab keine Zeit mehr, um nochmal nach Hause zu fahren und mich zu duschen.“.
Kritischer wird es bei Aussagen wie „Ich hab heute Abend keine Zeit, um ihn anzurufen — ich muss morgen früh raus.“
Wann immer die Phrase so gebraucht wird, denke ich mir „Eigentlich wollte die Person sagen ‘Heute Abend werde ich ihn nicht mehr anrufen, es gibt andere Sachen wie meinen Schlaf, die ich dringender brauche’.“
Denn in solchen Aussagen ist es keine Frage der Möglichkeit (ab einer gewissen Geschwindigkeit kann man innerhalb von 10 Minuten vom Flughafen nach Hause fahren, sich duschen und pünktlich wieder zurückkommen), sondern des Willens (man wägt ab, ob man lieber ein wenig mit wem plaudert oder man lieber für die morgige Vorlesung ausgeschlafen ist).
Natürlich klingt meine Umformulierung egoistischer. Man sagt lieber „Ich hab keine Zeit“ als „Ich mach lieber andere Sachen“.
Ich selber versuche diese Phrase zu vermeiden, bin aber auch nicht böse, wenn sie jemand verwendet.

Nun ist es leider so, dass in meinem Cognitive-Science-Umfeld (CSU) sehr häufig mit „Ich hab keine Zeit“ um sich geworfen wird. Ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, wo „Ich hab keine Zeit“ eine Aussage der fehlenden Möglichkeit beschrieb.
Aber wie gesagt — ich bin nicht böse, akzeptiere es oder toleriere es zumindest.
Dummerweise reduziert das häufige Gebrauchen dieser Phrase anscheinend die Hemmschwelle, die zum Veräußern der Phrase überwunden werden muss.
Es gibt nämlich noch eine Bedeutungsmöglichkeit — eine Erweiterung der Ich-will-nicht-Möglichkeit, die nur dazu dient zu demonstrieren für wie wichtig man sich eigentlich hält.
Häufig wird in meinem CSU „Ich hab grad echt keine Zeit“ in diesem Zusammenhang verwendet. Es sind inhaltlose Aussagen, vollkommen irrelevant und in erster Linie blöd.
Aber auch das wird von mir zähneknirschend hingenommen und gibt mir Gelegenheit an dem Versuch akustische Sinneswahrnehmungen bewusst nicht wahrzunehmen zu feilen.

Folgende Erkenntnis kam mir allerdings vergangenen Montag in der Mensa:
Wenn ein Mensch „Ich hab grad echt keine Zeit“ in absurdester Weise nur dazu verwendet, um sich selbst aufzubauschen und sich über-wichtig zu machen, kann ich diesen Menschen nicht länger ernst nehmen.
Meine Kommolitone aus dem CSU setzte sich zu mir. Wir wünschten uns einen guten Appetit. Er saß mir gegnüber, schaute kurz auf sein Essen, dann auf mich, dann aus dem Fenster und wieder auf mich und schnitt mit einem schwerem Seufzer ein Thema an: „Haach, noch 11 Tage.“
Ich versuchte nachzudenken, was in 11 Tagen sein könnte. Die letzte Klausur? Ferien? Als ich mich schließlich selbst fragte „der wievielte ist heute eigentlich heute?“, gab ich auf und fragte — auch wenn ich es hasse auf diese indirekten Anspieler zu reagieren — „Was ist in 11 Tagen?“ Er baute eine dramaturgische Pause ein, in der er die Hand mit der Gabel geschickt auf dem Tisch platzierte und sagte endlich: „Da ist die Rückmeldefrist zu Ende.“

Kurze Erklärung:
Am Ende eines Semesters muss man sich bei der Uni rückmelden, wenn man weiterstudieren möchte. Dies tut man witzigerweise durch das Überweisen von gut 650€ auf das Konto der Uni.

Okay… warum beunruhigt ihn das Ende der Rückmeldefrist?
„Und? Das zahlen doch eh deine Eltern, oder? Ich meine… du arbeitest doch nicht also woher sollst du es sonst nehmen?“
„Nein, nein… das bezahl schon ich.“
„Dann hast du nicht genug Geld?“
„Doch, doch, das auch. Ich muss es nur *dramaturgische Pause* überweisen.“
„Mhm. Und?“
„Dazu fehlt mir grade echt die Zeit!“

o_O
Okay, dachte ich mir, okay der verarscht dich. Allerdings verarscht er andere so selten wie ich darüber nachdenke wie man mit Tütenaufblasen Erdbeben verhindern kann.
„Du hast -WAS? Meinst du das ernst?“
„Wieso?!“, fragte er und schaute mich verdutzt an, „Ich hab einfach so viel zu tun, also hab ich einfach keine -blablabla“

Ich räume der Möglichkeit, dass meine Kommolitone für die nächsten elf Tage einen minutengenauen Zeitplan entwickelt hat, der es ihm nicht erlaubt eine zweiminütige wilde Überweisungssession zu veranstalten, eine geringe Wahrscheinlichkeit ein.
Viel mehr habe ich keine Lust mehr ihn ernst zu nehmen, was durch das obige „blablabla“ zart angedeutet wird.

15
Okt
07

Das „Ja, aber–“-Phänomen

Das Sprechen in Universität, Schule und einigen anderen Institutionen/Firmen/Was-auch-immern unterliegt einem witzigen Regelsystem:

Einer ist der Chef. Der Chef darf immer reden, wanns ihm passt. Alle anderen (die sog. „Meute“) muss wahlweise den linken oder rechten Arm in die Luft strecken, um zu signalisieren „Chef, ich möchte etwas sagen.“. Wenn der Chef keinen Grund sieht, der dagegen spricht, dass einer aus der Meute zu Wort kommt, deutet er durch eine Handbewegung, ein knappes „Ja?!“ (auch: „Bitte?“ oder „Sie da!“) oder gar durch die Nennung eines Namens an den Aufzeigenden gewandt an, dass dieser nun reden darf.
Der Aufzeigende hört auf aufzuzeigen und fängt an zu sprechen. Danach hat er/sie das Recht auf Reden wieder verwirkt und der Chef ist wieder dran.
Das ist als Regelsystem völlig in Ordnung. Der Chef hat so oder so meistens sehr viel zu sagen und darf sich ruhig etwas wichtig machen, indem er/sie Rederechte verteilt.

Es gibt einige Variationen und Abweichungen vom Regelsystem. Es kann zum Beispiel der Fall sein, dass jemand während einer hitzigen Debatte das ganze System vergisst und nicht mehr aufzeigt. Es kann sein, dass der Chef den Redenden einfach unterbricht oder aber dass einer aus der Meute unerlaubterweise losbrüllt, weil gerade ein massiver Klotz Decke auf sein Haupt gefallen ist.
Derlei Regelverletzungen finde ich persönlich unbedenklich.

Aber es gibt da eine Abweichung vom System, ein Regelverstoß, der mich einfach nur wahnsinnig macht!
Die Rede ist vom „Ja, aber –“-Phänomen:
Jemand aus der Meute hat das starke Bedürfnis auf etwas Gesagtes mit Worten zu reagieren. Laut und vollkommen unaufgefordert spricht dieser jemand laut einen Teil der geplanten Reaktion (die Einleitung) aus, hört mitten im Satz auf zu reden, hebt seine Hand und wartet.
Der häufigste Reaktionsanfang scheint „Ja, aber –“ zu sein, weshalb das Phänomen diesen Namen trägt. Auch möglich und von mir wahrgenommen wurden zum Beispiel „Ist es nicht klüger, wenn man –“, „Hmm… ist auch eigentlich –“ oder „Das ist aber nicht –“.

Wie ist dieses Phänomen zu erklären?
Es könnte sein, dass der Reaktionswillige aus der Meute einen Moment lang vergisst, dass er sich an das Regelsystem zu halten hat. Allerdings konnte ich noch nie eine Schamröte im Gesicht des stümperhaften Unterbrechers erkennen. Es könnte auch sein, dass die Person hofft der Chef würde direkt seine/ihre Aufmerksamkeit auf die Person richten; und wenn der Chef eben nicht reagiert, zeigt man doch widerwillig auf. Ich tippe eher auf letzteres — auch wenn es keine befriedigende Erklärung für mich darstellt.
Vielleicht möchten sich einige Leser ja hier outen und verraten, was ihre Beweggründe sind.

Viel wichtiger als das Phänomen an sich ist jedoch die Tatsache, dass mich dessen Auftreten zur Weißglut treibt!
Ich werde weiteres Auftreten dieses Regelverstoßes mit einem bösen Blick ahnden!

20
Jun
07

Seelenfänger

Heute wurde ich auf dem Weg zwischen zwei Veranstaltungen von einer Seelenfängerfängerin angesprochen. Sie kam wie aus dem Nichts auf mich zu.

Sie sprach mich mit einem freundlichem „Hi!“ an. Die Zeit, die verging, bis sie vollends an mich herangetreten war und ihr Anliegen vorbrachte, nutzte ich um mich zu fragen, woher zur Hölle die Frau mich kennt und ich sie kennen sollte.

„Suchst du einen Job; in den Semesterferien?“ lautete ihre Frage, die mein krampfhaftes Nachdenken beendete. „Ja, ich suche einen Job.“ gab ich zurück. „Wo du auch mal raus aus Osnabrück kommst? Für vier Wochen?“ fragte sie weiter. Ich überlegte kurz welche Grausamkeiten sich hinter „raus aus Osnabrück“ verstecken könnten und antwortete „Ja, warum denn nicht?!“. „Schön. Was studierst du denn?“ wollte sie als nächstes wissen. Nachdem „Cognitive Science“ sie irritiert zu haben scheint und ich nach der Übersetzung („Kognitionswissenschaft“) schon die übermäßig oft gebrauchte Erkärung geben wollte, sagte die Frau zufrieden: „Aha! Dann kannst du bestimmt gut reden!“

Ich war etwas irritiert und suchte kurz nach einer Verbindung zwischen CogSci und rhetorischen Fähigkeiten und nickte nur leicht. „Bekomm ich jetzt deine Broschüre?“ wollte ich wissen. Tatsächlich fing sie an in ihrer Tasche zu kramen und sagte: „Ja, die bekommst du jetzt! Wir suchen Studenten, die für vier Wochen als Feycufeagenarbeiwoln.“ Das letzte Wort (es waren wahrscheinlich mehrere Wörter) hat sie innerhalb von nicht mal zwei Sekunden hervorgebracht. Ich bat sie sich zu wiederholen: „Wir suchen Leute, die als Face-to-face Agenten arbeiten wollen; also Leute auf der Strasse ansprechen und ein bisschen Werbung machen.“

Da war er also: der sprichwörtliche Haken. Ich sollte Seelenfänger werden. Ich sollte zu jener Sorte Mensch werden, die dafür Sorge tragen, dass unschuldige Passanten ihren Aufenthalt in einer Fußgängerzone nicht genießen können. Jene Leute, die schlimmer sind als Teleshopprodukte-live-vorführ-und-anhimmel-Menschen, die schlimmer sind als Fußgängerzonenschausteller, die genauso schlimm sind wie Call-Center-Agenten.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Job gut bezahlt wird (je nach Anzahl gefangener Seelen 80 bis 120€ pro Tag, was zu einem Monatsgehalt von 1920-2880€ führen würde); und es stellte sich heraus, dass Christianes (so heisst die Seelenfängerfängerin) „vier Wochen“ wörtlich meinte. Ich fragte erstaunt nach und sie gab nickend zurück: „Ja, vier Wochen, jeden Tag. Außer Sonntags.“. Das, verbunden mit der Information „mal raus aus Osnabrück“, bildete den zweiten sprichwörtlichen Haken. Sie schrieb mir ihren Namen auf, damit ich bei Interesse unter der angegebenen Telefonnummer direkt nach ihr Verlangen könnte. Vielleicht bekommen Seelenfängerfängerinnen ja Provision für gefangene Seelenfänger.

Ich ging zu meiner Veranstaltung und wollte mich gerade nach dieser Veranstaltung von einer Komolitonin verabschieden, als Christiane wieder aus dem Nichts auftauchte und nachfragte, ob es mir schon überlegt hätte. Ich gab mich unentschlossen, da ich nicht zu früh über den Job urteilen wollte. Vielleicht habe ich ja etwas missverstanden.

Ein Blick auf die Homepage bestätigte allerdings meinen Eindruck. Übrigens ist die salonfähige Bezeichnung für Seelenfänger „DialogerIn“, was vermutlich auch noch englisch ausgesprochen wird. Auf der Homepage steht auch, dass eine DialogerIn neben einer guten Kommunikationsfähigkeit und einem positiven und selbstbewusstem Auftreten auch über hohe Ausdauer und Beharrlichkeit zu verfügen hat. Also doch: Seelenfänger. Nach ein paar Klicks fand ich heraus, dass die Firma sogar neue Mitarbeiter höchst offiziell schult. Himmel! Da bekommt man sogar „aufdringliches Aufreten“ und „Lästigkeit“ beigebracht. Nicht zu vergessen „Wie man Mitgefühlsanwallungen ignoriert“ und „skrupellose Überzeugungslehre“.

Zum Abschluss noch zwei Telefonate mit Call-Center-AgentInnen. Ich musste gerade eben daran denken.

„Hallo! Ich möchte ihnen das neue Lottosystem unserer Firma vorstellen! Sie können innerhalb einer unserer Tippgemeinschaften viel Geld gewinnen!“ – „…aber ich will gar kein Geld gewinnen.“ – „Sie… sie wollen kein Geld gewinnen?“ – „Nein, ich brauche kein Geld. Bin auch so zufrieden.“ – „Ähh…. na… das ist doch toll! Das ist schön! Ich wünsche noch einen schönen Abend.“ – „Ich ihnen aber auch.“

„Hallo! Ich habe gehört… sie verreisen gerne?“ – „Was? Wer hat ihnen das erzählt?!“ – „Äh.. wie?“ – „Ich verreise überhaupt nicht gerne. Wer behauptet sowas!?“ – „…achso ist das. Ähm… Tschüß!“ – „Tschüß.“

Call-Center-AgentInnen verarschen ist wahnsinnig spaßig!

13
Jun
07

Unvollständig (oder: „Ein Essay entronnener e’s“)

Gras und Kraut sind im Wald.Tag und Nacht ging ich dorthin und sprach zu Gras und Kraut: „Das Land ist fruchtbar, das Gold ist kostbar und Nahrung ist furchtbar kostbar!“. Klug istn Strauch nicht – das sag ich dir! Ich nahm Frucht und Brot und zog davon. Ich ging und ging und ging. Wohin nur ging ich? Ich ging in Richtung Haus.Danach trat ich also vor das Haus und sprach: „Bin ich krank? Komisch… Was ist so unnatürlich? Ruhig Blut, Tobias!“.

Da sah ich ihn. „Ich frag ihn mal“ sprach ich zu mir. „Was willst du von mir? Was hast du vor?“ – „You should not know this. Go away and don’t turn back! „So ging ich fort, zur Stadt. Auch dort war nichts in Ordnung. Komisch! Was ist nur los? „Ich kann das nicht und ich will das nicht!“

Das Licht ist schon längst fort. „Warum ists nur so unvollständig?“, ich bin in Angst, „Hilf mir – sofort!“.

Also: Was stimmt nicht? Was ist so unnatürlich?

Kommt ihr drauf?