Heute gibt es zum ersten Mal Musik von mir auf meinem Blog — mein Instrumentalcover von ‘The Sheep Song’; ein Lied von ‘The Dresden Dolls’ (erschienen auf dem Album ‘No, Virginia…“).
Viel Spaß damit!
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Heute gibt es zum ersten Mal Musik von mir auf meinem Blog — mein Instrumentalcover von ‘The Sheep Song’; ein Lied von ‘The Dresden Dolls’ (erschienen auf dem Album ‘No, Virginia…“).
Viel Spaß damit!
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„Was ist Kunst?“
Diese Frage beschäftigt mich hintergründig, seitdem ich eine Kategorie mit dem Namen „Kunst“ eingeführt habe. Die Kategorie entstand, als ich über das Buch „Das Wunschspiel“ schreiben wollte und nicht extra eine neue Katogorie „Literatur“ erstellen wollte, sondern die bestehende Kategorie „Musik“, sowie die prinzipiell notwendige Kategorie „Literatur“ zu der Kategorie „Kunst“ zusammengefasst habe.
Zur Beantwortung dieser Frage habe ich im Übrigen keine fremden Quellen angezapft. Ich wollte, dass meine Antwort auf diese Frage auch wirklich meine Antwort ist.
Das erste, was mir in den Sinn kam, war eine Formulierung a lá „Kunst, das ist Malerei, Bildhauerei, Musik, Schauspiel, Epik, Drama und Lyrik“. Aber was nützt ein mühseliges Aufzählen aller Unterkategorien? Bedenkt man allein, dass es eines Tages eine neue Unterkatogorie geben könnte. Videospiele sind zum Beispiel eine Kunstform, an die man vor hundert Jahren noch nicht gedacht hat.
Da kommt auch gleich schon ein weiteres Problem auf den heiteren Definierer zu:
Individualität.
Nicht jeder wird Videospiele als Kunst ansehen wollen — so etwas sollte in einer Definition berücksichtigt werden.
Die Aufzählstrategie birgt ein weiteres großes Problem: nicht alle Dinge, die man sich unter einer Unterkategorie vorstellen kann, sind Kunst.
Alle Menschen, die Lieder wie „Finger im Po, Mexiko“ oder „Das Rote Pferd“ als Kunst ansehen, dürfen sich gerne dazu äußern und mich über meinen Denkfehler aufklären.
Mein zweiter Versuch bestand in „Kunstobjekte sind Dinge, die Gefühle und Assoziationen in Menschen erzeugen können.“
Wichtig ist hier die Funktion der Kunstobjekte als gefühl- und assoziationerzeugende Objekte. Ebenso wichtig ist der Verweis ‘Objekte’. All das, was wir Kunst nennen, ist unbelebt.
Das ist die faszinierende Eigenschaft von Kunst: Kunstobjekte sind jene unbelebten Objekte für die wir, nach lebendigen Wesen, am meisten Gefühle entwickeln können.
So wichtig der Verweis auf Objekte auch sein mag — der Begriff des Objekts ist völlig unklar. Als Objekt muss in diesem Kontext auch ein bestimmtes Schallmuster (Musik), manchmal auch in Kombination mit bestimmten visuellen Mustern (Film, Theater, Oper, etc.) gelten.
Dieser Ansatz ist aber ziemlich ungeeignet. Es gibt viele unbelebte Objekte, die in der Lage sind dieses Erzeugen zu leisten und dabei nicht als Kunst verstanden werden. Zum Beispiel können Waffen oder Geld insbesondere im Kontext spezieller Tätigkeiten starke Gefühle und Assoziationen auslösen.
Der Unterschied zwischen solchen Objekten und Kunstobjekten ist, dass Kunst mit der alleinigen Absicht geschaffen wird Gefühle und Assoziationen auszulösen, wenn man von möglichen egoistischen Motiven wie „Lebensunterhalt verdienen“ oder „Anerkennung erlangen“ einmal absieht.
„Als >Kunst< werden all jene Objekte bezeichnet, die einen Teil der Gedankenwelt eines oder mehrerer Agenten darstellen (egal ob gewollt oder nicht) und von diesen Agenten primär dazu konzipiert wurden in Agenten Gefühle und Assoziationen hervorzurufen, unter der Voraussetzung, dass jene Agenten das Objekt adäquat erfassen.“
Die Bedeutung von >erfassen< variiert hier je nach Art des Kunstobjekts. Ein Bild etwa, das als Kunstobjekt verstanden wird, wird zum Erfassen intensiv betrachtet. Bei einem Buch hingegen reicht das nicht aus, es muss gelesen werden, wenn man es erfassen möchte.
Es spielt keine Rolle, ob die Gefühle und Assoziationen, die in den Erfassern hervorgerufen werden, sich mit denen der Erschaffer gleichen; allein schon, da die Erschaffer nicht zwingend ihre eigenen, gegenwärtigen Gefühle und Assoziationen in ihr Werk mit einfließen lassen müssen. Der eigentliche Grund für die Irrelevanz dieses Verhältnisses ist die Individualität. Es steht außerhalb der Macht der Erschaffenden zu bestimmen welche Reaktionen Kunst hervorruft.
„Mensch“ wurde im Übrigen durch „Agent“ ersetzt, was nicht anders heißen soll als „bewusstes Wesen“ — vor allem als Cognitive Science Student darf man nicht annehmen, dass wir Menschen für alle Zeit die einzigen Lebewesen bleiben, die Kunst erzeugen. Unabhängig davon, ob man Tiere als Agenten ansehen könnte, möchte ich sie aus der Menge der kunsterzeugenden Wesen ausschließen.
Was nach dieser Definition nicht als Kunst verstanden wird, sind Sachen wie Mode oder Autos, die manch ein Designer oder Endverbraucher vielleicht als Kunst ansehen würde. Solche Dinge würde ich allenfalls als ästhetisch bezeichnen.
Aber was ist mit Videospielen? Ich halte einige Spiele für Kunst.
Steht und fällt die Frage, ob etwas Kunst ist oder nicht, wirklich daran, ob die Erschaffer sagen: „Natürlich ist das Kunst!“ oder „Das ist keine Kunst, das dient nur zur Fortbewegung/ der Unterhaltung, usw“? Man kann es nur klar lösen, wenn man den Begriff der Kunst der Allgemeingültigkeit vollkommen entreißt — Kunst ist individuell!
Geschmäcker sind verschieden, natürlich — das wissen wir alle. Dies wird umso wichtiger bei der Einteilung was Kunst ist und was nicht. So behaupte ich, dass Videospiele wie „Counter Strike“ oder „Mario Kart“ keine Kunst sind, „Morrowind“ oder „Fahrenheit“ hingegen schon.
Die Frage „Glaube ich, dass dies und jenes Kunst ist?“ ist gleichbedeutend mit der Frage „Hat dies und jenes für mich die vordergründige Funktion Gefühle und Assoziationen zu wecken?“
So dürfen auch Menschen, die Oldtimer sammeln oder die riesige Fans von Modedesignern sind, ihre Objekte der Begierde >Kunst< nennen. Ja, man glaubt es kaum: vielleicht gibt es sogar jemanden, der „Finger im Po, Mexiko“ >Kunst< nennt. Es ist theoretisch möglich, trotzdem behaupte ich, dass so ein Jemand nicht existiert.
Es ist also doch nicht besonders wichtig, welche Funktion der Erschaffer dem Objekt zuweist.
Ich finde die Definition (mit anschließender Überlegung) ziemlich gut und passend, aber trotzdem stört mich etwas: sie ist bar jeder Romantik! Also schließe ich ab mit einer tiefgründig-romantischen Definition:
„Kunst ist unbelebtes Gefühl und Assoziation.“
Ich habe vor kurzem zum zweiten Mal mein selbsterklärtes (!) Lieblingsbuch-bis-jetzt „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel zu Ende gelesen. Es ist an der Zeit, entschied ich, anderen dieses wunderbare Buch zu empfehlen.
Wie bereits im Wunschspiel-Eintrag erwähnt mag ich es am liebsten, wenn ich über ein Buch sehr wenig bis gar nichts weiß. Eine Beschreibung des Buchs oder gar der Klappentext ist bei „Der Mitte“ so oder so völlig unnütz. Das Buch besteht aus vielen Zeitsprüngen, die die Assoziationen des Protagonisten (Phil) darstellen. So fängt es zum Beispiel mit der Geburt Phils und Diannes an (Zwillinge, geht ein?), springt dann in die Gegenwart, hält sich kurz mit der Kindheit von Phil auf, springt wieder in die Gegenwart und bietet schließlich einen längeren Abschnitt über den fünfjährigen Phil. Da muss man sich als Buchbeschreiber dann entscheiden, ob man sie miterzählt und Verwirrung stiftet oder diesen bezaubernden Erzählstilkniff unter den Tisch kehrt (und das soll nur eine von vielen Schwierigkeiten darstellen).
Der Autor schreibt selbst in einem Nachwort, welches in der Taschenbuchausgabe abgedruckt wurde (ISBN: 978-3-551-35315-3), über diesen Erzählstil auf Seite 473f.:
An zahlreichen Stellen des Romans wird Phils Gegenwart durch ihr jeweils entsprechende Einflüsse oder Erlebnisse in seiner Vergangenheit bebildert. Das Buch folgt damit einem sich nach außen hin recht einfach darstellenden Assoziuationsprinzip. Das ich wie selbstverständlich wählte, weil ich glaubte (und immer noch glaube), dass, psychologisch betrachtet, kein Leben und kein Erinnern wirklich linear verläuft.
Apropos Erzählstil:
Der Stil ist mit das beste, wenn nicht DAS beste, am gesamten Buch. Die Mitte ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Das, was Phil wahrnimmt, was er denkt und was er assoziiert, ist so beschrieben, dass man die Handlung nicht nachvollzieht, sondern nachempfindet.
Um alle Interessierten nun noch weiter zu interessieren folgen nun 5 Zitate aus dem Buch, die extrem wenig Handlung vorweg nehmen.
Ach ja:
Die Seitenangaben beziehen sich auf die mittlerweile wohl vergriffene Ausgabe der „SZ Junge Bibliothek“ (ISBN 3-86615-125-X).
Nummer 1 (S. 76) (Anmerkung: Der Brocken ist ein dickes, brutales Kind, auf den die Schwester von Phil mit einem Bogen geschossen hat. Kurz vor dem Einschlafen findet der folgende Dialog statt.)
„Du warst toll“, flüsterte ich Dianne durch das Zimmer zu.“Du hast den Brocken genau getroffen. Das war toll!“
„Ich hab danebengeschossen, genau wie bei der blöden Forelle.“
Etwas in ihrer Stimme brachte die Dunkelheit zum Brodeln. Plötzlich wünschte ich mir, Dianne würde nicht weitersprechen, doch da warf die Luft bereits schwarze Blasen, die zischend zerplatzten.
„Weißt du, Phil, ich hatte auf sein Herz gezielt.“
Nummer 2 (S. 94):
Ich lege die Hände auf die Brust und konzentriere mich auf das Heben und Senken
meines Brustkorbs, auf den Rhythmus des Atmen. Ein, aus, ein, aus…
Dann löst selbst das Gehäuse sich auf, ist nur noch ein Vakuum vorhanden, ein grenzenloses Nichts. Ich bin von einer Einsamkeit umfangen, die weder die Anwesenheit von Glass noch die von Dianne oder Kat auflösen könnte. [...]
Wie von selbst gleiten meine Hände den Bauch herab, bleiben kurz dort liegen, warme Haut auf heißer Haut, um sich dann langsam weiter nach unten zu tasten, wo sie ihren eigenen geübten Rhythmus finden, der schneller ist als mein Atem, schneller als mein Pulsschlag. Ich vertraue darauf, dass das die Einsamkeit vertreibt, aber es macht sie nur noch größer.
Nummer 3 (S.96):
„Geh sie besuchen. Von verrückten Leuten kann man eine Menge lernen.“
Nummer 4 (S.147):
Manche Veränderungen kommen über Nacht. Du gehst abends zu Bett, schläfst ruhig und tief, und am folgenden Morgen erwachst du und stellst fest, dass alles anders ist als zuvor. Du kannst dir nicht erklären, was geschehen ist, denn die Sonne ist aufgegangen wie an jedem Morgen, und da hängt immer noch dieses Bild an der Wand, das du längst abhängen wolltest. Die Farben der Welt sind dieselben geblieben. Nur bei genauerem Hinsehen glaubst du zu entdecken, dass sie eine Spur heller oder dunkler als bisher erscheinen, doch das ist eine Täuschung: Es ist deine Wahrnehmung, die sich verändert hat, weil du selbst von heute auf morgen ein anderer geworden bist. Und deshalb hängst du jetzt auch dieses verdammte Bild ab.
Andere Veränderungen kündigen sich an. Du spürst sie auf dich zukommen, langsam und unabwendbar wie den Wechsel der Jahreszeiten. Kleine und große Ereignisse gehen solchen Veränderungen voraus, die in keinerlei Zusammenhang zu stehen scheinen. Doch irgendetwas im hintertesten Winkel deiner Psyche setzt diese Ereignisse und ihre Folgen geduldig zusammen wie ein Puzzlespiel, und im selben Maße, wie das Puzzlebild Gestalt annimmt, vollzieht sich in deinem Inneren ein Wandel, Stück für Stück, Schritt für Schritt: eine Art unbemerkter, zweiter Geburt.
Nummer 5 (S. 342f.):
„Stell dir das Leben vor wie ein großes Haus mit vielen Zimmer, Phil. Einige dieser Zimmer sind leer, andere voller Gerümpel. Manche sind groß und voller Licht, und wieder andere sind dunkel, sie verbergen Schrecken und Kummer. Und ab und zu — nur ab und zu, hörst du? — öffnet sich die Tür zu einem dieser schrecklichen Zimmer und du musst hineinsehen, ob du willst oder nicht. Dann bekommst du große Angst, so wie jetzt. Weißt du, was du dann tust?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Dann denkst du daran, dass es dein Leben ist — dein Haus, mit deinen Zimmern. Du hast die Schlüssel, Phil. Also schließt du die Tür zu diesem schrecklichen Zimmer einfach zu.“
„Und dann werfe ich den Schlüssel weg!“
„Nein, das darfst du nicht tun, niemals“, erwiderte Tereza ernst. „Denn eines Tages spürst du vielleicht, dass nur durch dieses schreckliche Zimmer der Weg in einen größeren, schöneren Teil des Hauses führt. Und dann brauchst du den Schlüssel. Du kannst deine Angst für eine Weile aussperren, aber irgendwann musst du dich ihr stellen.“
„Wenn ich größer bin?“
„Größer und mutiger, mein Kleiner.“ Tereza streichelte mir mit dem Handrücken über die Schläfe. „Und vielleicht auch
nicht mehr allein.“
Es ist drei Tage her. Vor drei Tagen hab ich die letzte Seite von Patrick Redmonds „Das Wunschspiel“ (engl.: „The Wishing Game“) gelesen. Seitdem ist es spätestens für mich klar, dass dieses Buch ausgezeichnet ist.
Wenn ich ein ausgezeichnetes Buch gelesen habe, starre ich es direkt danach noch einige Zeit an und lege es dann widerwillig ins Regal zurück. Zu diesem Zeitpunkt bin ich von dem ausgezeichneten Buch schon längst besessen.
Ein ausgezeichnetes Buch bleibt mir noch Tage im Kopf, was mich daran hindert an irgendeiner anderen Geschichte — egal ob durch Film, Videospiel oder Buch erzählt — Gefallen zu finden.
Wenn ein paar Tage vergangen sind, habe ich dann meine Schlüsse aus dem ausgezeichneten Buch gezogen, kann mich anderen Dingen zuwenden und weiß, dass ich das Buch eines Tages erneut lesen will.
Ich möchte etwas über das Buch erzählen; vielleicht kommt es dann bei dem ein oder anderen auf die „Bücher, die ich lesen möchte“-Liste. Obwohl ich es ja persönlich spannender finde ein Buch zu lesen, wo ich überhaupt nichts von dem Inhalt weiß. Aber wie soll man sich dann halbwegs sicher sein, dass man die Thematik ansprechend findet?
Bei dem Buch handelt es sich um einen Psychothriller, in dem mehrere gleichzeitig ablaufende Handlungsstränge erzählt werden, die sich an einigen Stellen schwach bis mäßig beeinflussen.
Der Autor lässt sich sehr viel Zeit für die zweit-ausführlichste Einleitung, die ich jemals gelesen habe (Kritiker nannten Andreas Steinhöfels „Die Mitte der Welt“ eine 450-seitige Einleitung — der Autor konnte es ihnen nicht ganz verübeln…).
Patrick Redmond lässt sich viel Zeit für die intensive Beschreibung seiner Charaktere und macht deren Motive und Motivation deutlich, was die daraufhin folgenden Geschehnisse in keinster Weise konstruiert wirken lässt.
Das Buch spielt im Jahre 1954. Die Handlung findet größtenteils in dem englischen Knabeninternat „Kirkston Abbey“ statt.
Jonathan Palmer (14) — die Hauptperson — ist relativ einsam. Er hat einige wenige, doch dafür gute Freunde und wird wegen seiner einfachen Herkunft öfters gehänselt.
Eines schicksalhaften Tages verwechselt Jonathan zwei Bücher und erscheint zur Lateinstunde mit dem ebenfalls roten und formähnlichen Mathebuch. Der Lehrer setzt ihn daraufhin neben Richard Rokeby, damit Jonathan mit in sein Buch schauen kann.
Richard Rokeby ist ein Einzelgänger, der jedem Mitmenschen entweder mit Verachtung oder Gleichgültigkeit gegenübertritt. Er wirkt auf seine Mitschüler höchst faszinierend — einige würden gerne mit ihm befreundet sein, um etwa vielleicht auch eines Tages über den sozialen Druck, den das Internatsystem auf die Schüler ausübt, erhaben zu sein.
Während besagter Lateinstunde hilft Richard Jonathan aus der Patsche, als der Lehrer einen besonders schweren Satz übersetzt haben will, womit der erste Schritt für eine Freundschaft zwischen den beiden getan ist.
Eine Freundschaft, die nicht von allen innerhalb der Abbey gutgeheißen wird…
Man kann natürlich von der Handlung nicht viel erzählen, dass gleichzeitig die Faszination verständlich macht und die Inhalte nicht verdirbt; also halte ich den Mund (bzw. die Finger still).
Fazit:
Das Buch hat witzige Stellen, faszinierenden Stellen, sowie verstörende, beängstingende und philosophischen Stellen.
Der Autor stellt gekonnt dar wie Menschen durch Motive wie Neid, Kontrolle, Abhängigkeit oder Angst zu Dämonen werden.
Ich habs bereits geschrieben — es ist ausgezeichnet, also kauft es euch :)
Vorgestern, am Sonntag den 17.06., stand ich auf dem Platz vorm Völkerschlachtendenkmal in Leipzig. Meine Hände schmerzten wie kaum jemals zuvor; doch trotzdem gab ich mir unablässig einen Ruck noch einmal meine beiden leidenden Gliedmaßen aneinander zu schmeißen. Sie fühlten sich gar nicht mehr wie Hände an, viel eher wie zwei fremdartige Wucherungen, die auf schmerzvolle Weise ihre Verbindung zu meinem Körper demonstrierten.
Doch fangen wir von vorne und ganz geordnet an! Ich wollte mit meiner guten Freundin Madeleine das Rosenstolz-Konzert in Leipzig besuchen. Ich fuhr am Samstag los, würde Montag wieder abreisen und konnte bei Madeleine übernachten. Die Reise war sehr schön, der restliche Samstag auch. Ich hab sogar den italienischen und polnischen Beitrag zur Pyrotechnickweltmeisterschaft gesehen (wusste gar nicht, dass es so etwas gibt!).
Am Sonntag war es dann so weit! Wir waren schon eine halbe Stunde vor Einlass am Denkmal. Etwa hundert Dutzend kamen auf die selbe, glorreiche Idee. Wir bekamen trotzdem sehr gute Plätze – vor uns standen sich vielleicht zehn Reihen die Beine in den Bauch. Meine Größe erwies sich als richtig nützlich (bin 1,95m groß)! Maddy mit ihren fast schon kümmerlichen 1,65m beteuerte aber ebenfalls genug sehen zu können.
Die erste Vorband, „Michme“, spielte (Ja, man glaubt es kaum. Rosenstolz haben heutzutage schon zwei Vorbands!). Sehr schöne Punk-Rock-Pop Musik. Flüchtige Blicke nach hinten, verrieten, dass wir uns genau den Zeitpunkt unmittelbar vor der großen Menschenmassenflut für unsere Ankunft ausgesucht hatten.
„Michme“ verabschiedeten sich und „Panda“ kamen auf die Bühne. Himmel! Die Sängerin hat vielleicht mal eine Stimme! Hab gleich eine neue Freundin gewonnen. Das Album wird auch vorbestellt. Interessierte mögen sich auf www.allespanda.de das aktuelle Video „Jeht Kacken!“ anschauen. Maddy und ich bemerkten, während die Sängerin auf der Bühne im übelsten Berlinerisch vor sich hingrölte, dass wir uns den falschen Platz ausgesucht haben. Ein paar Meter weiter rechts wippten die Menschen fröhlich mit und freuten sich auf das bevorstehende Konzert. Und was hatten wir? Nur ein „Hoffentlich war das die letzte Nummer!“ oder „Genau! GEHT KACKEN!“ drang aus den Mündern der Menschen, die sich hinter uns aufgebaut haben und allesamt mindestens zehn Jahre älter waren als wir. Madeleine und ich hofften auf Vorbandmuffel und ignorierten die Nörgler hinter uns.
Doch was tun, wenn sich neue Nörgler von anderen Nörglern magisch angezogen fühlen und die wiederum ihre Existenz direkt bemerkbar machen? Auf einmal verspürte ich nämlich ein penetrantes Tippen an meinem linken Oberarm. Ich wandte mich um und ahnte fürchterliches.
„JUNGER MANN, könnten sie VIELLEICHT mal einen Schritt ZUR SEITE gehen, damit WIR auch ETWAS sehen können?“ kläffte es aus dem Mund einer Frau, die kurz zuvor noch einen ganz netten Eindruck machte. „Achso, natürlich!“ gab ich zurück und wollte mich schon wieder umdrehen und die Bewegung ausführen, die von der Frau mit der wechselfreudigen Betonung gewünscht war, als plötzlich ein Mann neben der Frau leicht in die Hocke ging, sich an ihren Arm lehnte und sagte: „Oder vielleicht könnten sie in die Knie gehen..?“. Danach fing er zu lachen an, wie eben solche Menschen, die solche Witze reißen, immer zu lachen anfangen. Ich erklärte diese Aussage für die überflüssigste und unlustigste des Tages. Die Frau hingegen nahm seinen Witz als ernsthaften Beitrag zu der Diskussion und schlug mit Sonnenbrille an den Lippen und Dackelblick in den Augen etwas anderes vor: „Oder… sie könnten uns vielleicht vorlassen……..?“ .
Das lecker Berliner Mädschen setzte zum großen Finale des aktuellen Songs an und zog meine Aufmerksamkeit aus sich – es wurde eh zu laut, um sich mit nervigen Menschen über meine Größe zu debattieren. Ich machte einen Schritt zur Seite und erklärte Madeleine, was die Leute von mir wollten. Mit heftigem Augenrollen erklärte sie unsere Position zu einer nicht-wünschenswerten welchen. Ich jedoch sah das Problem als gelöst an und lauschte weiter den Melodien von Panda.
Zwei Lieder später jedoch wagte ich mal wieder einen Blick nach hinten, um mir die Menschenmassen hinter mir anzuschauen (die Masse wuchs hinterher auf 16.000 Menschen an). Die Frau schaute mich aufmerksam an. Ich blickte sie irritiert an – Fehler! „Könnten sie denn JETZT MAL einen MEHHTER nach links oder nach rechts machen. Wir-“, ich konnte für einen Moment nicht mehr zuhören und war vollends verwundert über ihre Formulierung „einen Meter nach links oder rechts gehen“, da auch nur ein einziger Schritt nach links ihr den Rest des eingeschränkten Blickfeldes rauben würde. „-der Rest von uns auch noch was sehen.“ schloss sie ihre wahrscheinlich wohlüberlegte Argumentationskette und ich tat noch einen Schritt beiseite.
Dann geschah es: Panda verließen die Bühne und Bühnenarbeiter schleppten Instrumente durch die Gegend. Rosenstolz ließen sich ganz schön feiern, bevor sie die Bühne betraten. Alle waren gespannt und aufgeregt. Ich war sogar so aufgeregt, dass ich den leisen Hauch einer schwächlichen Bewegung an meinem rechten Schulterblatt wahrnahm. Ich buchte es als Einbildung ab. Aber als es sich wiederholte, wusste ich, dass ich wieder gefragt war. Ich wollte mich gerade umdrehen, als ich hörte, dass ein Gespräch über mich schon längst angefangen hatte:
„Ja, vielleicht könnte er ja ein kleines bisschen nach links gehen…“ sagte ein Mann, dessen Stimme gut zu der schwachen Berühung passte – fragt mich nicht warum! „NEIN! DER bleibt DA, wo er IST. Da WO er steht, steht er GUT. Wir haben den schon EBEN DAHINGESTELLT!“ führte die wechselfreudige-Betonungsfrau ihr Recht des Ersten aus. Da sie schon von mir in der dritten Person sprachen, entschied ich mich gar nicht erst einzumischen, sondern lieber gespannt auf den Vorhang auf der Bühne zu starren. „Der ist ja auch mal grooohhhhß….“ sagte die schwächliche Männerstimme, die daraufhin etwas Kraft gewann, als sie erheitert sagte: „Der wäre bestimmt n guter Leuchtturm!“. Ich verspürte die unbändige Lust den Supersuperlativ zu erfinden und diese Bemerkung als die superüberflüssigste und die superunlustigste Aussage des heutigen Tages festzuhalten.
Doch ich war nicht wirklich angefressen. Erst recht nicht, als die Band die Bühne betrat und das Gekreische lauter wurde. Dann betraten auch AnNa und Peter die Bühne und stimmten „Ich geh in Flammen auf“ an. Schon war der ganze Ärger vergessen. Wem es was sagt: Rosenstolz haben sogar mal wieder einige ganz alte Nummern ausgegraben und spielten neben dem aus der Tour ‘06 bekannten „Nur einmal noch“, „Kassengift“ und „Soubrette werd’ ich nie“.
Als ich das Stück zum ersten Mal hörte, wünschte ich mir DAS mal live zu hören und an diesem Abend ging mein Wunsch in Erfüllung. „Soubrette werd’ ich nie“ war der erste Track auf dem ersten gleichnamigem Album, dass 1992 zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Es ist vielleicht nicht das älteste Lied von Rosenstolz (–> „Niemehr niemals mit dir“), aber trotzdem eine richtig geile Nummer!
Rosenstolz gaben aber auch einen Ausblick auf zukünftiges und spielten zwei Lieder aus dem neuen Album, dass voraussichtlich im Frühjahr 2008 erscheinen wird. Eines davon wird „Blaue Flecken“ heissen, was eine Interpretationsmöglichkeit für den Titel des Blog-Eintrags bietet (Entweder das, oder es geht um die blauen Flecken, die meine Handinnenflächen zieren).
Ich hab mich spontan in dieses Lied verliebt!
„Ohne dich dreh ich durch
Halt mein Herz in der Hand
Und ich werfs dir hinterher
Fang es auf
Halt es fest
Oder schmeiß es einfach weg
Vielleicht brauch ichs ja gar nicht mehr
…Ich hab noch immer blaue Flecken.“
– Rosenstolz
Rosenstolz haben es auf diesem Konzert wieder einmal geschafft, dass während eines Liedes plötzlich Teile meines Körpers stark und trotzdem angenehm zu kribbeln anfingen (Kopf, Oberarme und Oberschenkel) und ich mich dann mit diesem Lied sehr stark verbunden fühlte. Dieses Mal handelte es sich um „Willkommen„.
Viele weitere Songs lösten magische Momente aus und machten den Abend zu einem unvergesslichem Erlebnis. Ich könnte wohl noch Seiten mit dem Konzert füllen, aber ich bin darüber besorgt, dass ich Euch dann langweilen würde.
Einige von Euch – vornehmlich CogScis – werden sich fragen, wie ich mir die Zeit dazu nehmen konnte. Samstag, Sonntag und Montag gar nichts tun? Und das so „kurz“ vor Semesterende?
Aber ich kann euch beruhigen: Es war nicht einfach für mich. Am Freitagabend habe ich bis tief in die Nacht Computer Linguistic gemacht. Im Zug habe ich am Philosphy Essay gewerkelt und als ich Montag wiederkam, brachte ich die folgende Nacht mit Informatik zu. Was dazu führte, dass ich armes kleines Ding tatsächlich keinen Schlaf fand und nun seit nunmehr fast 30 Stunden wach bin.
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