Archiv der Kategorie 'Psychologie'

23
Sep
08

Kuhl

Tadah!

Ab sofort kann man auf der „links und downloads!“-Seite meine „Motivation, Emotion und Persönlichkeit“-Zusammenfassung herunterladen! Es handelt sich um die Zusammenfassung eines Lehrbuchs von Prof. Dr. Julius Kuhl, der an der Universität Osnabrück Differentielle- und Persönlichkeitspsychologie lehrt.

In diesem Eintrag möchte ich etwas über die Entstehung der Zusammenfassung erzählen.
Im Wintersemester 2007/08 habe ich die Vorlesung „Motivation & Persönlichkeit I“ besucht. Ich habe schon von einigen gehört, dass die Vorlesung ganz toll sein soll, habe aber anfangs nicht daran gedacht, sie tatsächlich zu besuchen; Corinna hat mich dann mehr oder weniger überredet mit ihr hinzugehen.
Sie erklärte, dass zu der Vorlesung auch ein Begleitseminar gehöre, dass aber nur Psychologiestudenten besuchen müssen, sofern sie einen Schein erwerben wollen. CogScis hingegen müssen dazu nur an der Vorlesung teilnehmen und die Abschlussklausur bestehen.

Fast unabhängig von der wirklich tollen Vorlesung keimte in mir der Wunsch auf, nach dem Bachelor in CogSci meinen Master in Psychologie zu machen (ich erzähle jetzt quasi eine ‘Parallelhandlung’ zum Ich vs. Coxi-Eintrag). Nach dem Beratungsgespräch mit Prof. Suck dachte ich über die neue radikale nächstes-Semester-quereinsteigen-Perspektive nach und fragte mich in diesem Kontext, ob für mich wohl die Möglichkeit bestünde einen „Psycholgen-Schein“ in „Motivation & Persönlichkeit I“ zu erwerben. Nach der nächsten Vorlesung (wir befinden uns zeitlich irgendwo im November 2007) stellte ich Prof. Kuhl diese Frage, woraufhin er mich unwirsch darauf hinwies, dass solche Anliegen in seiner Sprechstunde zu besprechen seien.
Ich ging also zur Sprechstunde und brachte mein Anliegen erneut vor. „Ja, ich weiß noch, wer Sie sind.“, entgegnete Kuhl darauf. Das Problem bestand (zur Klarstellung) darin, dass ich bis zu dem Zeitpunkt nicht das Begleitseminar besucht habe, wo eifrige Psychologiestudenten jede Woche eine kleine schriftliche Ausarbeitung als Hausarbeit einzureichen haben.
Kuhl schlug mir zwei Möglichkeiten vor, wie ich trotzdem einen ‘richtigen’ Schein erwerben kann:
Ich könnte zum einen jede Hausaufgabe (verpasste und noch kommende) anfertigen und einreichen. Die Hausaufgaben bestehen aus einer zwei- bis dreiseitigen Antwort zu einer vertiefenden Frage zum jeweiligen Lehrbuchkapitel. Zum anderen könnte ich eine Zusammenfassung des ganzen Lehrbuches anfertigen, meinte Kuhl, woraufhin ich ziemlich große Augen bekam.
„Nun schauen Sie nicht so!“, sagte er lachend, „Ja, das mag viel Arbeit sein, stellt aber gleichzeitig eine Ideale Prüfungsvorbereitung für Sie dar. Wenn sie Psychologiestudent werden möchten, müssen Sie zwei Klausuren und eine Vordiplomsprüfung in Persönlichkeitspsychologie ablegen. Denken Sie darüber nach.“
Ich dachte.
Das Lehrbuch würde ich ohnehin lesen müssen — sowohl für die Hausaufgaben-, als auch für die Zusammenfassungsalternative. Das Lehrbuch umfasst ca. 500 Seiten. Zwei- bis dreiseitige Ausarbeitungen zu insgesamt neun Kapiteln ergeben 18 bis 27 Stück Papier. Sooo viel mehr kann eine Zusammenfassung des Ganzen auch nicht umfassen.
Ich sagte ihm, dass ich die Zusammenfassung anfertigen würde.
„Prima.“, entgegnete er, „nun, dann sollten wir einen Termin ausmachen, bis wann Sie die Zusammenfassung abzugeben haben.“ — „Wie wärs mit ‘irgendwann in den Ferien’?“ — „Ach, das ist viel zu vage. Sie brauchen einen konkreten Termin, auf den Sie zuarbeiten können. Wie klingt der erste März?“ — „Ja, ist in Ordnung.“ — „Gut, dann schicken Sie mir noch bitte eine E-Mail, in der Sie das noch einmal bestätigen — damit es sicher ist.“

Ich verschickte einige Tage darauf besagte E-Mail und erhielt als Antwort ein erneutes ‘Prima.’ sowie ein ‘Ich wünsche Ihnen guten Erfolg bei ihrem ehrgeizigen Ziel’. Ich mag Menschen, die ‘prima’ sagen :)

Eine Woche vor der Klausur, Mitte Januar, habe ich ernsthaft mit den Arbeiten angefangen¹ und pausierte dann wieder bis Semesterende aufgrund der ganzen anderen (Coxi-)Klausuren. „Semesterende“ heißt „Anfang Februar“, womit ein knapper Monat an Zeit verblieb. Ich erstellte mir einen Zeitplan, den ich aber immer wieder verfehlt habe, und bastelte mir dann in Excel — um einen Überblick zu gewinnen — einen dynamischen Zeitplan: Durch Eingabe des Abgabetermins, die Seitenanzahl des Buches und die aktuelle Seite erstellte das nette Programm einen kleinen Zeitplan für die verbleibenden Tage. Ich konnte dann jeden Tag die aktuelle Seite neu eintragen, meistens registrieren, dass ich das Tagesziel nicht erreicht hatte, und dann den Plan neu erstellen lassen.
30 Seiten pro Tag lesen und zusammenfassen erschien mir nicht viel, ist aber viel. Ich habe an sehr guten Tagen vielleicht 30 Seiten geschafft, das war aber keine Sache, die ich über mehrere Tage hinweg leisten kann. Trotzdem verlangte die Anzeige in meinem dynamischen Zeitplan irgendwann nach dieser Leistung.
Ich schrieb also nach einem langen Tag am 28. Februar Professor Kuhl um 7 Uhr morgens eine Mail mit bitte um Aufschub und beendete diese mit:
„Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden und gewähren mir diesen Aufschub.
Gute Nacht!
Tobias Grage“

Ja, mein Tagesrhythmus war so eine Sache… Ich saß oft Stunden vor dem aufgeschlagenem Buch und zwang mich es zusammenzufassen. MIt dieser Haltung schaffte ich an einem Abend zwei Seiten. Ich war sehr unkonzentriert und ließ mich andauernd ablenken (ohne dass ich an der Ablenkung Freude gehabt hätte). Tief in der Nacht dann (vielleicht gegen halb fünf rum) schrie mein Arbeitswille laut um sich und trieb mich an. Ich war nicht müde, sondern sprudelte nur so vor Energie. Ich bekam Lust auf das Buch, wurde sehr motiviert und hatte sogar Spaß beim Zusammenfassen.
Nach vielen munteren Minuten Arbeit dachte ich ans Bett. Eigentlich wollte ich schlafen gehen, aber ich dachte mir, dass es recht hirnrissig wäre, wenn ich den ganzen Tag zu nichts komme und erst in der Nacht motiviert bin, diese Motivation dann im Keim zu ersticken.
Fortan war mir die Zeit egal. Ich driftete immer ein paar Stündchen weiter nach hinten, weil ich komischerweise sehr oft erst wenige Stunden vor dem Zeitpunkt, an dem ich am Vortag zu Bett ging, wirklich Lust bekam. Michael fragte mich nach der ganzen Zusammenfassungsaktion, ob es einen Tageszeitpunkt geben würde, an dem ich während dieser Zeit nicht zu Bett ging. Ich dachte kurz nach, fing an zu Lachen und musste die Frage verneinen: ich habe quasi einen kompletten Überschlag geschafft.

Aber zurück zum Aufschub: Professor Kuhl sagte mir, dass eine geringfügige Überschreitung vom neuen Termin — dem 07. März — keiner großartigen Diskussion bedarf. Am 15. März dann hatte ich erst sieben von neun Kapiteln zusammengefasst. An diesem Tag schrieb ich um halb sieben eine weitere E-Mail an Kuhl, denn ich würde um 6:53 Uhr am selben Tag den Zug besteigen, der die achttägige Reise ins Vereinigte Königreich einläuten würde. Ich erklärte diesen Umstand und sagte fest zu die Zusammenfassung nach der Reise schnellstmöglich fertigzustellen.
Ich erhielt augenblicklich eine Antwort. Auto-Responder. „Abroad until April 1st — in URGENT CASES please contact [...]„
Ich grinste breit und fuhr quasi sorgenfrei nach Großbritannien.

Am 02. April war ich dann tatsächlich fertig. Die Tage zuvor verbrachte ich im Keller. Nur das Buch, mein Notebook und ich. Kein Internet, kein Telefon, keine Ablenkung, alles fein — ich war hochproduktiv.
Die „Fertig!“-Mail ging um halb elf raus. Ich duschte mich — auch wenn ich die Nacht durchgearbeitet hatte, musste ich um 12 Uhr an diesem Tag zur Arbeit. Nach dem Duschen sah ich, dass bereits eine Antwort eingetrudelt ist.
Ich erhielt ein sehr riesiges und buntes Lob :)
…ich glaube, ich hab den ganzen Tag über dümmlich gegrinst.

Während des Sommersemesters ‘08 hab ich immer mal wieder das gute Stück korrekturgelesen und in den letzten Tagen Fehler ausgemerzt und Sachen ergänzt (sowie total supertolle Kapitelbilder gemalt!).
Jetzt ist es quasi erst richtig fertig und wird veröffentlicht.
Hier der Link (der natürlich auch — wie schon gesagt — auf der ‘links und downloads!’-Seite zu finden ist).

Trivia!

  • Die Zusammenfassung wurde größer als gedacht. Etwas knapp über 27 Stück Papier konnte ich mir ziemlich sehr schnell aus dem Kopf schlagen. Es sind jetzt im Endeffekt 118 Stück virtuelles Papier mit insgesamt 45.494 Wörtern drauf.
  • Während des Zusammenfassens hörte ich gerne Musik. Auf der Suche nach möglichst ruhiger Musik stieß ich ziemlich schnell auf das Internetradio des niederländischen „Concertzenders„. Der Themenkanal „De Gehoorde Stilte“ war für mich wie geschaffen und lief stets im Hintergrund. Auch heute höre ich ihn noch beim Lernen.
  • Der größte Fehler schlich sich in das vierte Kapitel ein. Kuhl verwendet die Konstrukte Handlungs- und Lageorientierung und nutzt im Text dafür die Abkürzungen „HOM“, „HOP“, sowie „LOM“ und „LOP“. Ich dachte, dass das „M“ und das „P“ für „Mensch“ bzw. „Person“ stünde; also: „Handlungsorientierter Mensch“ — „HOM“ und „Handlungsorientierte Person“ — „HOP“.
    Das ist leider vollkommener Blödsinn :)
    (Tatsächlich werden zwei verschiedene Arten der Handlungs- bzw. Lageorientierung unterschieden. Einmal die prospektive und die nach einem Misserfolg.)

________________________________

¹   Die Klausur verlief übrigens mies. Ich war ziemlich sehr aufgeregt und hatte einen Blackout. Kurz vor Abgabe lösten die magischen Worte „Sie haben noch fünf Minuten.“ das Problem. Auf einmal wusste ich wieder die Antwort auf viele Fragen. Das nützte mir nicht mehr allzu viel — ich erhielt eine vier ((Die zweite Klausur, die sich auch um das Buch drehte und ich mitschrieb als die Zusammenfassung bereits fertig war, habe ich dann mit 1 bestanden :] )).

18
Jun
08

Das dritte Semester — Ich vs. CoXi

WS 2007/08.
Mein drittes Semester Cognitive Science
…und mein letztes!

Das dritte Semester begann mit meiner Aufgabe als Erstsemestertutor. Ich hab mich mit fünfzehn anderen Menschen zusammengetan; wir hatten dann so einige Treffen in den Ferien und jagten unzählige Emails über die Mailingliste, um schließlich in der Einführungswoche vielen euphorischen Menschen wichtige Dinge zum Studienablauf vermitteln zu dürfen.
Im Grunde war alles so, wie vor einem Jahr: es gab unter den Erstis diejenigen Leute, die ja eigentlich Psychologie machen wollten, aber der NC ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht hatte; dann gab es die Leute, die Mathe und Info voll super finden, aber befürchteten, dass ihnen dies auf Dauer zu eintönig wird; und auch jene Leute, die für den Traum ein CoXi zu sein aus nem Kaff neben Nürnberg nach Osnabrück gerannt kommen.
(Eine Spezies war neu: zwei Erstsemester erzählten mir, dass sie sich eigentlich in einen ganz anderen Studiengang einschreiben wollten, aber befürchteten, dass es sich dabei um eine „brotlose Kunst“ handle. Daher sind sie auf den fahrenden, boomenden und sowieso endgeilen CoXizug aufgesprungen — dies ziemlich-sehr fragwürdige Verhalten kannte ich aus meinem Jahrgang nicht.)

Nach der Einführungswoche fingen dann die Vorlesungen an. Und diesmal gab es nur eine Pflichtvorlesung — große Freude!
Neben CoXi-Vorlesungen besuchte ich in diesem Semester auch sieben andere Veranstaltungen. Die Spanne reichte von katholischer Theologie über Psychologie bishin zu theoretischer Physik. Letzteres fiel aber ziemlich sehr schnell wieder aus dem Stundenplan raus. Ich kann nicht genau festmachen, ob ich einfach nicht jeden Mittwoch um 7 Uhr hätte aufstehen wollen, oder ob ich davon abgeschreckt worden bin, dass gleich in der ersten Vorlesung mehrmals nach Taylor entwickelt worden ist (ein Mathestudent aus meinem Freundeskreis regt sich gerne gehäuft darüber auf, dass Physiker bei jedem Problem nach Taylor entwickeln. Egal welches Problem! Ob sie nun versuchen eine mehrdimensionale Wellengleichung näherungsweise herzuleiten oder die Ampel gerade unverhofft auf rot gesprungen ist — erstmal Taylor!)
So besuchte ich durchgehend ‘nur’ fünf nicht-CoXi Vorlesungen.

Richten wir den Scheinwerfer der Erzählung jedoch zunächst wieder auf CoXi:
mir wohnte eine große Motivation und Vorfreude inne. Das lag etwas an der Euphorie der Erstis, von der ich mich anstecken ließ; beruhte aber im Wesentlichen auf der neuen Perspektive: die meisten Veranstaltungen fingen endlich nicht mehr mit „Introduction to“ an — kein Grundlagenkram mehr! Wir hatten uns nun eine ordentliche Wissensbasis erarbeitet, die es uns ermöglichen würde differenzierte Themen der Kognitionswissenschaft zu behandeln.
Ich war sehr gespannt.

Doch ich wurde enttäuscht. Die erste Enttäuschung kam ziemlich früh: eine CoXi Vorlesung im Bereich der kognitiven Psychologie fiel aus. Warum? Es wollten nur fünf Leute daran teilnehmen (mich eingeschlossen). Nur zwei davon (wieder mich eingeschlossen) erklärten sich auf Anfrage der Sekretärin des Dozenten bereit auch zur ersten Sitzung zu erscheinen…
Die zweite Enttäuschung war Neuroinformatik. Ich mochte den Dozenten nicht, was die meisten anderen gar nicht nachvollziehen konnten. Irgendwann ging ich kaum noch zur Vorlesung, obwohl es sich um eine Pflichtvorlesung handelte. Zugegeben ist das kein besonders guter Grund eine Vorlesung mit eigentlich interessanter Thematik nicht zu besuchen — wayne (sowieso wurde vieles in diesem Semester ‘wayne’…).

Die meisten Vorlesungen/Seminare entwickelten mit der Zeit die Tendenz altbekanntes zu wiederholen und bestenfalls leicht zu vertiefen oder die Tendenz intuitives Wissen in Worthülsen zu stopfen oder aber die Tendenz sich in einseitige detailbessesene Modelle und Theorien zu verstricken.
Methods of AI schaffte es alle drei Tendenzen zu entwickeln: das aus dem zweitem Semester bereits bekannte Thema ‘Search’ wurde wiederholt, intuitives Wissen zur Beweisführung wurde in Begriffe („Beispiel“, „Gegenbeispiel“, „Induktion“…) verpackt und mit den Cognitive Architectures wurden einige unhandliche Modelle vorgestellt, die ich nicht als besonders sinnvoll empfand.

Parallel zu diesen Frustmomenten redete ich mit zwei Freunden gehäuft über ihre Zukunft. Der eine wollte Studiengang und -ort wechseln und der andere überhaupt erst anfangen zu studieren. Mit der Zeit stellte ich mir dann selbst die Frage nach meiner Zukunft. Ich fragte mich, was ich von CoXi erwarte und was ich nach dem Studium damit anfangen will.
Wenn man einen CoXi nach der Zeit nach CoXi fragt, erhält man meist die Antwort: „CoXi hat acht Module. Du kannst in jedem Modul theoretisch deinen Master machen — das ist ja das geile an CoXi!“

Welche Module kämen für mich in Frage? Anfang des Semesters hätte ich „Neurobiologie, Psychologie und Linguistik“ geantwortet. Doch mittlerweile mochte ich Linguistik nicht mehr. So toll die Computerlinguistik-VL im zweiten Semester auch gewesen ist, zeigten mir doch die beiden Veranstaltungen im dritten Semester etwas, was ich nicht „mein Berufsziel“ nennen kann.
Und Neurobiologie? Ich zweifle extrem stark an, dass sich ein CoXi Bachelor so mir, nichts dir nichts für einen (Neuro-)biologie Master einschreiben darf. Das Angebot an (offiziellen) (Neuro-)bio VL ist dafür viel zu dürftig.
Bleibt noch die Psychologie. Aber da siehts mit dem Angebot ebenso dürftig aus. Der Unterbereich ist eigentlich auch nur mit „Kognitionspsychologie“ betitelt und macht daher bestenfalls 1/4 des gesamten Psychologiespektrums aus.

Schlussfolgerung: ich werde mich einfach in Psychologie und/oder Neurobiologie beraten lassen müssen und mir meine Möglichkeiten aufzeigen lassen. Alles andere würde ich dann irgendwann vor dem Bachelorabschluss entschieden haben.
Ich wollte mich fürs Erste nur in Psychologie beraten lassen, weil sie für mich wesentlich reizvoller ist, als die Neurobiologie/Neurowissenschaft.

Neues Problem: an wen wende ich mich? An CoXi-Professoren, die keine Ahnung von Masterstudiengängen in anderen Fachbereichen haben oder an Psychologie-Professoren, die keine Ahnung von CoXi haben?
Ich entschied, dass es das beste sei diese an-wen-wende-ich-mich-Frage dem Studiendekan in CoXi, Prof. Stephan, zu stellen. Der sagte, ich müsse mich an die Studienberatung der Psychologie wenden, sei sich aber nicht sicher, ob ein Psycho-Master mit CoXi-Bachelor überhaupt möglich sei…
Ich ging zum Studienberater der Psychologiestudenten, Prof. Suck mit Namen.
Er sagte mir, dass ein Wechsel möglich sei, aber nicht besonders wahrscheinlich. Es wird, wenn das Bachelor/Master System nächstes Semester in Osnabrück eingeführt wird, 30% Masterplätze in Relation zu Bachelorplätzen geben. Ich müsste demnach erstens sehr gute Noten haben und zweitens einen Antrag an den Prüfungsausschuss stellen, die meinen Bachelor in CoXi als Ersatz für den Bachelor in Psycho anerkennen würden.
Vorsichtig zeigte Prof. Suck mir die Möglichkeit eines Studienwechsels zum nächsten Semester hin auf, die ich spontan mit „etwas radikal“ kommentierte.
Er sagte mir, dass ein Wechsel in ein höheres Semester viel einfacher und wahrscheinlicher sei, als mein eigentliches Vorhaben. Das funktioniert dann so:
Die Uni bietet eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen im NC-Studiengang Psychologie an. Diese Plätze werden natürlich zum ersten Semester hin von der ZVS gefüllt. Sobald jemand das Studium dann abbricht oder den Studienplatz wechselt, sind quasi freie Plätze vorhanden. Wenn man durch wildes Wedeln mit Scheinen zeigen kann, dass man in etwa die Qualifikation eines höhersemstrigen Psychologiestudenten besitzt, darf man quereinsteigen.

Professor Suck sprach noch hier und da einige wichtige Punkte an; ich bedankte mich abschließend artig und verließ sein Büro mit dieser kleinen Idee, die langsam in meinem Kopf aufkeimte und Wurzeln schlug:
direkt nach der Beratung schätzte ich die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Antrag auf Studienwechsel stellen würde, mit 50% ein. Einige Tage später waren es 70%. Acht Tage nach der Beratung stellte ich den Antrag.

Ich wollte meinen CoXi-Freunden nichts von der Beratung erzählen, bis ich mir meiner Sache sicher genug war, da ich ahnte sie würden diese Idee nicht gutheißen.
Ich ersonn das Weihnachtsfrühstück am letzten Tag vor den Weihnachtsferien als DEN Termin, um mich zu outen. Meine Antragsstellung lag zu dem Zeitpunkt bereits gut eine Woche zurück.

Ich erhielt in der Tat sehr komische Reaktionen. Einige sprachen davon, dass ich nicht einfach „weggehen könnte“ oder, dass ich mich falsch entschieden hätte oder, dass dies nicht mein Ernst sein könne.
Eine einzige Person sagte, dass sie sich für mich freuen würde, da es das sei, was ich schon immer gewollt hätte.
Am Tag danach beschwerte sich noch eine andere Person vom Frühstück darüber, dass ich ihr das Weihnachtsfest durch diese grausige Vorstellung ruiniert hätte. Sie war ernsthaft angepisst und ich ernsthaft erstaunt.

Es waren aber längst nicht alle so extrem. Viele haben gar nicht erst angefangen darin ein großes Problem zu sehen. Und die meisten, die doch eins gesehen haben, haben sich zumindest damit abgefunden.

Das Semester kam bald zu seinem Ende. Klausuren wurden geschrieben (oder auch nicht geschrieben — hab mich am Morgen vor einer Klausur dazu entschieden, sie nicht mitzuschreiben, weil ich davon überzeugt war, ich würde nicht bestehen können — ich hatte in der Nacht zuvor nur die Hälfte des Lehrstoffes wiederholen können; hätte doch zwei Nächte dafür einplanen sollen..).
Die Ferien fingen an. Schluss.

Meine Lieblingsvorlesungen in dem Semester lauteten „Motivation & Persönlichkeit“ und „Neutestamentliche Eschatologie“. Da bin ich einfach immer wieder gerne hingegangen. M&P war zudem eine Psychologievorlesung; die Aussicht auf einen Studienplatz hat meine Freude an der Vorlesung, die ohnehin schon groß war, weiter verstärkt.

Die schlimmsten Vorlesungen waren Statistical Natural Language Processing und Action & Cognition. Auch wenn das für A&C nur bedingt zutrifft: Action & Cognition umfasste sehr interessante Themengebiete — aber eben nicht nur. Einige Inhalte der VL waren bereits aus anderen VL bekannt, waren falsch oder stellten sich im Nachhinein sogar durch die VL selbst als falsch bzw. inkonsistent heraus. Das Ganze wurde von einem Professor begleitet, den ich sehr merkwürdig finde. Und das liegt nicht nur an seiner Art zu sprechen („Se nnürohn in se senter of sihs sörkl…“ — „The neuron in the center of this circle…“).
Ich kann nicht genau festmachen, woran es liegt…
Tatsache ist, dass er es liebt die Schriftart ‘Comic Sans MS’ zu benutzen — kein gutes Zeichen.

Und was wurde aus dem Wechsel?
Für mich stand fest: wenn aus dem Wechsel nichts wird, werde ich es wieder und wieder versuchen. Ich hab mich richtig auf den Gedanken an ein Psychologiestudium fixiert/verstrickt/festgenagelt. Ich versuchte schon vor dem CoXi Studium Psychologie zu studieren (so war ich auch im ersten Semester für meine Einführungswochentutoren in eine bereits bekannte Kategorie einsortierbar); die ganzen Gedanken rund um den Wechsel haben mich wieder an diesen — ich traue mich kaum das Wort zu benutzen — Traum erinnert und ihn lebendig werden lassen.
Vielleicht habe ich diesen Traum während der vergangenen Semester unabsichtlich ausgeblendet; vielleicht erschien mir aber tatsächlich CoXi ein ebenbürtiger Ersatz zu sein — keine Ahnung.
Auf jeden Fall ist mein Traum wieder erwacht und stärker als je zuvor.

Damit kann man die Beziehung zwischen CoXi und mir als gescheitert ansehen.
Ich hab mich in vielen Gedankengängen wiedergefunden, die sich damit befassten, warum CoXi eigentlich so scheiße ist. Einige drehten sich um die kränkliche Methodik, andere um den übertrieben starken Fokus auf das symbolische Bewusstsein und wieder andere um die Besessenheit von der Idee eine Internationalitätsattitüde durch Englisch als Vortragssprache wecken zu müssen.
Ich hab mich mit keinem Gedankengang lang genug befasst, als das ich jetzt hier darüber berichten kann/möchte — aber soviel sei gesagt: CoXi darf wegen mir gerne weiterexistieren, so scheiße ist es gar nicht :)

Ich persönlich sehe mittlerweile in dem Studiengang (bzw. in den ersten drei Semestern) einen schönen Einblick in acht wissenschaftliche Disziplinen. Ich hatte quasi mit CoXi eine umfangreiche Orientierungsphase.
Vielen Dank dafür.
Ich bezweifle nur, ob die letzten drei Semester mehr vollbringen können, als einen umfangreichen und oberflächlichen Einblick in jene acht Disziplinen zu vermitteln.

Zurück zu meinem angestrebten Wechsel:
Mein Antrag ist bewilligt worden!
Derzeit bin ich ein glücklich hüpfender Psychologiestudent im zweiten Semester.
Der wichtige Brief kam eine Woche vor Vorlesungsbeginn. Ich wusste bereits an der Dicke des A5 Briefkuverts, dass es einfach geklappt haben muss.

In der ersten Vorlesungswoche ging ich dann zum Studierendensekretariat und machte den Wechsel offiziell. Als ich ankam, sagte ein dicker Mann zu einem Mädchen am Schalter: „Glückwunsch, sie sind die letzte, die wir für das Diplom in Psychologie zugelassen haben.“
Ich habe am Tresen neben dem Mädchen einer Dame mein Anliegen vorgebracht. Sie schritt dann zu einer Kollegin und verkündete, dass „der andere jetzt auch da sei“. Genau das drang dem gratulierenden Dicken ins Ohr. Er wandte sich zu mir um, suchte meinen Blick und sagte erfreut: „Ah, toll! Und sie sind der Vorletzte!“
Er fing an zu lachen und ich begann zu strahlen — ich habe es geschafft. Ich bin da. Alles wird gut.
Danke.

Die Kollegin bereitete wenig später meinen neuen Ausweis vor und fragte mich: „Wollen Sie Ihren alten Studiengang parallel weiterstudieren?“
„Mh.. nein.“, sagte ich.
„Sie wollen Cognitive Science aufgeben?“
Das klang dann doch etwas hart. Ich dachte sehr kurz darüber nach und sagte schließlich sicher und bestimmt:
„Ja, ich will es aufgeben.“