Archiv der Kategorie 'Über mich'

10
Mai
09

unscheinbare Entscheidungen

Als ich heute meine Wohnung aufräumte und mich im größeren Kontext vorbereitete zurück nach Ibbenbüren zu fahren (zu meiner Familie), hat mich Lena per Chat angeschrieben. Sie säße gerade in einem unspannenden Blockseminar und überlege, was sie heute stattdessen klügeres hätte machen können. Ich plauderte ein wenig mit ihr und fragte sie irgendwann — da es doch so schier unaushaltbar in diesem Wochenendseminar zu sein schien — ob ich ihr nicht ein Stückchen Kuchen vorbeibringen solle.
„Ja, wir haben gleich Pause und sind in Gebäude 41, Raum 218.“

Ich habe es nicht ernst gemeint, doch meine Tendenz „etwas Unerwartetes tun“ meldete sich — so schwang ich mich spontan auf mein Rädchen, kaufte für sie und für Corinna (die auch im Seminar saß, wie Lena berichtete) ein Stückchen Kuchen beim Bäcker und fuhr zu Gebäude 41.
Auf dem Weg dorthin dachte ich darüber nach, dass ich eigentlich „was tun“ wollte, diese Tätigkeit keinen großen Sinn hat und trotzdem supercool ist. Ich dachte aber auch — wie in den letzten Tagen häufiger — daran, dass jede Entscheidung — und sei sie noch so subjektiv unbedeutend — weitreichende und unerwartete Konsequenzen haben kann.

In diesem Fall gab es zwar keine besonders weitreichende, aber dennoch eine unerwartete Konsequenz (zumindest so wie bislang ersichtlich). Aber bevor ich dazu komme, sei kurz erwähnt, dass Lena ein sehr liebenswert-blödes Gesicht gemacht hat und herzlich zu Lachen anfing, als ich mit einem Bäckerei-Kuchen-Verpackungs-Ding auf sie wartete.
In dem Gespräch, während dem von Lena und Katha Erdbeerrhabarberkuchen verzehrt worden ist (Corinna konnte nicht, sie musste sich auf ihr Referat .. vorbereiten), fiel folgender Satz:
„Ach, du fährst also nach Hause? Wegen Muttertag, was?“
Ich hab den Muttertag vergessen.
Oder ich hätte ihn wohl vergessen, wäre ich nicht nochmal darauf aufmerksam gemacht worden.

Richtig: „nochmal“. Ich wurde aber auch so immens stark zugemüllt mit „Bald ist Muttertag“-Werbeaktionen im Briefkasten, im E-Mail-Postfach, im Supermarkt — da schotte ich dann wohl ab :)

Jetzt bin ich also zu Hause, habe mir ein Rezept geschnappt und werde gleich, wenn hier alles schläft, einen tollen tollen Kuchen backen. Nachts. Yay!
Durch diese Begebenheit hat meine Mutti morgen eine hoffentlich tolle Muttertagsüberraschung und ich habe einen 1-A-Aufhänger fürs eigentliche Thema: jene kleinen unscheinbaren Entscheidungen.

Mir macht es zuweilen Spaß über diese Entscheidungen nachzudenken, die im Nachhinein mein Leben sehr stark verändert haben, wovon ich aber zum Zeitpunkt der Entscheidung nichts ahnte.

Da wäre zum Beispiel die Entscheidung „Wir müssen für die LAN-Party eben noch Knabberkram kaufen. Wollen wir zum Extra fahren oder lieber zu Marktkauf?“
Mir war es egal. „Dann Marktkauf! Schließlich habe ich jetzt einen Führerschein — wir können auch mal etwas weiter wegfahren“.
Was folgte war ein Autounfall.
Natürlich möchte ich nicht behaupten, dass der Unfall passiert ist, weil ich „Mh.. mir egal“ gesagt habe, aber hätte ich damals auf den Extra-Supermarkt bestanden, wären wir nicht in den landwirtschaftlichen Schleichweg eingebogen, sondern über die Hauptstraße gefahren (vielleicht wäre es dennoch passiert, klar).
Ohne den Autounfall wäre mein Leben jetzt auf vielen Ebenen ganz anders. Allein durch die Erinnerung oder besser das Erleben dieser Situation habe ich mich verändert — soweit so gut.
Eine Konsequenz, die aber besonders weitreichend für mich ist, ist die daraus resultierende Untauglichkeit bei der Musterung.
Hätte ich meinen Zivildienst machen müssen, hätte ich nicht bereits im Wintersemester 2006/07 anfangen können zu studieren — ich hätte einen ganz anderen Freundeskreis als ich ihn jetzt habe.
Das kann man sicherlich auch noch weiter stricken: der Zivildienst hätte mich in irgendeiner Form verändert, ich hätte nicht soviel im Krankenhaus über das Leben nachgedacht, ich hätte ohne den Unfall zu einem Kurstreffen gehen können, auf das ich mich schon gefreut hatte.
Was davon wirklich herausragend wichtig gewesen wäre, lässt sich nicht sagen. Und ich kann auch nicht wissen, was konkret ohne den Unfall passiert wäre, weshalb dieser Gedankengang nicht besonders ertragreich erscheint.

Dennoch fasziniert es mich, auf diese Art und Weise auf meinen bisherigen Lebensweg zu schauen.

Ein anderes Beispiel für eine unscheinbare und weitreichende Entscheidung ist meine Teilnahme am Symposium TurmderSinne 2007; oder mich an meinem ersten Schultag neben meine beste Freundin zu setzen, obwohl es mir ihr Cousin, der auch in meiner Klasse war, verboten hat; oder aber die Wahl meines Gymnasiums:
Meine Eltern sind mit mir an den beiden Gymnasien in Ibbenbüren vorbeigefahren. „Weißt du schon, auf welches du gehen willst, Tobias?“ fragte meine Mutter. „Ich mag auf das hier“, antwortete ich während ich auf das Kepler zeigte, „das Gebäude ist treppenförmig, außerdem gibts hier Bäume und Rasen.“
Das andere Gymnasium war direkt am Bahnhof, ein quaderförmiger Betonklotz, alles ringsrum gepflastert, reichlich trist.

Und man kann diese kleinen Fleckchen meiner Biografie sogar in (eine wirre) Beziehung setzen:
Dass ich mich trotz Verbot an meinem ersten Schultag neben die Cousine des späteren „Anführer-Kindes“ gesetzt hab, hat mir bei ihm kräftig Minuspunkte eingeheimst. Dann hatte ich zu der großen in der Klasse vorherrschenden Streitfrage „BVB 09 oder Bayern München“ nichts besseres beizutragen als „BVB? Was ist denn das? — Ach, Fußball?! Keine Ahnung — mag ich nicht.“, was der ganzen Sympathiesache bei dem Großteil der Jungs wohl den Rest gegeben hat.
Ich musste teilweise deswegen bei der Gymnasiumswahl nicht darauf achten, wo meine Freunde hingehen würden — ich hatte nur einen richtig guten Freund und der ging auf die Realschule. Die Klassenkameraden, die auf ein Gymnasium gehen wollten und durften, gingen geschlossen auf das triste Klotzgymnasium. Selbst der eine, der eigentlich auf das treppenförmige Kepler mit Grün gehen wollte, entschied sich anscheinend aufgrunddessen doch für den Klotz.
Die Gymasiumswahl trug teilweise zu meiner Bekanntschaft mit dem Fahrer bei, der uns Jahre später vor einen Baum setzen würde, wodurch ich im WS2006/07 anfangen konnte zu studieren, wodurch ich die Leute kennenlernte, die mir unter anderem vom Symposium erzählten und mich überredeten mitzukommen.

(Diese kleine Kette beantwortet die Frage, wie der Großteil meines Freundeskreises entstanden ist — nicht gerade stark verwunderlich, flog mir aber durch den Kopf)
Ich könnte einige weitere Beispiele und Ketten generieren: Hätte ich mit der in der 11. Klasse aufkommenden Idee Psychologie zu studieren, meine Leistung in der Schule so verbessert [und verbessern können], dass ich den NC mit Sicherheit packen würde, wäre ich nicht in das Berufswegsberatungsding gegangen, wo mir zum ersten Mal der Begriff  „Cognitive Science“ über den Weg lief. Wie kam ich zu der Psychologie-Idee? Teilweise durch eine Freundin, die ich durch zwei weitreichender-als-gedacht Entscheidungen kennengelernt habe, usw., usf.).

Es ist häufig so, dass (größere) Entscheidungen weitreichendere Konsequenzen haben (für einen selbst und für andere persönlich relevante Menschen), als man beim Entscheiden ahnt.
Bei jeder Entscheidung tut sich ein Scheideweg auf, quasi eine Aufspaltung in mindestens zwei mögliche Welten, die mehr oder weniger stark voneinander abweichen können.
Eine dieser Welten wird dann Realität.
Hinzu kommt, dass sich alle Menschen andauernd entscheiden — ein unüberschaubarer Haufen möglicher Welten. Dabei sind das nur die wenigen Entscheidungen, die ich explizit festmachen kann — noch unüberschaubarer. Und wenn man bedenkt, dass bereits „einen Schritt nach links machen“/“nach rechts machen“/“still stehen“ (oder „atmen“/“nicht atmen“) verschiedene Entscheidungen (im weiterem Sinne) sind, wird es wirklich unspannend-unüberschaubar.

Aber zurück zu dem für mich spannenden Aspekt — zurück zu größeren und weitreichender-als-geahnt Entscheidungen:
Ich find das toll und aufregend — es macht mich neugierig (retrospektiv und prospektiv) — ich würde gerne wissen, wie einige spezielle Alternativwelten konkret aussehen würden (ich muss gerade an Dickens’ „A Christmas Carol“ denken — wie wäre es mit einem „Geist der Alternativwelt ω17-Abschnitt DXIV“?).
Es zeigt aber auch, wie sensibel das ganze Gefüge des eigenen Lebensweges, der eigenen Person ist.
Wenn man sich wünscht anders sein zu können, eine einzelne (oder mehrere einzelne) Variablen der eigenen Persönlichkeit (oder auch an einer anderen Person, einer Situation) verändern zu können, schenkt man den indirekten Auswirkungen (i.U. zu den gewünschten direkten Auswirkungen) keine Beachtung.
Es gibt diese unglaublich skurille Frage in dem Kontextfragebogen eines größeren psychologischen Tests: „Wenn Sie sich Persönlichkeitseigenschaften im Supermarkt kaufen könnten, Ihr Geld aber nur für drei reicht, was packen Sie in Ihren Einkaufswagen?“.
Aber auch das mag ich nicht durch und durch verteufeln — für mich hat jeder eine Vorstellung von und ein Bestreben nach bestimmten Aspekten, die er gerne in seiner Person enthalten sehen würde; und wenn ich es weiter runterbreche, spielt auch Lernen in diese Richtung (z.B. aus Fehlern lernen — wenn man etwas überhaupt als Fehler ansieht, hat man eine Vorstellung von mindestens einem nicht fehlerhaftem Zustand und möchte sein zukünftiges Verhalten wohlmöglich dahingehend verändern).

Aber ich werde mich hier (zumindest jetzt) nicht weiter mit diesem Aspekt auseinandersetzen,
ich geh Kuchen backen — mal sehen, was daraus folgt.

Sowieso ist das Muttertagsding ein sehr schöner Rahmen für diesen Eintrag — wir sind die weitreichende und bestimmt an vielen Stellen auch unerwartete Konsequenz einer Entscheidung unserer Eltern (wobei unsere Eltern in keinster Weise ahnen konnten, was diese sehr große Entscheidung für Auswirkungen haben würde).
Drückt eure Mütter ganz kräftig (und eure Väter gleich mit) :)

16
Mär
09

MONA!

Wenn man die ganze Nacht allein mit seinem Sozialpsychologielehrbuch verbracht hat (so wie ich heute bzw. gestern) und die Nacht schließlich in den Morgen mündet (so wie gerade passiert) ist der erste (unverhoffte) „Kontakt“ mit anderen Menschen nach Stunden … komisch.
Mit denjenigen „anderen Menschen“ also, die brav schlafen waren und wieder wach sind; im Gegensatz zu mir, der immernoch wach ist.

Eins vorweg:
Ich stehe — einen Moment, kurz rechnen, jetzt ist offiziell Montag — acht Tage vor meiner Vordiplomsprüfung in Sozialpsychologie. Das bedeutet noch lange nicht, dass ich tatächlich vor lauter Stress und Hektik vergesse zu schlafen oder — noch schlimmer — die Vorstellung gewinne, ich dürfe mir Schlaf nicht erlauben (was neben einer reichlich dummen gleichzeitig auch eine schwer aufrechterhaltbare Einstellung ist).
Es ist viel eher so, dass das Phänomen aus dem Kuhl-Eintrag immernoch auftritt — zwar seltener, aber immernoch:
Ich hock gefühlte Ewigkeiten vor meinem Häufchen Arbeit und finde keine Lust oder Motivation in mir damit anzufangen/weiterzumachen, lenke mich ab und bin deswegen sauer auf mich.
Ab und zu passiert es (mit schrumpfender Distanz zum Prüfungs-/Abgabetermin immer häufiger), dass ich doch meinen Willen in die Tat umsetze. Ist dies der Fall, passiert es dann aber auch gerne mal, dass ich stur nicht einsehe, warum ich mit dem Umsetzen aufhören sollte, nur weil es plötzlich Nacht ist — solange ich nicht müde bin und das in-die-Tat-Umsetzen nicht nachlässt, weigere ich mich schlicht (ich frag mich gerade, ob mein Melatoninhaushalt im Eimer ist).

Jetzt zu Mona:
Ich lag auf meinem Bett und las wirklich interessantes sozialpsychologisches Zeugs, was ich in (jetzt) acht Tagen möglichst gut wiedergeben und miteinander-verknüpfen können will.
So gegen acht Uhr klang ein entfernter Ruf durch die offenen Fenster:
„Mona, komm!“
Nachdem ich die plötzlich in meinem Kopf aufschießende Frage „Wer is Mona?“ erfolgreich unterdrückt hatte, las ich weiter.
Es gab ein schrilles Pfiffgeräusch. „MONA!“ klang es nun entschieden lauter.
Eine ganze Zeit lang wechselten sich Pfiffgeräusche und „MONA! KOMM!“-Rufe ab, was meinem Bemühen, dem ganzen keine Aufmerksamkeit zu schenken, nicht sonderlich geholfen hat.
Als der Brüllende zum wütenden Schreien übergewechselt ist, ging ich zum Fenster.
Ein Mann im Anorak starkte sichtlich erzürnt über das brachliegende Feld, was ich von meinem Fenster aus beschauen kann, auf einen kleinen undefinierbaren Haufen zu.
Ich hielt es spontan für einen Misthaufen, fragte mich, wessen Mist das sein soll und entschied mich dafür, dass es sich eigentlich um einen Rest-Heu-Haufen handelt, den niemand abholen wollte, als das Heu frisch war.
Der Mann brüllte inzwischen den Heuhaufen an.
Ein Hund kam aus dem Haufen gesprungen und schmiegte sich ans Bein des Mannes.
„MONA! JETZT KOMM!“, brüllte er den Haufen weiter an.
„Das versteh ich nicht“, dachte ich.
Er machte einen weiteren Schritt auf den Haufen zu, guckte ihn bestimmt arg bedrohlich an (die ganze Szenerie spielte sich geschätzte 200-300 Meter von mir entfernt ab) und sorgte so irgendwie dafür, dass ein zweiter Hund — Mona — dem Haufen entfleuchte.
Ich schaute noch etwas zu, wie der Mensch sehr bemüht den Acker verließ — seine Hunde wollten sehnsüchtig zum Haufen zurückkehren, drängten, zerrten und seine Füße wollten ständig halb in den Boden einsinken. Als meine Oma sich im Stockwerk unter mir plötzlich hörbar räusperte, unterbrach das meine Faszination.
Ich ließ vom Fenster ab.

Merkwürdigerweise trägt diese Szenerie dazu bei, dass ich ins Bett gehen möchte — es ist hell geworden, Menschen wachen auf und verrichten ihr Tagewerk.
Die Nacht hat einen wunderhübschen Charme und ist für mich ideal zum Lernen — es ist generell die Tageszeit, wo ich am aktivsten bin (ich mache mir wieder Gedanken über Melatonin).
Nun ist die Nacht vorbei, ihr Charme ist mit ihr verschwunden und Monas Besitzer hat meine Konzentration zunichte gemacht — ich gehe schlafen.

Zusätzliche Schlafmotivation bietet normalerweise auch das nicht Entdeckt werden wollen (was gar nicht einen so großen Teil ausmachen kann, wenn ich mich jetzt im Internet oute).
Wenn Menschen einen dabei erwischen, wie man eine Nacht durchgemacht hat (in diesem Fall durchgelernt hat — das klingt viel produktiver und bewundernswerter und toller), hört man einen blöden Spruch oder wird böse sozial sanktioniert (z.B. durch einen bösen Blick — in einem Reiseführer für die Stadt London hab ich gelesen, dass die englischen Polizisten unhöfliches Benehmen und minderschwere Regelverstöße mit einem bösen Blick ahnden würden.
Seither bildet das für mich die höchste Form der (höflichen) sozialen Sanktionierung :] ).

14
Sep
08

la noyée

Raus.
„Warum?“ — „Frag nicht, tus einfach.“ — „Na gut.“

Ich ging in der Nacht spazieren. Als ich den fast vollen Mond sah, wusste ich, dass es richtig war, der Eingebung zu folgen. „Wohin?“ — „Da vorne, in die Schrebergärten — da ist es dunkel.“
Ich laufe.
„Warum mache ich das?“ — „Wenn du weiter so fragst, verlierst du die Freude daran.
Ich komme an einen Pfahl und mache halt und frage mich, wer auf die Idee kam den Weg durch zwei Pfähle zu behindern. Sie behindern nicht einmal, sie stehen bestenfalls im Weg.
Doch mich interessiert nur der eine Pfahl. An den kann man sich perfekt anlehnen und den Himmel betrachten. Meine Hose wird nass, weil der Pfahl nass ist.
Ich gehe wieder zurück, stolpere über den Bordstein, helfe einem Taxifahrer, der Hausnummer 41 sucht und gehe wieder in die Wohnung. Esse das Eis auf, trinke einen Schluck vom Wasser, das der Besuch daließ, verrichte meine Notdurft und steige wieder die Treppen hinab nach draußen — auf dem Weg zu meinem kleinen Plätzlein.

Draußen erhasche ich einen flüchtigen Blick die Straße entlang. Der Taxifahrer ist nicht mehr da, hat wohl seine Fahrgäste gefunden. Wohin sie wohl fahren möchten?
Zwei Leute führen einen Hund Gassi. Ich verlangsame meinen schnellen Gang, damit sie nicht sehen können wie ich zielstrebig auf die kleine Gasse zwischen all den Schrebergärten zugehe.
Moment mal, deshalb verlangsamst du deinen Gang? Glaubst du, komisch zu wirken, wenn du das tust, was du möchtest?“ — „Spielt das eine Rolle, ob sie mich komisch finden?“ — „Eben. Also?
Ich erhöhre mein Tempo wieder und erreiche die sinnlose rot-weiße Wegbegrenzung.
Ich rauche, fotografiere den Pfahl und fasse die Absicht über das Geschehen einen Blog-Eintrag zu verfassen.
„Warum? Wie komme ich auf diese Idee?“ — „Weil du selbst nicht weißt, was dich hierhin bewegt und es dich fasziniert — sowohl der Spaziergang als auch die ungeklärte Motivation für denselbigen; denk am besten auch darüber nicht nach.“ — „Und warum nicht?“ — „Weil du es ansonsten nicht machen würdest, es käme dir sinnlos vor. Du würdest annehmen, dass es keinem nütze davon zu lesen — doch darum geht es nicht.
Die Gedanken sedieren. Ich lausche „la noyée“ vom „Le fabuleux destin d’Amélie Poulain„-OST und mache mich auf den Rückweg.

Diesmal stolpere ich nicht über den Bordstein; auch fragt diesmal kein Taxifahrer nach dem Weg. Ich erreiche meine Wohnung, in der es nach Oregano und nach meinem Besuch riecht, schnappe mir das Notebook.
Ich weiß, dass du überlegst, den Beitrag nicht zu verfassen.“ — „Egal, ich tue es trotzdem. Es fühlte sich richtig an.“ — „Richtig. Einfach so.

Einfach so.

18
Jun
08

Das dritte Semester — Ich vs. CoXi

WS 2007/08.
Mein drittes Semester Cognitive Science
…und mein letztes!

Das dritte Semester begann mit meiner Aufgabe als Erstsemestertutor. Ich hab mich mit fünfzehn anderen Menschen zusammengetan; wir hatten dann so einige Treffen in den Ferien und jagten unzählige Emails über die Mailingliste, um schließlich in der Einführungswoche vielen euphorischen Menschen wichtige Dinge zum Studienablauf vermitteln zu dürfen.
Im Grunde war alles so, wie vor einem Jahr: es gab unter den Erstis diejenigen Leute, die ja eigentlich Psychologie machen wollten, aber der NC ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht hatte; dann gab es die Leute, die Mathe und Info voll super finden, aber befürchteten, dass ihnen dies auf Dauer zu eintönig wird; und auch jene Leute, die für den Traum ein CoXi zu sein aus nem Kaff neben Nürnberg nach Osnabrück gerannt kommen.
(Eine Spezies war neu: zwei Erstsemester erzählten mir, dass sie sich eigentlich in einen ganz anderen Studiengang einschreiben wollten, aber befürchteten, dass es sich dabei um eine „brotlose Kunst“ handle. Daher sind sie auf den fahrenden, boomenden und sowieso endgeilen CoXizug aufgesprungen — dies ziemlich-sehr fragwürdige Verhalten kannte ich aus meinem Jahrgang nicht.)

Nach der Einführungswoche fingen dann die Vorlesungen an. Und diesmal gab es nur eine Pflichtvorlesung — große Freude!
Neben CoXi-Vorlesungen besuchte ich in diesem Semester auch sieben andere Veranstaltungen. Die Spanne reichte von katholischer Theologie über Psychologie bishin zu theoretischer Physik. Letzteres fiel aber ziemlich sehr schnell wieder aus dem Stundenplan raus. Ich kann nicht genau festmachen, ob ich einfach nicht jeden Mittwoch um 7 Uhr hätte aufstehen wollen, oder ob ich davon abgeschreckt worden bin, dass gleich in der ersten Vorlesung mehrmals nach Taylor entwickelt worden ist (ein Mathestudent aus meinem Freundeskreis regt sich gerne gehäuft darüber auf, dass Physiker bei jedem Problem nach Taylor entwickeln. Egal welches Problem! Ob sie nun versuchen eine mehrdimensionale Wellengleichung näherungsweise herzuleiten oder die Ampel gerade unverhofft auf rot gesprungen ist — erstmal Taylor!)
So besuchte ich durchgehend ‘nur’ fünf nicht-CoXi Vorlesungen.

Richten wir den Scheinwerfer der Erzählung jedoch zunächst wieder auf CoXi:
mir wohnte eine große Motivation und Vorfreude inne. Das lag etwas an der Euphorie der Erstis, von der ich mich anstecken ließ; beruhte aber im Wesentlichen auf der neuen Perspektive: die meisten Veranstaltungen fingen endlich nicht mehr mit „Introduction to“ an — kein Grundlagenkram mehr! Wir hatten uns nun eine ordentliche Wissensbasis erarbeitet, die es uns ermöglichen würde differenzierte Themen der Kognitionswissenschaft zu behandeln.
Ich war sehr gespannt.

Doch ich wurde enttäuscht. Die erste Enttäuschung kam ziemlich früh: eine CoXi Vorlesung im Bereich der kognitiven Psychologie fiel aus. Warum? Es wollten nur fünf Leute daran teilnehmen (mich eingeschlossen). Nur zwei davon (wieder mich eingeschlossen) erklärten sich auf Anfrage der Sekretärin des Dozenten bereit auch zur ersten Sitzung zu erscheinen…
Die zweite Enttäuschung war Neuroinformatik. Ich mochte den Dozenten nicht, was die meisten anderen gar nicht nachvollziehen konnten. Irgendwann ging ich kaum noch zur Vorlesung, obwohl es sich um eine Pflichtvorlesung handelte. Zugegeben ist das kein besonders guter Grund eine Vorlesung mit eigentlich interessanter Thematik nicht zu besuchen — wayne (sowieso wurde vieles in diesem Semester ‘wayne’…).

Die meisten Vorlesungen/Seminare entwickelten mit der Zeit die Tendenz altbekanntes zu wiederholen und bestenfalls leicht zu vertiefen oder die Tendenz intuitives Wissen in Worthülsen zu stopfen oder aber die Tendenz sich in einseitige detailbessesene Modelle und Theorien zu verstricken.
Methods of AI schaffte es alle drei Tendenzen zu entwickeln: das aus dem zweitem Semester bereits bekannte Thema ‘Search’ wurde wiederholt, intuitives Wissen zur Beweisführung wurde in Begriffe („Beispiel“, „Gegenbeispiel“, „Induktion“…) verpackt und mit den Cognitive Architectures wurden einige unhandliche Modelle vorgestellt, die ich nicht als besonders sinnvoll empfand.

Parallel zu diesen Frustmomenten redete ich mit zwei Freunden gehäuft über ihre Zukunft. Der eine wollte Studiengang und -ort wechseln und der andere überhaupt erst anfangen zu studieren. Mit der Zeit stellte ich mir dann selbst die Frage nach meiner Zukunft. Ich fragte mich, was ich von CoXi erwarte und was ich nach dem Studium damit anfangen will.
Wenn man einen CoXi nach der Zeit nach CoXi fragt, erhält man meist die Antwort: „CoXi hat acht Module. Du kannst in jedem Modul theoretisch deinen Master machen — das ist ja das geile an CoXi!“

Welche Module kämen für mich in Frage? Anfang des Semesters hätte ich „Neurobiologie, Psychologie und Linguistik“ geantwortet. Doch mittlerweile mochte ich Linguistik nicht mehr. So toll die Computerlinguistik-VL im zweiten Semester auch gewesen ist, zeigten mir doch die beiden Veranstaltungen im dritten Semester etwas, was ich nicht „mein Berufsziel“ nennen kann.
Und Neurobiologie? Ich zweifle extrem stark an, dass sich ein CoXi Bachelor so mir, nichts dir nichts für einen (Neuro-)biologie Master einschreiben darf. Das Angebot an (offiziellen) (Neuro-)bio VL ist dafür viel zu dürftig.
Bleibt noch die Psychologie. Aber da siehts mit dem Angebot ebenso dürftig aus. Der Unterbereich ist eigentlich auch nur mit „Kognitionspsychologie“ betitelt und macht daher bestenfalls 1/4 des gesamten Psychologiespektrums aus.

Schlussfolgerung: ich werde mich einfach in Psychologie und/oder Neurobiologie beraten lassen müssen und mir meine Möglichkeiten aufzeigen lassen. Alles andere würde ich dann irgendwann vor dem Bachelorabschluss entschieden haben.
Ich wollte mich fürs Erste nur in Psychologie beraten lassen, weil sie für mich wesentlich reizvoller ist, als die Neurobiologie/Neurowissenschaft.

Neues Problem: an wen wende ich mich? An CoXi-Professoren, die keine Ahnung von Masterstudiengängen in anderen Fachbereichen haben oder an Psychologie-Professoren, die keine Ahnung von CoXi haben?
Ich entschied, dass es das beste sei diese an-wen-wende-ich-mich-Frage dem Studiendekan in CoXi, Prof. Stephan, zu stellen. Der sagte, ich müsse mich an die Studienberatung der Psychologie wenden, sei sich aber nicht sicher, ob ein Psycho-Master mit CoXi-Bachelor überhaupt möglich sei…
Ich ging zum Studienberater der Psychologiestudenten, Prof. Suck mit Namen.
Er sagte mir, dass ein Wechsel möglich sei, aber nicht besonders wahrscheinlich. Es wird, wenn das Bachelor/Master System nächstes Semester in Osnabrück eingeführt wird, 30% Masterplätze in Relation zu Bachelorplätzen geben. Ich müsste demnach erstens sehr gute Noten haben und zweitens einen Antrag an den Prüfungsausschuss stellen, die meinen Bachelor in CoXi als Ersatz für den Bachelor in Psycho anerkennen würden.
Vorsichtig zeigte Prof. Suck mir die Möglichkeit eines Studienwechsels zum nächsten Semester hin auf, die ich spontan mit „etwas radikal“ kommentierte.
Er sagte mir, dass ein Wechsel in ein höheres Semester viel einfacher und wahrscheinlicher sei, als mein eigentliches Vorhaben. Das funktioniert dann so:
Die Uni bietet eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen im NC-Studiengang Psychologie an. Diese Plätze werden natürlich zum ersten Semester hin von der ZVS gefüllt. Sobald jemand das Studium dann abbricht oder den Studienplatz wechselt, sind quasi freie Plätze vorhanden. Wenn man durch wildes Wedeln mit Scheinen zeigen kann, dass man in etwa die Qualifikation eines höhersemstrigen Psychologiestudenten besitzt, darf man quereinsteigen.

Professor Suck sprach noch hier und da einige wichtige Punkte an; ich bedankte mich abschließend artig und verließ sein Büro mit dieser kleinen Idee, die langsam in meinem Kopf aufkeimte und Wurzeln schlug:
direkt nach der Beratung schätzte ich die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Antrag auf Studienwechsel stellen würde, mit 50% ein. Einige Tage später waren es 70%. Acht Tage nach der Beratung stellte ich den Antrag.

Ich wollte meinen CoXi-Freunden nichts von der Beratung erzählen, bis ich mir meiner Sache sicher genug war, da ich ahnte sie würden diese Idee nicht gutheißen.
Ich ersonn das Weihnachtsfrühstück am letzten Tag vor den Weihnachtsferien als DEN Termin, um mich zu outen. Meine Antragsstellung lag zu dem Zeitpunkt bereits gut eine Woche zurück.

Ich erhielt in der Tat sehr komische Reaktionen. Einige sprachen davon, dass ich nicht einfach „weggehen könnte“ oder, dass ich mich falsch entschieden hätte oder, dass dies nicht mein Ernst sein könne.
Eine einzige Person sagte, dass sie sich für mich freuen würde, da es das sei, was ich schon immer gewollt hätte.
Am Tag danach beschwerte sich noch eine andere Person vom Frühstück darüber, dass ich ihr das Weihnachtsfest durch diese grausige Vorstellung ruiniert hätte. Sie war ernsthaft angepisst und ich ernsthaft erstaunt.

Es waren aber längst nicht alle so extrem. Viele haben gar nicht erst angefangen darin ein großes Problem zu sehen. Und die meisten, die doch eins gesehen haben, haben sich zumindest damit abgefunden.

Das Semester kam bald zu seinem Ende. Klausuren wurden geschrieben (oder auch nicht geschrieben — hab mich am Morgen vor einer Klausur dazu entschieden, sie nicht mitzuschreiben, weil ich davon überzeugt war, ich würde nicht bestehen können — ich hatte in der Nacht zuvor nur die Hälfte des Lehrstoffes wiederholen können; hätte doch zwei Nächte dafür einplanen sollen..).
Die Ferien fingen an. Schluss.

Meine Lieblingsvorlesungen in dem Semester lauteten „Motivation & Persönlichkeit“ und „Neutestamentliche Eschatologie“. Da bin ich einfach immer wieder gerne hingegangen. M&P war zudem eine Psychologievorlesung; die Aussicht auf einen Studienplatz hat meine Freude an der Vorlesung, die ohnehin schon groß war, weiter verstärkt.

Die schlimmsten Vorlesungen waren Statistical Natural Language Processing und Action & Cognition. Auch wenn das für A&C nur bedingt zutrifft: Action & Cognition umfasste sehr interessante Themengebiete — aber eben nicht nur. Einige Inhalte der VL waren bereits aus anderen VL bekannt, waren falsch oder stellten sich im Nachhinein sogar durch die VL selbst als falsch bzw. inkonsistent heraus. Das Ganze wurde von einem Professor begleitet, den ich sehr merkwürdig finde. Und das liegt nicht nur an seiner Art zu sprechen („Se nnürohn in se senter of sihs sörkl…“ — „The neuron in the center of this circle…“).
Ich kann nicht genau festmachen, woran es liegt…
Tatsache ist, dass er es liebt die Schriftart ‘Comic Sans MS’ zu benutzen — kein gutes Zeichen.

Und was wurde aus dem Wechsel?
Für mich stand fest: wenn aus dem Wechsel nichts wird, werde ich es wieder und wieder versuchen. Ich hab mich richtig auf den Gedanken an ein Psychologiestudium fixiert/verstrickt/festgenagelt. Ich versuchte schon vor dem CoXi Studium Psychologie zu studieren (so war ich auch im ersten Semester für meine Einführungswochentutoren in eine bereits bekannte Kategorie einsortierbar); die ganzen Gedanken rund um den Wechsel haben mich wieder an diesen — ich traue mich kaum das Wort zu benutzen — Traum erinnert und ihn lebendig werden lassen.
Vielleicht habe ich diesen Traum während der vergangenen Semester unabsichtlich ausgeblendet; vielleicht erschien mir aber tatsächlich CoXi ein ebenbürtiger Ersatz zu sein — keine Ahnung.
Auf jeden Fall ist mein Traum wieder erwacht und stärker als je zuvor.

Damit kann man die Beziehung zwischen CoXi und mir als gescheitert ansehen.
Ich hab mich in vielen Gedankengängen wiedergefunden, die sich damit befassten, warum CoXi eigentlich so scheiße ist. Einige drehten sich um die kränkliche Methodik, andere um den übertrieben starken Fokus auf das symbolische Bewusstsein und wieder andere um die Besessenheit von der Idee eine Internationalitätsattitüde durch Englisch als Vortragssprache wecken zu müssen.
Ich hab mich mit keinem Gedankengang lang genug befasst, als das ich jetzt hier darüber berichten kann/möchte — aber soviel sei gesagt: CoXi darf wegen mir gerne weiterexistieren, so scheiße ist es gar nicht :)

Ich persönlich sehe mittlerweile in dem Studiengang (bzw. in den ersten drei Semestern) einen schönen Einblick in acht wissenschaftliche Disziplinen. Ich hatte quasi mit CoXi eine umfangreiche Orientierungsphase.
Vielen Dank dafür.
Ich bezweifle nur, ob die letzten drei Semester mehr vollbringen können, als einen umfangreichen und oberflächlichen Einblick in jene acht Disziplinen zu vermitteln.

Zurück zu meinem angestrebten Wechsel:
Mein Antrag ist bewilligt worden!
Derzeit bin ich ein glücklich hüpfender Psychologiestudent im zweiten Semester.
Der wichtige Brief kam eine Woche vor Vorlesungsbeginn. Ich wusste bereits an der Dicke des A5 Briefkuverts, dass es einfach geklappt haben muss.

In der ersten Vorlesungswoche ging ich dann zum Studierendensekretariat und machte den Wechsel offiziell. Als ich ankam, sagte ein dicker Mann zu einem Mädchen am Schalter: „Glückwunsch, sie sind die letzte, die wir für das Diplom in Psychologie zugelassen haben.“
Ich habe am Tresen neben dem Mädchen einer Dame mein Anliegen vorgebracht. Sie schritt dann zu einer Kollegin und verkündete, dass „der andere jetzt auch da sei“. Genau das drang dem gratulierenden Dicken ins Ohr. Er wandte sich zu mir um, suchte meinen Blick und sagte erfreut: „Ah, toll! Und sie sind der Vorletzte!“
Er fing an zu lachen und ich begann zu strahlen — ich habe es geschafft. Ich bin da. Alles wird gut.
Danke.

Die Kollegin bereitete wenig später meinen neuen Ausweis vor und fragte mich: „Wollen Sie Ihren alten Studiengang parallel weiterstudieren?“
„Mh.. nein.“, sagte ich.
„Sie wollen Cognitive Science aufgeben?“
Das klang dann doch etwas hart. Ich dachte sehr kurz darüber nach und sagte schließlich sicher und bestimmt:
„Ja, ich will es aufgeben.“

01
Dez
07

Toby nervt!

Yay!
Ich darf euch, die gesamte Leserschaft, beruhigen — alles wird gut:
Aus „Zephyr“ wird „Toby nervt!“!

Ich erkläre den Dezember im Übrigen zum Monat der Wiedergutmachung.
Das wärs dann auch schon soweit von mir, WENN da nicht gewisse Fragen wären, die in euren Köpfen umherirren (sollten).
Wie zum Beispiel:

„Wer nennt sein Blog freiwillig >Soundso nervt!<!?“
Ich?
Okay, okay! Die Entstehungsgeschichte: Ich hab es aus Versehen selbst „Toby nervt“ in mein Blog geschrieben. Auf der Seite „über mich“ hatte ich Probleme beim Anpassen des Fotos. Es gab überhaupt keinen Platz zwischen Bild und Text; einige Leerzeilen fehlten auch.

So hab ich in weisser Schrift dicke, mächtige Ms zwischen Bild und Text gepackt und einige Zeilen über und unter den „Hallo, ich bin…“-Kram mit dem alleinigen Inhalt „nervt“ gesetzt. Und warum? Richtig, weil ich derbe angefressen war.
Eines Tages entdeckte ein Kommolitone mit Namen Ändy meine „über mich“ seite und gestand, dass sie ihm nie zuvor aufgefallen war. Ich war gerade in Plauderlaune und erzählte von meinen Formatierungsproblemen.
Wir fanden schnell heraus, dass dieses Blog sogar unter Suchmaschinen mit dem Suchstring „Toby nervt“ zu finden ist.
Eines weiteren Tages wurde das Versehen in der Mensa wieder zum Thema und aus Ändys nicht ernst gemeintem „Bennen dein Blog in >Toby nervt< um“ entstand eine Idee, die heute in die Tat umgesetzt wird.

„Warum?!“
Es bietet ungeahnt viele Vorteile!


Nach sauberem Aptippen aller Vorteile in eine lustige Liste fiel mir allerdings auf, dass ich so die Wirkung des >Toby nervt!< vorschreibe und vielleicht einige nicht bedachte Assoziationen zerstört werden. Denkt euch selbst euren Teil dazu.
Übrigens: Dem Namen Zephyr bleibe ich in der URL weiterhin treu. Nicht nur, weil ich kaum eine andere Wahl habe — nein; auch aus Überzeugung. Denkt euch am besten auch dazu euren Teil.

„Warum ist der Dezember der Monat der Wiedergutmachung? Ich dachte es gehe um Weihnachten…“
Natürlich dreht sich alles im Dezember um Weihnachten (zumindest in meiner Welt). Das Wiedergutmachungsding ist ein Blog-internes-Ding.

„Was sich wie äußern wird?“
Das sieht man dann. Nehmt es als Weihnachtsgeschenk, womit ein ziemlich schöner Bogen zur Hauptdezemberthematik geschlagen wurde.

Zum Abschluss danke ich Ändy, der sein Blog nun nicht mehr „Ändy nervt“ nennen darf, weil unorginell. Vielleicht aber „Ändys bunte Welt der vielgliedrigen heisenbergschen Quantenabsorptions- defizitungeheuer“ oder einfach „ÄbWdvhQ“, was gleichzeitig ein superduftes Passwort darstellt!

12
Jun
07

Zephyr

Ein herzliches ‘Hallo’ und ‘herzlich Willkommen’ an Euch, die ihr euch hierher verirrt habt! Der Toby hat einen Blog!

Jawohl, ich halte mich für wichtig und interessant genug um öffentlich Informationen preiszugeben und diversen Senf dazuzugeben! (Hat ‘Senf’ einen Plural?!)

Doch warum heisst dieser Blog ‘Zephyr’ (nochmal Grammatik: ‘dieser Blog’ oder ‘dieses Blog’?) ? Wenn man einen Blick auf Wikipedia wirft, erfährt man, dass Zephyr ursprünglich eine Figur aus der griechischen Mythologie ist, die den Westwind verkörpert. Zephyr hat aber nicht nur die Funktion den Westwind zu verkörpern, sondern auch die Funktion wahllos beliebig viele Frauen und weibliche Tiere zu schwängern. Wer mich näher kennt, wird wissen, dass ich höchst selten wahllos Frauen einen Braten in die Röhre schiebe – geschweige denn Tieren. Übrigens: Zephyr, so Wikipedia, findet auch „Gefallen“ an jungen Männern – da kommen wir der Sache doch schon näher!

Der Name Zephyr bezieht sich schon auf den Westwind, aber nicht auf die Beschreibungen in Wikipedia. Den Namen ‘Zephyr’ habe ich vielmehr meinem Lieblingsbuch, Andreas Steinhöfels „Die Mitte der Welt“ entliehen. Alle die das Buch gerade lesen oder noch lesen wollen, sollten folgendes überlesen (ist nicht wirklich ein Spaß-an-dem-Buch-verderbendes Ding, aber dennoch eine schöne Nebenhandlung):

Die Schwester des Protagonisten, Dianne, hat sich in einen Jungen verliebt, der drei Jahre zuvor einen schlimmen Radunfall hatte und seitdem im Koma liegt. Sie hat nie aufgehört ihn zu lieben und verbrachte viele Stunden an seinem Krankenbett. Sie nannte ihn „Zephyr“:

„Zephyr“, wiederhole ich leise. „Das ist nicht sein richtiger Name, oder?“
„Nein. Es gibt ein Gedicht über den Westwind: Erhebe mich wie eine Welle, trag mich wie Wolken, wie ein Blatt, bevor ich blutend auf des Lebens Dornen niedersinke… Na ja, klingt ein bisschen kitschig.“ Dianne sieht mich an. „Er heißt Jan.“
-Andreas Steinhöfel,“Die Mitte der Welt“ S. 435

Sie schrieb ihm regelmäßig Briefe. Diese Briefe legte sie in ihre Schreibtischschublade, da Zephyr sie niemals lesen würde.

„Wird er wieder … ich meine, besteht eine Chance, dass er irgendwann wieder aufwacht?“ „Nein, er ist tot“, antwortet Dianne nüchtern. „Wenn die Maschine entfernt würde, wäre es vorbei. Aber seine Eltern lassen es nicht zu.“ [...] „Warum lassen sie ihren Sohn an diesem Apparat hängen?“ „Weil sie ihn lieben.“ „Das ist sehr egoistisch.“ Dianne zuckt die Achseln. „Das ist Liebe doch immer, oder?“
- Andreas Steinhöfel, „Die Mitte der Welt“ S. 437 f.