Archiv der Kategorie 'Witziges'

18
Dez
07

Wer suchet, der findet … mich!

wordpress.com — die liebenswerte Homepage, die mein Blog hostet — hat die liebenswerte Eigenschaft Blog-Statistiken anzuzeigen.
So kann ich in etwa sehen an welchen Tagen wie viele Menschen mein Blog besucht haben oder das Folgen welcher Links Menschen zu meinem Blog führte.

Die witzigste Eigenschaft der Blog-Statistik verbirgt sich unter dem Punkt „Suchbegriffe“.
Immer mal wieder hab ich mir die Auflistungen der Suchbegriffe, die Menschen in Suchmaschinen eintippten und anschließend auf meinem Blog landeten, angeschaut und habe die kuriosesten gesammelt.

Da wäre zum Beispiel der Eintrag über das Rosenstolz Konzert im Juni diesen Jahres. Verdammt viele Rosenstolz Fans suchten nach dem Song „Ich hab noch immer blaue Flecken“, hofften auf meinem Blog etwas zu finden und landeten auf dem gleichnamigen Eintrag. Fast genauso viele Leute erhofften sich hier Informationen über ihre Hämatome zu finden.
Die Liste Suchbegriffe beinhaltete Einträge wie „warum bekommen wir blaue flecken“, „blaue flecken immer mehr“, „flecken am menschen kopf links“ und (erschreckend häufig) „blaue flecken gehen nicht mehr weg“.
Ich wünsche allen Betroffenen eine gute Besserung :)

Es gab auch auf Cognitive Science bezogene Suchbegriffe. So zum Beispiel „cogsci weihnachtsfeier osnabrück“, „mr. evert“ (ein Linguistik Professor) und — mein persönlicher Liebling (eignet sich gut für einen Blog Titel) — „Achtung künstliche Intelligenz“.
Porno darf auch nicht fehlen: „geile frauen+mulatten“, „Porno auf der Bühne“, „auf welchen Sendern kommt Porno in der n“ und „geile blaue augen“.

Einige Sachen waren so gar nicht auf mein Blog gezogen und ich wunderte mich wie viele Einträge man in Suchmaschinen durchsehen muss, bevor mein Blog aufgelistet wird.
So bekamen Menschen mein Blog zu Gesicht, wo sie doch eigentlich nach „welche astrosendung gibt es“, „wie gewinne ich flitterwochen“ oder „ICH MUSS UNENDLICHKEIT GEHEN“ suchten.
Vor allem dem Menschen, der nach dem Suchen von „computerkiste leipzig“ hier landete, möchte ich für den putzigen Suchbegriff danken. Das Blog ist auf www.google.de an dritter Stelle unter diesem Suchbegriff gelistet. Hier übrigens kommt der Begriff „Computerkiste“ aus dem NeunLive-Eintrag und „Leipzig“ wieder aus dem Rosenstolzkonzert-Eintrag.
Der Suchbegriff ist so putzig, dass ich drauf und dran bin mir diese Bezeichnung für mein Notebook anzugewöhnen. Allerdings verliert diese Vorstellung gerade sehr schnell an Reiz.

Wieder andere Suchbegriffe haben ihr Ziel gefunden, dieses Blog. Für „Text ohne e“ ist ein wunderhübsches Beispiel gegeben. Einen Auszug aus dem Gedicht über den Westwind, habe ich aus „Die Mitte der Welt“ zitiert, wodurch auch die Suche nach „erhebe mich wie eine Welle“ Erfolg gehabt haben sollte. Die Suche nach „KOST JA NIX“ — vor allem in Großbuchstaben — hat mich zwar etwas erschreckt, bezieht sich jedoch direkt auf einen weiteren Eintrag. „Tobias Grage“ und „zephir wikipedia“ (ZephYr!) landeten ebenfalls hier.

Liebe nicht-Leser, die ihr nur auf fehlgeschlagenen Suchen hin hier gelandet seid:
Lest trotzdem hier herum und sucht gefälligst vernünftig!
Eine Suchmaschine wird selten eine Frage wie „warum bekommen wir blaue flecken“ beantworten. Wenn man einige Worte drumherum weglässt und dann noch das Wort der Begierde im Singular mit dem Befehl „define: “ davor unter www.google.de eintippt, sucht Google die gewünschte Antwort auf die Frage.
Zweiter Tipp: Gänsefüsschen! Nutzt Anführungszeichen, um nach mehreren Wörtern oder ganzen Sätzen in der von euch vorgegebenen Reihenfolge zu suchen. Das dieses Blog unter „jemand der nachdenkt“ gefunden wurde, ehrt mich zwar, doch selbst nach dem Durchsehen von 50 Seiten mit Suchtreffern habe ich mein Blog noch nicht entdeckt. Ich muss irgendwo anders unter den 240.000 Treffern gelistet sein. Setzt man den Suchstring in Anführungszeichen erhält man unter Google nur noch 362 Treffer.
Google selbst bietet eine Reihe von Suchtipps und verfügt über eine Such-F.A.Q. — einfach mal reinschauen :)

Zum Abschluß noch zwei weihnachtliche Suchbegriffe, die mein Blog erreicht haben:
Sollte der- oder diejenige, der/die nach „angepisste geschichte weihnachtsfeier“ gesucht hat noch einmal hierhin finden:
Ein anderer Mensch suchte nach „weihnachtsmann nordpol schamanen“. Wenn ich das lese, kommen mir direkt eine Menge Assoziationen, die sich um nervige Schamanen und einen angepissten Weihnachtsmann drehen.

15
Okt
07

Das „Ja, aber–“-Phänomen

Das Sprechen in Universität, Schule und einigen anderen Institutionen/Firmen/Was-auch-immern unterliegt einem witzigen Regelsystem:

Einer ist der Chef. Der Chef darf immer reden, wanns ihm passt. Alle anderen (die sog. „Meute“) muss wahlweise den linken oder rechten Arm in die Luft strecken, um zu signalisieren „Chef, ich möchte etwas sagen.“. Wenn der Chef keinen Grund sieht, der dagegen spricht, dass einer aus der Meute zu Wort kommt, deutet er durch eine Handbewegung, ein knappes „Ja?!“ (auch: „Bitte?“ oder „Sie da!“) oder gar durch die Nennung eines Namens an den Aufzeigenden gewandt an, dass dieser nun reden darf.
Der Aufzeigende hört auf aufzuzeigen und fängt an zu sprechen. Danach hat er/sie das Recht auf Reden wieder verwirkt und der Chef ist wieder dran.
Das ist als Regelsystem völlig in Ordnung. Der Chef hat so oder so meistens sehr viel zu sagen und darf sich ruhig etwas wichtig machen, indem er/sie Rederechte verteilt.

Es gibt einige Variationen und Abweichungen vom Regelsystem. Es kann zum Beispiel der Fall sein, dass jemand während einer hitzigen Debatte das ganze System vergisst und nicht mehr aufzeigt. Es kann sein, dass der Chef den Redenden einfach unterbricht oder aber dass einer aus der Meute unerlaubterweise losbrüllt, weil gerade ein massiver Klotz Decke auf sein Haupt gefallen ist.
Derlei Regelverletzungen finde ich persönlich unbedenklich.

Aber es gibt da eine Abweichung vom System, ein Regelverstoß, der mich einfach nur wahnsinnig macht!
Die Rede ist vom „Ja, aber –“-Phänomen:
Jemand aus der Meute hat das starke Bedürfnis auf etwas Gesagtes mit Worten zu reagieren. Laut und vollkommen unaufgefordert spricht dieser jemand laut einen Teil der geplanten Reaktion (die Einleitung) aus, hört mitten im Satz auf zu reden, hebt seine Hand und wartet.
Der häufigste Reaktionsanfang scheint „Ja, aber –“ zu sein, weshalb das Phänomen diesen Namen trägt. Auch möglich und von mir wahrgenommen wurden zum Beispiel „Ist es nicht klüger, wenn man –“, „Hmm… ist auch eigentlich –“ oder „Das ist aber nicht –“.

Wie ist dieses Phänomen zu erklären?
Es könnte sein, dass der Reaktionswillige aus der Meute einen Moment lang vergisst, dass er sich an das Regelsystem zu halten hat. Allerdings konnte ich noch nie eine Schamröte im Gesicht des stümperhaften Unterbrechers erkennen. Es könnte auch sein, dass die Person hofft der Chef würde direkt seine/ihre Aufmerksamkeit auf die Person richten; und wenn der Chef eben nicht reagiert, zeigt man doch widerwillig auf. Ich tippe eher auf letzteres — auch wenn es keine befriedigende Erklärung für mich darstellt.
Vielleicht möchten sich einige Leser ja hier outen und verraten, was ihre Beweggründe sind.

Viel wichtiger als das Phänomen an sich ist jedoch die Tatsache, dass mich dessen Auftreten zur Weißglut treibt!
Ich werde weiteres Auftreten dieses Regelverstoßes mit einem bösen Blick ahnden!

15
Jun
07

Künstliche Intelligenz in Haushaltsgeräten

Vor ein paar Wochen, an einem Samstag, wurde ich früh morgens unsanft geweckt. Irgendwas piept, dachte ich und schielte auf die Uhr: „09:31″. Ich blieb liegen in der Hoffnung, dass die Quelle des Piepens mit dem selbigen aufhören würde, wenn ich ihr nur glauben machen könnte, niemand würde sie beachten.

Falsch gedacht! Ich raffte mich also auf, ging raus auf den Flur und identifizierte unseren Rauchmelder als Geräuschquelle. Meine noch nicht ganz wachen Sinne registrierten weder Hitze, noch Rauchgeruch, noch Flammen, noch Hilfeschreie. So entschied ich „blitzschnell“: Die Batterie muss demnächst gewechselt werden.

Ich schraubte den Rauchmelder aus seiner Fassung (was zum Glück mit der bloßen Hand zu bewerkstelligen war) und entfernte die Batterie aus dem Gerät. Leicht genervt torkelte ich zurück in mein Zimmer und legte mich wieder schlafen.

Als ich aufwachte und mein Zimmer verließ, sah ich den Rauchmelder achtlos auf einem Tisch liegen. Ach ja!, dachte ich mir, das nervige Ding hat mich ja eben geweckt. Ich demonstrierte meine Überlegenheit gegenüber der Maschine, indem ich mir ihre kläglichen Überreste anschaute (Genau genommen waren die Überreste nicht kläglich. Der Rauchmelder funktioniert immer noch bestens – hoffe ich.). Im Batteriefach sah ich einen weißen Aufkleber, der normalerweise von der Batterie verdeckt war.

Es handelte sich um einen Warnhinweis:

„ACHTUNG!
BATTERIE ENTFERNT!“

o_O

„Alle Achtung. Ist schon fast gruselig, dass DIE das so genau mitbekommen haben.“

14
Jun
07

Bücher für bessere Menschen

Neulich trudelte ein Brief bei uns zu Hause ein.

Der Brief kam vom Club Bertelsmann mit der Bitte doch etwas aus dem Club zu kaufen. Andernfalls würde selbiger Club annehmen, dass wir uns bereits vor Freude in unserem eigenen Urin wälzen, angesichts der Tatsache, dass wir in wenigen Tagen endlich automatisch Nichtssagendesbuch #122 kaufen werden.

Ich überlegte wie ich den Club davon abhalten kann uns die sog. „monaltiche Kaufempflehung“ zuzusenden und nahm kurzerhand die Autoschlüssel.

Im Club dann (wem das zu schnell ging: zwischen „Schlüssel-nehmen“ und „Im-Club-sein“ fand noch das ereignislose „Auto-fahren“ statt) nahm ich die Suche nach Harald Schmidts „Mulatten in gelben Sesseln“ auf. Der Club war praktischerweise in eine Buchhandlung integriert, die wiederum in einen Bürobedarfsartikelladen integriert war.

Ich suchte einige Regale ab und stellte entnervt fest, dass die gesamte zweite Etage des Geschäfts ebenfalls mit Büchern vollgestopft war. Ich erspähte eine Verkäuferin. Ein dafür-wird-die-Frau-schließlich-bezahlt-Gedanke (DWDFSBG, nicht zu verwechseln mit dem artverwandten DWDMSBG) trieb mich an, sie um Hilfe zu bitten.

Zwei Frauen okkupierten, von einem DWDFSBG angetrieben, die Verkäuferin. Frau #1 schaute ihr soeben erworbenes Buch an und Frau #2 nahm ihr Buch entgegen. „Na endlich!“ sagte sie. Frau #1 stierte auf das Buch von Frau #2 und sagte: „Oh das Buch wollte ich schon IMMER mal lesen, aber man kommt ja so schlecht ran!“. Frau #2 entgegnete: „Ja genau, deshalb freu ich mich jetzt auch sehr. Das Buch soll wirklich gut sein.“ Als die Verkäuferin sich mit einem „Ja, die Frau hat viele gute Bücher geschrieben, wisst ihr?“ einschaltete, erkannte ich, dass das ganze länger dauern könnte und schaute mich wieder seufzend um. Ich schritt zum gerade entdecktem Regal „Bestseller“ und hoffte fündig zu werden.

Als auch dieses Regal erfolglos abgesucht war und Frau #1 und #2 entschieden haben, dass die Verkäuferin ihr nächstes Monatsgehalt mit gutem Gewissen entgegen nehmen darf, schritt ich wieder zu der Frau mit dem „DER CLUB“ Namensschildchen.

Ich fragte sie : „Guten Tag. Haben sie „Mulatten in gelben Sesseln“ von Harald Schmidt?“ „Nein, das ist derzeit vergriffen. Wollen sie es bestellen?“ Himmel! Das war ja SO klar!, dachte ich, ich bestelle es bei amazon.de! . In meinem Kopf machte sich wieder Nichtssagendesbuch #122 breit, sodass ich kurze Zeit später „Ja, ich möchte es bestellen.“ zurückgab.

Die Verkäuferin zückte einen kleinen Block mit gelben Zetteln und machte sich Notizen: „Wie heissen Sie?“ „Ich heisse Tobias Grage. Ähm… brauchen sie die Clubkarte?“ Die Frau hört plötzlich mit dem Schreiben auf und blickt mir in die Augen. „Sie sind beim Club?“ „Ja, bin ich.“ Die Mimik der Frau erhellte sich schlagartig und ein Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. „Na, wenn das so ist. DANN revidiere ich meine Aussage.“ Zielsicher ging sie zu einem Regal unweit von der Kasse, zog noch zielsicherer ein kleines Buch aus dem Regal und reichte es mir. „Hier, bitteschön!“

Ich schaute irritiert auf das Cover, während die Frau zur Kasse schritt „Das macht dann 8,95! Ihre Karte, bitte.“ Ich tat wie geheißen und verließ dann das Geschäft. Heftig!, dachte ich mir auf dem Weg zum Auto, es gibt Bücher für bessere Menschen. Das schlimmste war: Ich gehöre zu den besseren Menschen mit der Eigenschaft Club Mitglied zu sein.

Jetzt freue ich mich auf den nächsten Besuch beim Club, wo ich von Anfang an meinen Schlüssel zum Glück (Club-Plastikkarte) breit lächelnd vorzeige und in den geheimen, mit rotem Samt ausgestatteten Bereich geleitet werde; dort, wo die guten Bücher stehen.

12
Jun
07

Die Unendlichkeit von natürlichen Sprachen

Wir wissen alle, dass unsere Sprache ständig erweitert wird und nie einen finalen Zustand erreichen wird. Das ist einer der Gründe, warum natürliche Sprachen unendlich sind.

Ein Beispiel für eine Spracherweiterung durfte ich aus nächster Nähe erleben. Wir kennen verschiedenste Arten und Weisen auszudrücken, dass man auf die Toilette gehen möchte. Wenn man also seinen Freunden sagen möchte, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, wenn man mal eben kurz verschwindet. Man sagt Sachen wie: „Ich geh mal eben aufs Klo!“, „Ich hab Druck auf der Leitung!!“ oder „Ich geh pissen!“.

Schon „Druck auf der Leitung haben“ zeigt, dass man sich sprachlich geschickt um den heissen Brei herummanövrieren kann. Einige Kommolitonen bevorzugen diese Art der Urinierungsbedürfnisverlautung. Und ich, in meiner Rolle als strikter Gegner dieser Bewegung, wies diese Personen öfters daraufhin, dass ich mich über direktere Äußerungen freuen würde, was bei eben diesen Personen zu einer unverschämten Trotzhaltung führte. Nahezu provokativ hagelte es also „Ich lege mal eben einen Boxenstopp ein.“ oder „Ich verschwinde mal eben kurz ‘wohin’.“.

Doch jetzt kommts! Eines Tage sagte Karl G. aus M. (Name geändert): „Ich geh mal eben ins Zwischenstockwerk!“. Für alle, die das AVZ der Universität in O. nicht kennen: Tatsächlich gibt es eine Toilettenanlage, die auf halber Strecke zwischen dem Unter- und Erdgeschoss liegt – ein Zwischenstockwerk!

Das Zwischenstockwerksding wurde schnell von einigen anderen ebenfalls verwendet und ging in den „allgemeinen Sprachgebrauch“ über. Bis hierhin klingt alles nach einem kleinen „Insider“, dem keine größere Beachtung geschenkt werden sollte, doch eines weiteren Schicksalhaften Tages sagte Wilhelmine P. aus C. (Name geändert) „Ach, geht schon mal ohne mich nach oben! Ich muss noch mal eben zwischenhergehen.“

o_O

So war ein Verb für die Tätigkeit „aufs Zwischenstock gehen“ geboren. Was folgt als nächstes? Ein Adjektiv? So wie in „mein zwischenstöckiges Bedürfnis wächst!“ oder „Ich hege zwischenstöckige Gedanken.“.

Was soll uns dieser Eintrag sagen?

  1. Lasst aus akuter Anstößigewörterausprechphobie die Sprache nicht unendlicher werden.
  2. Verfasst über eine Nichtigkeit wie diese keinen Blog-Eintrag. :)